MEDIZIN.JOBS
Jobs finden
Eine Krankenhausapothekerin prüft eine Arzneimittellieferung, ein junger Kollege scannt Packungen, dahinter stehen Regale mit Medikamenten.
KI-generiert

Apotheke, Klinik oder Industrie

Öffentliche Apotheke, Krankenhausapotheke und pharmazeutische Industrie als Arbeitsorte für Approbierte im Vergleich.

Die Approbation öffnet mehr Türen als die Offizin. Die Bundes-Apothekerordnung zählt Herstellung, Zulassung, Pharmakovigilanz, Krankenhausversorgung und Behördenarbeit ausdrücklich zum Apothekerberuf. Wo du am besten hinpasst, hängt davon ab, ob dich Menschen am Handverkaufstisch, Therapien auf Station oder Prozesse im Unternehmen mehr reizen.

Inhalt

Wo Approbierte arbeiten

Von den 70.273 berufstätigen Apothekerinnen und Apothekern Ende 2025 arbeiteten laut ABDA 52.733 in öffentlichen Apotheken, 3.355 in Krankenhausapotheken und 8.155 in der pharmazeutischen Industrie; in der Offizin gilt meist der Apothekentarif von ADEXA, im Krankenhaus der Tarif des Hauses, im TVöD etwa Entgeltgruppe 14, und in der Industrie sind Funktionen wie die sachkundige Person oder der Stufenplanbeauftragte gesetzlich vorgeschrieben.

Nach § 2 Abs. 3 Bundes-Apothekerordnung umfasst der Apothekerberuf unter anderem Arzneimittelforschung, Entwicklung, Herstellung und Prüfung, Tätigkeiten in Zulassung, Pharmakovigilanz und Risikoabwehr in der Industrie, die Arzneimittelversorgung in öffentlichen Apotheken und in Krankenhäusern, die Arbeit in Behörden und Verbänden sowie Lehre und Forschung. Die Approbation ist damit für alle diese Felder die gemeinsame Grundlage.

Die ABDA-Statistik zeigt, wie sich die Berufstätigen verteilen:

Wo Approbierte arbeiten
ArbeitsbereichBerufstätige Ende 2025
Öffentliche Apotheken52.733
Krankenhausapotheken3.355
Industrie, Verwaltung, Fachorganisationen, Wissenschaft14.185
davon pharmazeutische Industrie8.155
Insgesamt70.273

Quelle: ABDA, Die Apotheke: Zahlen, Daten, Fakten 2026, ABDA-Statistik, jeweils Jahresende.

In den Krankenhausapotheken hat sich die Zahl der Approbierten seit 2005 fast verdoppelt, von 1.782 auf 3.355 Ende 2025. In den öffentlichen Apotheken ist sie dagegen zuletzt leicht gesunken, von 53.235 Ende 2024 auf 52.733.

Die öffentliche Apotheke

In der Offizin steht die Versorgung der Menschen vor Ort im Mittelpunkt: Abgabe und Beratung, Rezeptur, Medikationsanalysen und seit dem ApoVWG auch Impfungen mit allen Impfstoffen, die keine Lebendimpfstoffe sind, diagnostische Blutentnahmen und die einmalige Abgabe eines Dauermedikaments ohne Rezept nach § 48a AMG. Was sich damit geändert hat, steht in unserem Beitrag zur Apothekenreform 2026.

Bezahlt wird in tarifgebundenen Apotheken nach dem Gehaltstarifvertrag von ADEXA und dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken, in Nordrhein und Sachsen nach eigenen Tarifen. Im Tarifgebiet ADA erhalten Approbierte seit dem 1. Januar 2026 je nach Berufsjahr 4.166 bis 4.922 Euro brutto im Monat bei 39 Wochenstunden; Details erklärt der Beitrag Tarif in der Apotheke. Wer später selbst eine Apotheke betreiben will, sammelt hier die nötige Erfahrung. Neu ist, dass Filial- und Zweigapotheken von zwei Approbierten gemeinsam verantwortet werden dürfen (§ 2 Abs. 5 ApoG), was Leitungsrollen etwa in Teilzeit erleichtern kann.

Die Krankenhausapotheke

Die Krankenhausapotheke ist nach § 26 ApBetrO eine Funktionseinheit des Krankenhauses. Sie versorgt ein oder mehrere Krankenhäuser mit Arzneimitteln und Medizinprodukten und berät Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte und Patientinnen und Patienten. Zum Alltag gehören die Herstellung von Zytostatika und Parenteralia, die Arzneimittelliste des Hauses, Visiten und die Prüfung von Wechselwirkungen. § 30 ApBetrO schreibt Vorräte für mindestens zwei Wochen vor, bei parenteralen Arzneimitteln und Antibiotika für die Intensivmedizin für sechs Wochen. Seit dem 22. September 2026 darf bis zur Hälfte des Vorrats unter bestimmten Bedingungen bei einem Dienstleister außerhalb der Apotheke lagern.

Arbeitgeber ist der Krankenhausträger, der Apothekentarif gilt hier ausdrücklich nicht. Im TVöD kommunaler Häuser gilt für Apothekerinnen und Apotheker Entgeltgruppe 14; wer eine Apotheke leitet und dabei mindestens vier Approbierte führt, kommt in Entgeltgruppe 15; an Unikliniken gilt meist der TV-L, bei kirchlichen Trägern AVR. In einigen Ländern ist die Stationsapothekerin oder der Stationsapotheker gesetzlich vorgeschrieben, etwa in Niedersachsen nach § 26 Niedersächsisches Krankenhausgesetz. Die Kammerweiterbildung zur Fachapothekerin oder zum Fachapotheker für Klinische Pharmazie dauert drei Jahre.

