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In einem hellen Versorgungszentrum stimmen sich ein Arzt und eine Medizinische Fachangestellte am Empfang ab, dahinter warten Patienten.
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Angestellt im Versorgungszentrum

Was die Anstellung in einem MVZ ausmacht und worin sie sich vom Arbeiten in der klassischen Praxis unterscheidet.

Im MVZ arbeiten Ärztinnen und Ärzte fast immer angestellt und nicht mit eigener Zulassung. Hinter dem Namen steht ein Träger, der ein Arztverbund, ein Krankenhaus oder eine Kommune sein kann. Wer weiß, wer dieser Träger ist, stellt im Gespräch die besseren Fragen.

Inhalt

Was das Gesetz unter einem MVZ versteht

Ein Medizinisches Versorgungszentrum nimmt nach § 95 SGB V wie eine Praxis an der vertragsärztlichen Versorgung teil, steht unter ärztlicher Leitung und beschäftigt Ärztinnen und Ärzte als Angestellte oder mit eigener Zulassung. Laut KBV waren Ende 2024 von 31.872 dort tätigen Ärztinnen, Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten 30.133 angestellt.

Das MVZ nimmt wie eine Praxis an der vertragsärztlichen Versorgung teil, also an der Behandlung gesetzlich Versicherter. Der Unterschied liegt in der Organisation: Nicht eine einzelne Ärztin hält die Zulassung, sondern das Zentrum. Die ärztliche Leitung muss nach § 95 Absatz 1 SGB V selbst im MVZ tätig sein und ist in medizinischen Fragen weisungsfrei. Arbeiten dort mehrere Berufsgruppen, ist auch eine kooperative Leitung zulässig.

Jede Anstellung einer Ärztin oder eines Arztes muss der Zulassungsausschuss genehmigen, so steht es in Absatz 2 derselben Vorschrift. Deshalb vergeht zwischen Zusage und erstem Arbeitstag manchmal mehr Zeit als in einer Klinik. Frag nach, ob der Antrag schon gestellt ist und wann der Ausschuss tagt.

Als Rechtsform lässt das Gesetz Personengesellschaften, eingetragene Genossenschaften, die GmbH und öffentlich-rechtliche Formen zu. Die (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer rechnet MVZ in § 2a ausdrücklich zum ambulanten Bereich. Das ist wichtig, wenn deine Weiterbildungsordnung ambulante Abschnitte verlangt oder stationäre Zeiten vorschreibt.

Wer ein MVZ gründen darf

Der Kreis der Gründer ist in § 95 Absatz 1a SGB V abschließend festgelegt. Gründen dürfen:

  • zugelassene Ärztinnen und Ärzte
  • zugelassene Krankenhäuser
  • Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen
  • von der Kassenärztlichen Vereinigung anerkannte Praxisnetze
  • gemeinnützige Träger, die aufgrund einer Zulassung oder Ermächtigung an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen
  • Kommunen

In der Praxis dominieren zwei Gruppen. Laut KBV waren zum 31. Dezember 2024 an 45 Prozent der MVZ Krankenhäuser beteiligt, an 42 Prozent Vertragsärztinnen und Vertragsärzte, an 13 Prozent sonstige Träger. Weil ein MVZ mehrere Träger haben kann, ergibt die Summe mehr als 100 Prozent.

Für dich als Beschäftigte oder Beschäftigter zählt, wer im Arbeitsvertrag steht. Oft ist das MVZ eine eigene Gesellschaft; die KBV nennt GmbH und GbR als häufigste Rechtsformen. Dann ist diese Gesellschaft dein Arbeitgeber und nicht automatisch das Krankenhaus oder der Klinikkonzern dahinter. Ein Tarifvertrag gilt nach § 3 Tarifvertragsgesetz nur, wenn der Arbeitgeber selbst tarifgebunden ist oder dein Vertrag ausdrücklich darauf verweist.

