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Was § 4 PflAPrV verlangt
Praxisanleiterin oder Praxisanleiter wird nach § 4 PflAPrV, wer innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens ein Jahr als Pflegefachperson gearbeitet und eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von wenigstens 300 Stunden abgeschlossen hat; danach sind jedes Jahr mindestens 24 Stunden Fortbildung Pflicht, und die Einrichtung muss in jedem Einsatz mindestens 10 Prozent der praktischen Ausbildungszeit als geplante Anleitung sicherstellen.
Die Anforderungen stehen in § 4 PflAPrV. Anleiten darf im Orientierungseinsatz, in den Pflichteinsätzen und im Vertiefungseinsatz, wer mindestens ein Jahr Berufserfahrung als Pflegefachperson in den letzten fünf Jahren mitbringt. Die Erfahrung soll im jeweiligen Einsatzbereich erworben sein. Dazu kommt die Befähigung zur Praxisanleitung nach Absatz 3.
Diese Befähigung besteht aus zwei Teilen: einer berufspädagogischen Zusatzqualifikation im Umfang von mindestens 300 Stunden und einer kontinuierlichen, insbesondere berufspädagogischen Fortbildung von mindestens 24 Stunden jährlich. Beides weist du gegenüber der zuständigen Behörde nach. Wer am 31. Dezember 2019 nachweislich eine Qualifikation zur Praxisanleitung nach altem Recht hatte, ist gleichgestellt und muss die 300 Stunden nicht nachholen. Die jährliche Fortbildung gilt aber auch für diese Kolleginnen und Kollegen.
Digitale Lernformen dürfen in angemessenem Umfang eingeplant werden. Vollständig digital darf nach Absatz 4 nur die jährliche Fortbildung stattfinden, nicht die Zusatzqualifikation selbst. Das Nähere regeln die Länder.
Was die Länder zusätzlich festlegen
Weil § 4 den Ländern die Einzelheiten überlässt, unterscheiden sich Anerkennung und Nachweis. Drei Beispiele zeigen die Spannbreite:
- Baden-Württemberg: Laut Informationsblatt des Sozialministeriums (Stand Dezember 2025) ist für die Zusatzqualifikation keine behördliche Anerkennung erforderlich; eine Stunde entspricht 45 Minuten. Ab dem 01.01.2027 ist das Kalenderjahr das Fortbildungsjahr.
- Nordrhein-Westfalen: Die Bezirksregierung Arnsberg verlangt, dass von den 24 Stunden mindestens 12 berufspädagogisch sind; digitale Formate sind nur mit synchronem Austausch zulässig.
- Hessen: Die Weiterbildung zur Praxisanleiterin oder zum Praxisanleiter gehört zu den staatlich geregelten Weiterbildungen nach der Hessischen Weiterbildungs- und Prüfungsordnung für die Pflege (WPO-Pflege); zuständig ist das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege.
Wenn du eine Weiterbildung buchst, frag deshalb, ob der Kurs in dem Land anerkannt ist, in dem du anleiten wirst. Bei einem späteren Umzug klärt die dortige Behörde, ob sie deinen Nachweis übernimmt.
Deine Rolle in der generalistischen Ausbildung
Nach § 6 Absatz 3 PflBG ist die Praxisanleitung wesentlicher Bestandteil der praktischen Ausbildung, und die Einrichtungen müssen sie gewährleisten. Du führst Auszubildende schrittweise an die Aufgaben einer Pflegefachfrau oder eines Pflegefachmanns heran, hältst sie zum Führen des Ausbildungsnachweises an und pflegst die Verbindung zur Pflegeschule. Die Pflegeschule übernimmt parallel die Praxisbegleitung durch ihre Lehrkräfte, nach § 5 PflAPrV mit mindestens einem Besuch je Orientierungs-, Pflicht- und Vertiefungseinsatz.
Weil Auszubildende in der generalistischen Ausbildung durch Krankenhaus, stationäre Langzeitpflege, ambulante Pflege und weitere Bereiche wechseln, begleitest du jeweils einen Abschnitt eines längeren Weges. Gute Absprachen mit der Pflegeschule und den Kolleginnen und Kollegen der anderen Einsatzorte sind deshalb Teil der Aufgabe. § 8 PflAPrV schreibt eine regelmäßige Abstimmung zwischen Schule, Träger, Einrichtungen und Praxisanleitungen vor.
Zehn Prozent Anleitung in Stunden
Mindestens ein Zehntel der praktischen Ausbildungszeit jedes Einsatzes muss geplante, strukturierte Anleitung sein, die sich am Ausbildungsplan orientiert (§ 4 Abs. 1 PflAPrV). Die Quote gilt für jeden einzelnen Einsatz, nicht nur über die ganze Ausbildung gerechnet. Die praktische Ausbildung umfasst nach § 1 PflAPrV mindestens 2.500 Stunden. Rechnerisch sind das über die gesamte Ausbildung mindestens 250 Stunden geplante Anleitung für jede Auszubildende und jeden Auszubildenden. Bei einem Einsatz von 400 Stunden wären es mindestens 40 Stunden.