Die pharmazeutische Industrie

In der Industrie arbeiten Approbierte in Herstellung, Qualitätskontrolle, Zulassung, Arzneimittelsicherheit, medizinisch-wissenschaftlicher Information und im Außendienst. Einige Funktionen schreibt das Arzneimittelgesetz vor:

  • Sachkundige Person nach § 14 AMG: gibt Chargen frei. Die Sachkenntnis wird nach § 15 AMG mit der Approbation oder einem einschlägigen Hochschulstudium nachgewiesen, jeweils zusammen mit mindestens zwei Jahren praktischer Tätigkeit in der Analyse und Qualitätsprüfung von Arzneimitteln in einem Betrieb mit Herstellungserlaubnis.
  • Stufenplanbeauftragte nach § 63a AMG: führen das Pharmakovigilanzsystem und bewerten Meldungen über Arzneimittelrisiken.
  • Informationsbeauftragte nach § 74a AMG: verantworten, dass Packungsbeilage, Fachinformation und Werbung mit der Zulassung übereinstimmen.
  • Pharmaberaterinnen und Pharmaberater nach § 75 AMG: Die Approbation erfüllt die geforderte Sachkenntnis.

Einen einheitlichen Tarif gibt es nicht. Ob ein Tarifvertrag gilt, hängt von der Tarifbindung des Unternehmens ab, sonst entscheidet der Arbeitsvertrag. Viele Stellen verlangen Englisch und Berufserfahrung; für den Einstieg in die Zulassung gibt es den weiterbildenden Master Drug Regulatory Affairs der Universität Bonn, den unser Beitrag zur Arzneimittelzulassung vorstellt.

Weiterbildung zur Fachapothekerin oder zum Fachapotheker

Die Weiterbildung regeln die Landesapothekerkammern in ihren Weiterbildungsordnungen, die Bundesapothekerkammer gibt Muster und Durchführungsempfehlungen vor. Die Apothekerkammer Nordrhein nennt acht Gebiete, darunter Allgemeinpharmazie für die Offizin, Klinische Pharmazie für das Krankenhaus, Pharmazeutische Analytik und Technologie, Arzneimittelinformation und Öffentliches Gesundheitswesen. Die Weiterbildungszeit beträgt drei Jahre an einer ermächtigten Weiterbildungsstätte, dazu kommen Seminare, in Nordrhein derzeit mindestens 120 Stunden.

Die Wahl des Gebiets hängt eng mit dem Arbeitsort zusammen, weil die Weiterbildung berufsbegleitend in einer zugelassenen Stätte stattfindet. Wer zwischen Offizin und Klinik schwankt, sollte deshalb früh klären, wo eine ermächtigte Person arbeitet und ob der Arbeitgeber Seminarzeiten freistellt.

Wie du dich entscheidest

Drei Fragen helfen. Erstens: Willst du direkten Kontakt zu Patientinnen und Patienten, eng mit Stationen zusammenarbeiten oder lieber in Projekten und Dokumenten denken? Zweitens: Wie wichtig sind dir Tarifbindung und planbare Dienste im Vergleich zu variablen Gehaltsbestandteilen? Drittens: Welche Weiterbildung passt zu deinem Ziel, und wo wird sie angeboten?

Ein Wechsel ist in beide Richtungen möglich, doch Erfahrung zählt: Die sachkundige Person braucht Praxis in der Qualitätsprüfung, die Klinik schätzt Kenntnisse in Herstellung und Therapie. Einen realistischen Eindruck gibt das Praktische Jahr: Sechs der zwölf Monate können nach § 4 AAppO statt in der öffentlichen Apotheke auch in einer Krankenhausapotheke oder in der Industrie liegen, wie unser Beitrag zum Pharmaziestudium zeigt.

Häufige Fragen

Wo arbeiten die meisten Apothekerinnen und Apotheker?

In öffentlichen Apotheken: Ende 2025 waren es laut ABDA 52.733 von 70.273 Berufstätigen. In Krankenhausapotheken arbeiteten 3.355, in der pharmazeutischen Industrie 8.155.

Gilt der Apothekentarif auch im Krankenhaus?

Nein, der Bundesrahmentarifvertrag von ADEXA gilt nur für öffentliche Apotheken. Im Krankenhaus gilt der Tarif des Trägers, im TVöD sind Apothekerinnen und Apotheker in Entgeltgruppe 14 eingruppiert.

Kann ich mit der Approbation direkt sachkundige Person werden?

Die Approbation ist Voraussetzung, reicht allein aber nicht: § 15 AMG verlangt zusätzlich mindestens zwei Jahre praktische Tätigkeit in Analyse und Qualitätsprüfung von Arzneimitteln in einem Betrieb mit Herstellungserlaubnis.

Wie lange dauert die Weiterbildung zur Fachapothekerin oder zum Fachapotheker?

In der Regel drei Jahre berufsbegleitend an einer ermächtigten Weiterbildungsstätte, ergänzt um Seminare. Die Einzelheiten regelt die Weiterbildungsordnung deiner Landesapothekerkammer.

Muss jedes Krankenhaus Stationsapothekerinnen oder Stationsapotheker haben?

Nein, eine bundesweite Pflicht gibt es nicht. Einzelne Länder schreiben sie im Landeskrankenhausgesetz vor, etwa Niedersachsen in § 26 NKHG.

Passende Stellen
findest du in der Jobsuche.