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In der Notaufnahme übergibt ein Notfallsanitäter einen Patienten auf der Trage an eine Pflegekraft und einen Arzt, ein Kollege hält die Trage.
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Sauber übergeben zwischen Berufsgruppen

Wie strukturierte Kommunikation nach dem SBAR-Schema bei Übergaben zwischen den Berufsgruppen im Klinikalltag funktioniert.

An jeder Übergabe wechselt Verantwortung: vom Rettungsdienst zur Notaufnahme, vom OP zur Intensivstation, von der Nacht zum Frühdienst, von der Station zur Therapie. Genau dort gehen Informationen verloren. Ein festes Schema hilft, das Wichtige vollständig und in der richtigen Reihenfolge weiterzugeben.

Inhalt

Warum Übergaben ein Sicherheitsrisiko sind

SBAR steht für Situation, Background, Assessment und Recommendation. Die Weltgesundheitsorganisation nennt das Schema als gemeinsame Sprache für Übergaben, und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin empfiehlt es für die Patientenübergabe in Hochrisikobereichen. Die Qualitätsmanagement-Richtlinie des G-BA verpflichtet Kliniken und Praxen zudem zu einem Schnittstellenmanagement, das an Übergängen alle erforderlichen Informationen zeitnah verfügbar macht.

Die Weltgesundheitsorganisation behandelt die Kommunikation bei Übergaben als eigenes Thema ihrer Patient Safety Solutions, weil dabei Informationen verloren gehen können, die für die weitere Behandlung gebraucht werden. Als Gegenmittel nennt sie eine gemeinsame Sprache für kritische Informationen, ausdrücklich das SBAR-Schema, feste Gelegenheiten für Rückfragen und das Zurücklesen wichtiger Angaben durch die übernehmende Person.

In Deutschland schreibt die Qualitätsmanagement-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses Kommunikation und Kooperation als Grundelement vor (§ 3 QM-RL). Zu den verpflichtenden Instrumenten gehört das Schnittstellenmanagement: Übergänge entlang der Versorgungskette sollen so gestaltet sein, dass alle erforderlichen Informationen zeitnah zur Verfügung stehen und die Versorgung koordiniert bleibt (§ 4 QM-RL). Checklisten für sicherheitsrelevante Abläufe und Teambesprechungen stehen im selben Katalog.

SBAR und ISBAR: Aufbau mit Beispiel

Die DGAI-Empfehlung beschreibt die vier Teile so: Unter Situation nennst du Name, Alter, Geschlecht und den aktuellen Zustand mit führender Diagnose oder dem Eingriff. Background umfasst Vorerkrankungen, Medikation, Verlauf und Risikofaktoren. Assessment ist die zielgerichtete Darstellung der selbst erhobenen, objektiven Befunde. Recommendation beschreibt die weitere Versorgung und nennt mögliche Komplikationen ausdrücklich. Die Variante ISBAR stellt die Identifikation voran: Wer übergibt, wer übernimmt, um welche Patientin oder welchen Patienten geht es.

Ein Beispiel aus dem Stationsalltag, ohne echte Daten, wie es eine Pflegefachperson am Telefon an die diensthabende Ärztin geben könnte:

  • Identifikation: Hier ist die Pflegefachperson von Station 4, es geht um den Patienten in Zimmer 12, Bett 1.
  • Situation: Der Patient ist seit einer Stunde zunehmend kurzatmig, und die Sauerstoffsättigung ist gefallen.
  • Background: zweiter Tag nach einer Hüftoperation, bekannte Herzschwäche, Blutverdünnung nach Plan.
  • Assessment: Atemfrequenz erhöht, Puls schneller als bei der letzten Messung, der Patient wirkt unruhig. Ich mache mir Sorgen.
  • Recommendation: Ich bitte dich, innerhalb der nächsten Minuten zu kommen. Bis dahin bleibe ich bei ihm und kontrolliere die Werte engmaschig.

Der letzte Punkt ist der, den viele weglassen. Eine klare Bitte mit Zeitangabe erspart eine zweite Runde am Telefon, und die übernehmende Person kann sie bestätigen oder ändern.

Übergabe vom Rettungsdienst an die Notaufnahme

Die Übergabe an der Rampe oder im Schockraum ist besonders anfällig: Das Team des Rettungsdienstes will zurück in den Einsatz, das Team der Notaufnahme hat oft mehrere Patientinnen und Patienten zugleich. Die Deutsche Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin und die DIVI empfehlen in ihren Strukturempfehlungen von 2024, dass die Übergabe einem strukturierten und standardisierten Protokoll folgt, Daten aus dem Einsatz digital in die Zielklinik übertragen werden und es regelmäßige Feedback- und Qualitätszirkel mit Rettungsdienst und Leitstelle gibt.

Für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter heißt das: Die Übergabe ist Teil der Versorgung, keine Formalie. Für Assistenzärztinnen und Assistenzärzte in der Notaufnahme heißt es, zuzuhören, bevor die eigene Untersuchung beginnt. Die DGAI empfiehlt dafür eine Übergabe unter Einbeziehung aller Beteiligten und mit möglichst wenig Ablenkung sowie die Voranmeldung kritisch kranker Patientinnen und Patienten.

