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Eine junge Frau plant am Küchentisch mit Notizbuch und Unterlagen ihre Bewerbung um einen Studienplatz in Medizin.
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So werden Medizinstudienplätze vergeben

Abiturbestenquote, Zusätzliche Eignungsquote und die Auswahlverfahren der Hochschulen bei der Zulassung zum Medizinstudium.

Wer Humanmedizin studieren will, bewirbt sich nicht bei einer Universität, sondern im Zentralen Vergabeverfahren von hochschulstart. Dort entscheiden drei Hauptquoten und mehrere Vorabquoten, und in zwei davon spielt die Abiturnote keine oder nur eine Teilrolle. Wer das System kennt, kann gezielt dort ansetzen, wo die Note nicht allein entscheidet.

Inhalt

Wer die Studienplätze vergibt

Nach Abzug der Vorabquoten von bis zu 20 Prozent vergibt hochschulstart 30 Prozent der Medizinstudienplätze nach der Abiturnote, 10 Prozent in der Zusätzlichen Eignungsquote ganz ohne Schulnoten und 60 Prozent im Auswahlverfahren der Hochschulen, in dem für Humanmedizin ein Studieneignungstest berücksichtigt werden muss.

Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie sind bundesweit zulassungsbeschränkt. Die Stiftung für Hochschulzulassung koordiniert unter dem Namen hochschulstart im Auftrag der Länder das Zentrale Vergabeverfahren. Es ist in das Dialogorientierte Serviceverfahren eingebunden, damit Mehrfachzulassungen vermieden werden. Du registrierst dich im Bewerbungsportal, füllst den Antrag im Portal AntOn aus und schickst den ausgedruckten Antrag mit einer beglaubigten Kopie deines Abiturzeugnisses per Post nach Dortmund.

Rechtsgrundlage ist der Staatsvertrag über die Hochschulzulassung vom März 2019, den alle Länder in eigenes Recht übernommen haben. Die Einzelheiten stehen in den Vergabeverordnungen der Länder und in den Satzungen der Hochschulen. Deshalb unterscheiden sich die Auswahlkriterien von Standort zu Standort, obwohl der Rahmen überall gleich ist.

Die Fristen sind Ausschlussfristen. Für das Wintersemester 2026/27 endete die Bewerbung für Humanmedizin am 31. Mai 2026 für Altabiturientinnen und Altabiturienten, deren Zeugnis vor dem 16. Januar 2026 ausgestellt wurde, und am 15. Juli 2026 für alle anderen. Die Termine für das nächste Verfahren veröffentlicht hochschulstart in seiner Terminübersicht.

Vorabquoten für besondere Gruppen

Bevor die Hauptquoten greifen, reserviert Artikel 9 des Staatsvertrags bis zu 20 Prozent der Plätze für bestimmte Gruppen. Dazu gehören Härtefälle, ausländische Staatsangehörige, die Deutschen nicht gleichgestellt sind, Bewerberinnen und Bewerber für ein Zweitstudium und Menschen, die sich verpflichtet haben, später in einem Bereich besonderen öffentlichen Bedarfs zu arbeiten. Unter die letzte Gruppe fallen die Landarztquoten und die Quoten für den öffentlichen Gesundheitsdienst.

Wer zu einer dieser Gruppen gehört, etwa weil er sich über eine Landarztquote verpflichtet hat, kann nach Artikel 9 Absatz 6 nicht zusätzlich über die Hauptquoten zugelassen werden; für Härtefälle gilt diese Sperre nicht. Eine Härte liegt nach Artikel 9 Absatz 3 nur vor, wenn besondere, vor allem soziale und familiäre Gründe die sofortige Aufnahme des Studiums zwingend erfordern. Wie die Landarztquote funktioniert und was der Vertrag dahinter bedeutet, steht im Beitrag Landarztquote: Studienplatz gegen Verpflichtung.

Die drei Hauptquoten

Die nach den Vorabquoten verbleibenden Plätze werden an jeder Hochschule nach Artikel 10 des Staatsvertrags aufgeteilt. Mit deiner Bewerbung nimmst du automatisch an allen drei Hauptquoten teil.

Die drei Hauptquoten
QuoteAnteilWas zählt
Abiturbestenquote30 ProzentPunktzahl der Hochschulzugangsberechtigung, nachrangig Dienst und Los; Vergleich über 16 Landesquoten, die zu einer Bundesliste zusammengeführt werden
Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ)10 Prozentnur schulnotenunabhängige Kriterien, etwa Studieneignungstest, Auswahlgespräch, Berufsausbildung, Dienste oder außerschulische Qualifikationen; bis zu 100 Punkte
Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH)60 ProzentKombination aus Abiturpunkten und weiteren Kriterien; in Humanmedizin mindestens zwei schulnotenunabhängige Kriterien, davon eines erheblich gewichtet, und verpflichtende Berücksichtigung eines Studieneignungstests; bis zu 100 Punkte

Quelle: Staatsvertrag über die Hochschulzulassung, Art. 9 und 10 und hochschulstart, Verfahrensdetails, abgerufen am 27. September 2026.

In der Abiturbestenquote wird die Durchschnittsnote nicht bundesweit direkt verglichen. Weil Abiturnoten zwischen den Ländern nicht als vergleichbar gelten, bildet hochschulstart zuerst eine Liste je Land. Wer in Hessen Abitur gemacht hat, konkurriert zunächst mit anderen hessischen Abiturientinnen und Abiturienten. Die Größe einer Landesquote richtet sich nach Artikel 10 zu einem Drittel nach dem Anteil an den Bewerbungen und zu zwei Dritteln nach dem Anteil an den 18- bis unter 21-Jährigen; für Berlin, Bremen und Hamburg wird sie um 30 Prozent erhöht.

