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Gehaltsdaten der BA richtig lesen

Wie du Median, Region und Altersgruppe im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit richtig einordnest.

Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit ist eine frei zugängliche amtliche Gehaltsquelle, die auch Gesundheitsberufe nach Beruf, Region und Alter aufschlüsselt. Er beruht nicht auf Umfragen, sondern auf den Meldungen der Arbeitgeber zur Sozialversicherung. Damit er dir in einer Verhandlung hilft, musst du wissen, was genau er misst und was nicht.

Inhalt

Woher die Zahlen kommen

Der Entgeltatlas zeigt das mittlere Bruttomonatsentgelt (Median) von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten ohne Auszubildende, einschließlich einmaliger Zahlungen und Zuschläge, zum Stichtag 31. Dezember 2025; für Pflegefachkräfte liegt es bundesweit bei 4.587 Euro, die mittlere Hälfte verdient zwischen 4.111 und 5.116 Euro.

Grundlage ist das Meldeverfahren zur Sozialversicherung. Arbeitgeber melden für jede Beschäftigte und jeden Beschäftigten das sozialversicherungspflichtige Bruttoentgelt. Die Bundesagentur wertet diese Meldungen für alle aus, die am 31. Dezember eines Jahres in Vollzeit beschäftigt waren. Der aktuelle Stichtag ist der 31. Dezember 2025.

Ausgewertet wird die sogenannte Kerngruppe. Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Werkstudierende sowie Beschäftigte in Altersteilzeit gehören nicht dazu, Teilzeitbeschäftigte ebenfalls nicht. Beamtinnen, Beamte und Selbstständige fehlen, weil sie nicht im Meldeverfahren stehen. Freiberufliche Hebammen oder Praxisinhaberinnen und -inhaber tauchen also nirgends auf.

Wichtig für den Vergleich mit einem Angebot: Das gemeldete Entgelt umfasst alle laufenden und einmaligen Einnahmen aus der Hauptbeschäftigung. Jahressonderzahlung, Zuschläge für Nacht und Wochenende, Zulagen und Prämien sind enthalten. Die Bundesagentur rechnet das Jahresentgelt auf einen Monat um: Entgelt geteilt durch Beschäftigungstage, mal 365,25, geteilt durch 12.

Median und Spannweite verstehen

Der Median ist der Wert in der Mitte. Die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Anders als der Durchschnitt wird er von wenigen sehr hohen Gehältern nicht verzerrt. Den Durchschnitt berechnet die Bundesagentur ohnehin nicht, weil Entgelte über der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung nicht gemeldet werden. 2025 lag sie bei 8.050 Euro im Monat. Bei vielen Facharztgruppen zeigt der Entgeltatlas deshalb nur, dass der Median darüber liegt.

Die Schnittstelle des Entgeltatlas liefert außerdem das untere und das obere Quartil. Ein Viertel verdient weniger als das untere, ein Viertel mehr als das obere Quartil. Dazwischen liegt die mittlere Hälfte, und das ist die ehrlichere Antwort auf die Frage, was man in einem Beruf verdient.

Median und Spannweite verstehen
Berufsgruppeunteres QuartilMedianoberes QuartilBeschäftigte in Vollzeit
Pflegefachkräfte4.111 €4.587 €5.116 €338.502
Medizinische Fachangestellte2.824 €3.329 €3.868 €173.780
Physiotherapie2.928 €3.452 €4.062 €62.793

Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Datenabfrage über die Schnittstelle, Deutschland, Vollzeit, Bruttomonatsentgelt zum 31.12.2025, abgerufen am 27.09.2026.

Ein Beispiel zeigt, warum die Spanne wichtiger ist als der eine Wert. Bei Medizinischen Fachangestellten in Sachsen liegt die mittlere Hälfte zwischen 2.513 und 3.384 Euro, in Hamburg zwischen 3.003 und 3.961 Euro. Ein Angebot von 3.100 Euro wäre in Sachsen im oberen Bereich, in Hamburg eher am unteren Rand. Wo du dich innerhalb der Spanne einordnest, hängt von Erfahrung, Qualifikation und Aufgaben ab. Einen Hinweis geben die Altersgruppen im nächsten Abschnitt.

Region und Alter machen den Unterschied

Der bundesweite Median ist ein grober Anhaltspunkt. Zwischen den Bundesländern liegen in denselben Berufen mehrere hundert Euro. Wenn du in Sachsen verhandelst, hilft dir der Wert aus Baden-Württemberg wenig, und umgekehrt.

Region und Alter machen den Unterschied
BerufsgruppeDeutschlandniedrigster Ländermedianhöchster Ländermedianunter 2525 bis unter 55ab 55
Pflegefachkräfte4.587 €4.290 € (Sachsen)4.784 € (Baden-Württemberg)4.288 €4.605 €4.931 €
Medizinische Fachangestellte3.329 €2.902 € (Sachsen)3.483 € (Hamburg)3.105 €3.384 €3.503 €
Physiotherapie3.452 €3.096 € (Thüringen)3.848 € (Berlin)3.216 €3.469 €3.734 €

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas, Schnittstelle, Stichtag 31.12.2025, Median Bruttomonatsentgelt Vollzeit, abgerufen am 27.09.2026.