Wie groß MVZ sind und wo sie liegen

Die KBV wertet jedes Jahr die Meldungen der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen aus. Die jüngste veröffentlichte Auswertung bezieht sich auf den Stichtag 31. Dezember 2024.

Wie groß MVZ sind und wo sie liegen
KennzahlWert zum 31.12.2024
Zugelassene MVZ5.085, das sind 188 oder 4 Prozent mehr als Ende 2023
Tätige Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten31.872
davon angestellt30.133
davon mit eigener Zulassung1.739
Durchschnittliche Größe6,3 Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten je MVZ
Lage47 Prozent in Kernstädten, 38 Prozent in Ober- und Mittelzentren, 15 Prozent in ländlichen Gemeinden
Häufigste FachgruppenHausärztliche Versorgung, Chirurgie und Orthopädie, fachärztliche Innere Medizin

Quelle: KBV, Medizinische Versorgungszentren aktuell, Stichtag 31.12.2024, veröffentlicht am 14.10.2025.

Ein durchschnittliches MVZ ist also kein Großbetrieb, sondern eher eine größere Praxis. Ein MVZ kann allerdings mehrere Betriebsstätten haben; die KBV zählt es dann als ein Zentrum. Frag deshalb, an welchem Standort du eingesetzt wirst und ob Vertretungen an anderen Standorten dazugehören.

Was die Anstellung für Ärztinnen und Ärzte bedeutet

Du arbeitest ambulant, ohne eine eigene Zulassung zu halten und ohne das Investitionsrisiko einer eigenen Praxis. Dafür entscheidest du nicht allein über Praxisausstattung, Personal oder Sprechzeiten. Medizinisch bleibst du trotzdem nicht weisungsgebunden gegenüber der Geschäftsführung, denn die ärztliche Leitung ist in medizinischen Fragen weisungsfrei.

Teilzeit ist im MVZ fest eingeplant. Die Bedarfsplanungs-Richtlinie des G-BA rechnet angestellte Ärztinnen und Ärzte in § 51 nach der vertraglichen Wochenarbeitszeit an: bis 10 Stunden mit dem Faktor 0,25, über 10 bis 20 Stunden mit 0,5, über 20 bis 30 Stunden mit 0,75 und darüber mit 1,0. Das MVZ plant also in Viertelstellen. Wenn du später reduzieren möchtest, hilft die Frage, ob der Arbeitgeber den frei werdenden Anteil nachbesetzen kann.

Unabhängig davon kannst du nach § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz verlangen, weniger zu arbeiten, sobald du länger als sechs Monate im Betrieb bist und dein Arbeitgeber in der Regel mehr als 15 Menschen beschäftigt. Die Verringerung meldest du spätestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn in Textform an. Ablehnen darf der Arbeitgeber nur aus betrieblichen Gründen.

Für die Weiterbildung zählt nicht das MVZ als Ganzes, sondern die Person mit Befugnis. Nach § 5 der Muster-Weiterbildungsordnung findet die Facharztweiterbildung unter Leitung einer von der Ärztekammer befugten Ärztin oder eines befugten Arztes in einer zugelassenen Weiterbildungsstätte statt. Verbindlich ist die Weiterbildungsordnung deiner Landesärztekammer, und die Kammern führen die Befugnisse in eigenen Verzeichnissen. Für die Allgemeinmedizin fördern Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen nach § 75a SGB V Weiterbildungsstellen in Praxen und zugelassenen MVZ, bundesweit sollen es mindestens 7.500 sein. Für die grundversorgende fachärztliche Weiterbildung sieht das Gesetz bis zu 2.000 geförderte Stellen vor, davon mindestens 250 in der Kinder- und Jugendmedizin.