Wer entscheidet was

Eine gute Übergabe setzt voraus, dass klar ist, wer wofür zuständig ist. Pflegefachpersonen sind nach § 4 PflBG die Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, die Planung, Organisation und Steuerung des Pflegeprozesses sowie die Sicherung und Entwicklung der Pflegequalität vorbehalten. Der Arbeitgeber darf sie niemandem ohne Erlaubnis nach dem Pflegeberufegesetz übertragen und auch nicht dulden, dass jemand ohne diese Erlaubnis sie übernimmt.

Diagnose, Indikation und Therapieentscheidung bleiben ärztliche Aufgaben. Was an Pflege oder MFA delegiert werden darf und wer dabei welche Verantwortung trägt, ist Thema des Beitrags über die Delegation ärztlicher Aufgaben. Die neuen eigenständigen Befugnisse der Pflege beschreibt der Beitrag zur Befugniserweiterung. Für die Übergabe folgt daraus: Die Recommendation richtet sich an die Person, die entscheiden darf, und nennt, was bis zur Entscheidung im eigenen Verantwortungsbereich geschieht.

Dokumentation der Übergabe

Behandelnde müssen in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang eine Behandlungsakte führen und alle für die derzeitige und künftige Behandlung wesentlichen Maßnahmen und Ergebnisse aufzeichnen; Änderungen müssen erkennbar bleiben (§ 630f BGB). Was mündlich übergeben wurde und für die weitere Behandlung wichtig ist, gehört deshalb auch in die Dokumentation.

Die DGAI-Empfehlung nennt die Verbindung von mündlicher und schriftlicher Übergabe als wirksame Einzelmaßnahme. In der Praxis heißt das: Die Übergabe im Stationszimmer oder am Bett ersetzt nicht den Eintrag im Krankenhausinformationssystem, und der Eintrag ersetzt nicht das Gespräch. Das gilt für Pflegefachpersonen ebenso wie für die Therapie und für Medizinische Fachangestellte, die in der Praxis Befunde, Rückrufe und Überweisungen weitergeben.

Woran du im Vorstellungsgespräch eine gute Übergabekultur erkennst

Übergabekultur zeigt sich im Alltag und lässt sich erfragen. Hilfreich sind Fragen, die nach dem konkreten Ablauf fragen, nicht nach einer Einschätzung:

  • Nach welchem Schema wird hier übergeben, und wird es neuen Kolleginnen und Kollegen in der Einarbeitung gezeigt?
  • Wo findet die Übergabe statt, im Stationszimmer oder am Bett, und wie viel Zeit ist dafür eingeplant?
  • Wie läuft die Übergabe vom Rettungsdienst, gibt es eine Voranmeldung und einen festen Übergabeplatz?
  • Gibt es interprofessionelle Visiten oder Fallbesprechungen mit Pflege, Ärzteschaft und Therapie?
  • Wie wird mit Zwischenfällen umgegangen, gibt es ein Fehlermeldesystem und Nachbesprechungen?

Eine Stationsleitung, die diese Fragen ohne Zögern beantworten kann, hat sich damit beschäftigt. Wie Kliniken Beschäftigte nach einem Zwischenfall auffangen, beschreibt der Beitrag über Second Victim.

Häufige Fragen

Was bedeutet SBAR?

SBAR steht für Situation, Background, Assessment und Recommendation, also aktuelle Lage, Hintergrund, eigene Einschätzung und Empfehlung. Die Variante ISBAR stellt die Identifikation von Patientin oder Patient und Beteiligten voran.

Welche Tätigkeiten sind der Pflege nach § 4 PflBG vorbehalten?

Vorbehalten sind die Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs und die Planung der Pflege, die Organisation, Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses sowie die Analyse, Evaluation, Sicherung und Entwicklung der Pflegequalität. Sie dürfen beruflich nur Personen mit Erlaubnis nach § 1 PflBG ausüben.

Ist eine strukturierte Übergabe Pflicht?

Ein bestimmtes Schema schreibt kein Gesetz vor. Die Qualitätsmanagement-Richtlinie des G-BA verpflichtet Kliniken und Praxen aber zu einem Schnittstellenmanagement, und die Behandlungsdokumentation nach § 630f BGB ist Pflicht.

Wie läuft eine strukturierte Übergabe vom Rettungsdienst an die Klinik?

DGINA und DIVI empfehlen ein strukturiertes, standardisiertes Übergabeprotokoll, die digitale Übertragung der Einsatzdaten und gemeinsame Feedbackrunden. Wie das konkret aussieht, regelt jede Notaufnahme mit ihrem Rettungsdienstbereich.

Darf ich in der Übergabe meine Sorge äußern, auch wenn die Werte noch normal sind?

Ja, die eigene Einschätzung gehört ausdrücklich in den Teil Assessment. Eine klar benannte Sorge mit konkreter Bitte ist Teil einer sicheren Übergabe.

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