Die Altersgruppen bilden Berufserfahrung nur indirekt ab. Die Gruppe von 25 bis unter 55 ist sehr breit und umfasst Berufseinsteigerinnen und -einsteiger ebenso wie erfahrene Kolleginnen und Kollegen kurz vor der Leitung. Für ein erstes Angebot nach der Ausbildung ist die Gruppe unter 25 oft der bessere Vergleich.

Auch die Auswertung nach Geschlecht ist verfügbar. Die Bundesagentur weist selbst darauf hin, dass daraus keine Rückschlüsse im Sinne eines Gender Pay Gap gezogen werden können, weil Erwerbsverläufe und Unterbrechungen die Werte prägen.

Berufsaggregat, Anforderungsniveau und Branche

Der Entgeltatlas zeigt keine Einzelberufe, sondern Berufsgattungen der Klassifikation der Berufe 2010. Pflegefachpersonen sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger stehen zum Beispiel in derselben Gattung und haben deshalb denselben Wert. Jede Gattung hat ein Anforderungsniveau: Helfer, Fachkraft, Spezialist oder Experte. Physiotherapie nennt die Bundesagentur selbst als Beispiel für das Niveau Spezialist, ärztliche Berufe für das Niveau Experte.

Hat eine Gattung weniger als 500 Vollzeitbeschäftigte, veröffentlicht die Bundesagentur keinen Wert und springt auf die nächsthöhere Gruppe mit gleichem Anforderungsniveau. Dann stecken andere Berufe mit im Ergebnis. Bei kleinen Berufen wie Orthoptik solltest du deshalb genau hinsehen, welche Gruppe angezeigt wird.

Nach Branchen lässt sich zwar filtern, im Gesundheitswesen bringt das aber wenig. Von den 338.502 Pflegefachkräften in Vollzeit arbeiten 326.878 im Bereich öffentliche Verwaltung, Schul-, Gesundheits- und Sozialwesen. Der Branchenwert unterscheidet sich dort kaum vom Gesamtwert.

Warum der Median nicht deine Tabelle ist

Viele wundern sich, dass der Median über dem Tarif liegt, den sie aus dem Vertrag kennen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Tarifentgelte in der Pflegetabelle des TVöD für Pflegefachkräfte in P 7 liegen seit 1. Mai 2026 zwischen 3.510,30 und 4.305,40 Euro. Der Entgeltatlas enthält dagegen alle Zulagen, Zeitzuschläge und die Jahressonderzahlung, dazu Beschäftigte in höheren Gruppen wie P 8 oder P 9. Wie die P-Tabelle aufgebaut ist, erklärt der Beitrag TVöD-P verstehen.

Außerdem zählt, wer am 31. Dezember in Vollzeit war, auch wenn er vorher in Teilzeit gearbeitet hat. Das kann einzelne Werte nach unten ziehen, weil das Jahresentgelt dann niedriger ausfällt. Arbeitest du selbst in Teilzeit, rechne den Vollzeitwert auf deine Stunden herunter: Median mal deine Wochenstunden geteilt durch die Vollzeitstunden deines Betriebs. Bei einem Median von 3.329 Euro für Medizinische Fachangestellte und 30 statt 40 Wochenstunden wären das rund 2.497 Euro.

Die zweite amtliche Quelle

Das Statistische Bundesamt erhebt seit Januar 2022 monatlich die Verdienste in einer Stichprobe von 58.000 Betrieben mit rund neun Millionen Beschäftigungsverhältnissen. Anders als der Entgeltatlas erfasst die Verdiensterhebung auch die bezahlten Stunden und kann deshalb Stundenverdienste ausweisen, auch für Teilzeit. Für Branchenvergleiche und Stundenlöhne ist sie die bessere Quelle, für einzelne Berufe und Bundesländer der Entgeltatlas.

Die Werte für deinen Beruf findest du auf unseren Jobseiten, etwa für Pflegefachpersonen, Medizinische Fachangestellte oder Physiotherapie. Wie du sie in einem Gespräch ohne Tarifvertrag einsetzt, steht im Beitrag Gehalt verhandeln ohne Tarifbindung.

Häufige Fragen

Ist der Median im Entgeltatlas brutto oder netto?

Der Median ist ein Bruttomonatsentgelt für Vollzeit. Er enthält alle laufenden und einmaligen Zahlungen, also auch Jahressonderzahlung und Zuschläge, auf einen Monat umgerechnet.

Warum liegt der Entgeltatlas über meinem Tarif?

Weil er Zuschläge, Zulagen und Sonderzahlungen enthält, die in der Tariftabelle nicht stehen, und weil auch Beschäftigte in höheren Entgeltgruppen mitgezählt werden. Vergleiche deshalb deinen Jahresbruttobetrag geteilt durch zwölf, nicht nur das Tabellenentgelt.

Welcher Stichtag gilt aktuell?

Die aktuellen Werte beziehen sich auf den 31. Dezember 2025. Ausgewertet wird immer zum Jahresende, neue Werte gibt es also mit dem nächsten Stichtag.

Sind Teilzeitkräfte im Entgeltatlas enthalten?

Nein, ausgewertet werden nur sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte der Kerngruppe. Die Meldungen enthalten keine genaue Stundenzahl, deshalb bleiben Teilzeitkräfte außen vor.

Warum steht bei Fachärztinnen und Fachärzten nur ein Wert über 8.050 Euro?

Weil Arbeitgeber Entgelte nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung melden, die 2025 bei 8.050 Euro im Monat lag. Liegt der Median darüber, ist der genaue Wert unbekannt.

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