Was sich für MFA und Therapie ändert

Für Medizinische Fachangestellte bedeutet ein MVZ meist mehr Kolleginnen und Kollegen und mehr Arbeitsteilung als in der Einzelpraxis: Anmeldung, Labor, Funktionsdiagnostik oder Abrechnung liegen häufiger bei festen Personen. In größeren Häusern entstehen Positionen im Praxismanagement, zu denen die Fortbildung zur Fachwirtin oder zum Fachwirt für ambulante medizinische Versorgung passt.

Das Gehalt richtet sich nicht automatisch nach dem Gehaltstarifvertrag für MFA. Auf ihn haben sich der Verband medizinischer Fachberufe und die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten am 21. November 2024 mit zweijähriger Laufzeit geeinigt; die Gehälter stiegen zum 1. Januar 2025 und erneut zum 1. Januar 2026. Im Manteltarifvertrag stieg der Urlaub zugleich auf 29 Arbeitstage. Beide Tarifverträge gelten verbindlich nur bei Tarifbindung oder wenn dein Arbeitsvertrag auf sie verweist. Lass dir die Tätigkeitsgruppe schriftlich geben.

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind in den KBV-Zahlen enthalten und werden im MVZ wie ärztliche Kolleginnen und Kollegen angestellt. Für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie gilt etwas anderes: Heilmittel dürfen an gesetzlich Versicherte nach § 124 SGB V nur zugelassene Leistungserbringer abgeben. Bietet ein MVZ-Träger Therapie an, kläre, ob du beim MVZ selbst oder bei einer eigenständigen Therapiepraxis angestellt wirst.

Arbeitszeiten im MVZ realistisch einschätzen

Den Takt geben die Sprechstunden vor. Eine Ärztin oder ein Arzt mit vollem Versorgungsauftrag muss nach § 19a Ärzte-Zulassungsverordnung mindestens 25 Stunden wöchentlich Sprechstunden für gesetzlich Versicherte anbieten, in der grundversorgenden fachärztlichen Versorgung davon mindestens fünf Stunden als offene Sprechstunde ohne Termin. Dokumentation, Befundung und Besprechungen kommen hinzu.

Nachtdienste auf Station gibt es im MVZ nicht. Ob und wie oft angestellte Ärztinnen und Ärzte am ärztlichen Bereitschaftsdienst teilnehmen, regelt die Bereitschaftsdienstordnung der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung, und die unterscheidet sich von Land zu Land. Frag deshalb konkret nach Diensten, bevor du unterschreibst.

Häufige Fragen

Brauche ich für die Arbeit im MVZ eine eigene Kassenzulassung?

Nein, als angestellte Ärztin oder angestellter Arzt brauchst du keine eigene Zulassung. Das MVZ ist zugelassen, und der Zulassungsausschuss genehmigt deine Anstellung nach § 95 Absatz 2 SGB V.

Wer darf ein MVZ gründen?

Gründen dürfen nach § 95 Absatz 1a SGB V zugelassene Ärztinnen und Ärzte, zugelassene Krankenhäuser, Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen, anerkannte Praxisnetze, bestimmte gemeinnützige Träger und Kommunen.

Gilt im Krankenhaus-MVZ automatisch der Tarif des Krankenhauses?

Nein, nicht automatisch. Ist das MVZ eine eigene Gesellschaft, gilt ein Tarifvertrag nur, wenn diese Gesellschaft tarifgebunden ist oder dein Arbeitsvertrag darauf verweist.

Kann ich im MVZ meine Facharztweiterbildung machen?

Ja, wenn dort eine Ärztin oder ein Arzt mit Weiterbildungsbefugnis deiner Landesärztekammer arbeitet. Die Muster-Weiterbildungsordnung zählt MVZ zum ambulanten Bereich; stationäre Pflichtzeiten musst du also woanders absolvieren.

Wie viele MVZ gibt es in Deutschland?

Zum 31. Dezember 2024 waren laut KBV 5.085 MVZ zugelassen. Das ist die jüngste veröffentlichte Auswertung; sie erschien im Oktober 2025.

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