Was ohne Einserabitur möglich ist

In der ZEQ zählt die Abiturnote gar nicht. Welche Kriterien eine Hochschule dort nutzt und wie viele Punkte es jeweils gibt, legt sie vorab fest, und hochschulstart veröffentlicht die Übersicht im Downloadbereich. Häufig sind das ein Studieneignungstest, eine abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten Gesundheitsberuf oder ein Freiwilligendienst. Welche Ausbildungen und Tätigkeiten anerkannt sind, steht einheitlich in den Anlagen der Vergabeverordnungen der Länder.

Im Auswahlverfahren der Hochschulen darf die Abiturnote zählen, sie steht aber nie allein. Bei Humanmedizin schreibt Artikel 10 Absatz 3 mindestens zwei schulnotenunabhängige Kriterien vor, von denen mindestens eines erheblich gewichtet sein muss. Die Abiturpunkte werden dort über einen Prozentrang aus deiner Position auf der Bundesliste in Punkte umgerechnet; ein Testergebnis kommt hinzu. Eine Ausbildung zur Pflegefachperson, zur Notfallsanitäterin oder zum Notfallsanitäter oder zur MFA kann also doppelt helfen: als Kriterium und als Erfahrung, die dich im Studium trägt.

Rechne trotzdem nüchtern. Ein Kriterium bringt nur an den Hochschulen Punkte, die es auch verwenden, und die Gewichtung schwankt stark. Lies deshalb für jede Wunschuniversität die aktuelle Kriterienübersicht, bevor du nur wegen der Zulassung Zeit in eine Ausbildung oder einen Dienst investierst.

Vom TMS zum TMSnat

Im Auswahlverfahren für Humanmedizin müssen die Hochschulen seit dem Sommersemester 2020 das Ergebnis eines Studieneignungstests berücksichtigen, in der Regel den TMS oder den HAM-Nat. Für dich ist der Test freiwillig; eine Bewerbung ohne Testergebnis ist möglich. Wer ohne Test antritt, verzichtet aber auf Punkte, die andere mitbringen.

Das Jahr 2026 ist ein Übergangsjahr. Nach Angaben der heiTEST-Koordinationsstelle, die den TMS organisiert, findet am 7. und 8. November 2026 voraussichtlich der letzte TMS in der bisherigen Form statt; die Anmeldung dafür ist seit August 2026 geschlossen. Danach sollen Aufgabengruppen aus TMS und HAM-Nat zu einem gemeinsamen Test zusammengeführt werden, dem TMSnat. Die erste Durchführung ist für den 8. und 9. Mai 2027 geplant, die Anmeldung soll voraussichtlich im Februar 2027 beginnen. Der TMSnat soll beliebig oft wiederholbar sein, rund fünf Stunden dauern und wie bisher 100 Euro kosten.

Wie lange ein TMS-Ergebnis aus den Jahren 2025 oder 2026 noch anerkannt wird, entscheidet jede Universität selbst. Wenn du 2027 Abitur machst, frag bei deinen Wunschuniversitäten nach, wie sie Alt- und Neutests in der Übergangsphase gewichten.

Wenn es im ersten Anlauf nicht klappt

Bekommst du im ersten Anlauf keinen Platz, lassen sich vor allem die schulnotenunabhängigen Kriterien gut planen, also ein Testergebnis, eine Ausbildung oder ein Dienst, der in der Vergabeverordnung deines Landes als Kriterium aufgeführt ist. Wer eine Ausbildung im Gesundheitswesen macht, verdient in dieser Zeit Geld, sammelt Erfahrung und hat einen Beruf, falls das Studium nicht zustande kommt.

Ein Studium im EU-Ausland ist ein weiterer Weg, der am Ende zur deutschen Approbation führen kann. Was du dabei prüfen musst, steht im Beitrag Medizinstudium im EU-Ausland. Andere Studienwege im Gesundheitswesen stellt die Seite Studium im Gesundheitswesen vor.

Häufige Fragen

Welche Abiturnote brauche ich für Medizin?

Eine feste Note gibt es nicht, weil 70 Prozent der Plätze in der Zusätzlichen Eignungsquote und im Auswahlverfahren der Hochschulen auch nach anderen Kriterien vergeben werden. In der Abiturbestenquote hängt die nötige Punktzahl vom Bewerbungsjahr und von deinem Bundesland ab.

Muss ich den TMS ablegen?

Nein, der Test ist für Bewerberinnen und Bewerber freiwillig. Die Hochschulen müssen ein Testergebnis in Humanmedizin aber berücksichtigen; ohne Test verzichtest du also auf Punkte.

Was ändert sich 2027 beim Test?

Nach Angaben der heiTEST-Koordinationsstelle soll ab Mai 2027 der TMSnat den TMS und den HAM-Nat ersetzen. Er soll beliebig oft wiederholbar sein und 100 Euro kosten; wie lange alte Ergebnisse zählen, entscheiden die Universitäten.

Zählt eine Ausbildung in der Pflege für die Zulassung?

Ja, eine abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten Beruf kann in der ZEQ und im Auswahlverfahren der Hochschulen Punkte bringen. Welche Berufe anerkannt sind und wie stark sie gewichtet werden, steht in der Vergabeverordnung des Landes und in den Kriterien der jeweiligen Hochschule.

Kann ich mich gleichzeitig über die Landarztquote bewerben?

Ja, die Bewerbung über eine Landarztquote läuft parallel und getrennt vom Zentralen Vergabeverfahren. Wirst du über die Vorabquote zugelassen, nimmst du an den Hauptquoten nicht mehr teil.

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