Diese Zeit ist keine Nebensache. Nach § 27 PflBG zählt die Praxisanleitung ausdrücklich zu den Kosten der praktischen Ausbildung, und die werden über die Ausbildungsfinanzierung nach dem Pflegeberufegesetz gedeckt. In Baden-Württemberg etwa enthalten die Pauschalen laut Sozialministerium vor allem die Kosten der Praxisanleitung einschließlich Freistellung, Qualifizierung und Fortbildung. Wenn Anleitung bei dir regelmäßig in der normalen Besetzung untergeht, ist das ein Punkt für das Gespräch mit der Pflegedienst- oder Stationsleitung.
Was Praxisanleitung im Tarif bringt
Im TVöD der kommunalen Arbeitgeber nennt die Entgeltordnung (Anlage 1, Teil B, Abschnitt XI) die Praxisanleitung als eigenes Merkmal der Entgeltgruppe P 8 Fallgruppe 2: „Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter in der Pflege mit berufspädagogischer Zusatzqualifikation nach bundesrechtlicher Regelung und entsprechender Tätigkeit“. Es kommt also auf die entsprechende Tätigkeit an. Das Bundesarbeitsgericht hat am 17.03.2021 (4 AZR 327/20) die Revision einer Praxisanleiterin zurückgewiesen, die P 8 verlangt hatte. Ihre Klage blieb erfolglos, weil die Praxisanleitung nicht mindestens die Hälfte ihrer Tätigkeit ausmachte. Eine Zulage für Praxisanleitung in der Pflege enthält die Entgeltordnung nicht; die dort genannte Zulage von 70 Euro gilt nur für die Anleitung im Sozial- und Erziehungsdienst.
Anders ist es im TV-L, der an vielen Unikliniken gilt. Dort erhalten Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter in der Pflege mit berufspädagogischer Zusatzqualifikation und entsprechender Tätigkeit nach Protokollerklärung Nr. 3 zu Teil IV Abschnitt 1 der Entgeltordnung eine monatliche Zulage nach Anlage F. Die Tabelle zeigt die Beträge.
| Tarifvertrag | Regelung | Betrag |
|---|---|---|
| TVöD (VKA) | Entgeltgruppe P 7, Stufe 2, ab 01.05.2026 | 3.510,30 € im Monat |
| TVöD (VKA) | Entgeltgruppe P 8, Stufe 2, ab 01.05.2026 (Praxisanleitung mit entsprechender Tätigkeit) | 3.701,21 € im Monat |
| TV-L | Zulage Anlage F Abschnitt IV Nr. 9, 01.04.2026 bis 28.02.2027 | 91,49 € im Monat |
| TV-L | Zulage Anlage F Abschnitt IV Nr. 9, 01.03.2027 bis 31.12.2027 | 93,32 € im Monat |
Quellen: dbb, Entgelttabelle TVöD Pflege (gültig vom 01.05.2026 bis mindestens 31.03.2027); Entgeltordnung VKA, Textausgabe der VKA 2025; TdL, TV-L Anlage F. Beträge in Vollzeit.
Kirchliche Arbeitgeber und private Träger regeln Praxisanleitung in eigenen Arbeitsvertragsrichtlinien oder Haustarifen. Welche Regelung für dich gilt und ob dein Anleitungsanteil die Voraussetzungen erfüllt, klären Personalabteilung, Mitarbeitervertretung oder Betriebsrat.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden umfasst die Weiterbildung zur Praxisanleitung?
Die berufspädagogische Zusatzqualifikation umfasst nach § 4 Absatz 3 PflAPrV mindestens 300 Stunden. Danach kommen jährlich mindestens 24 Stunden Fortbildung dazu.
Wie viel Berufserfahrung brauche ich, um anzuleiten?
Mindestens ein Jahr Berufserfahrung als Pflegefachperson innerhalb der letzten fünf Jahre, möglichst in dem Einsatzbereich, in dem du anleiten wirst; so sieht es § 4 PflAPrV vor.
Wie viel Anleitung muss eine Einrichtung sicherstellen?
Mindestens 10 Prozent der praktischen Ausbildungszeit jedes Einsatzes, geplant und strukturiert nach dem Ausbildungsplan. Bei 2.500 Stunden praktischer Ausbildung sind das rechnerisch mindestens 250 Stunden.
Gilt meine alte Praxisanleiter-Weiterbildung noch?
Ja, wenn du am 31. Dezember 2019 nachweislich über die Qualifikation nach altem Recht verfügt hast, ist sie der neuen Zusatzqualifikation gleichgestellt. Die jährliche Fortbildung von 24 Stunden musst du trotzdem nachweisen.
Bekomme ich als Praxisanleiterin oder Praxisanleiter im TVöD eine Zulage?
Nein, eine eigene Zulage für Praxisanleitung in der Pflege gibt es im TVöD nicht; stattdessen kann die Tätigkeit zur Entgeltgruppe P 8 Fallgruppe 2 führen. Im TV-L gibt es eine Zulage; ab dem 01.04.2026 beträgt sie 91,49 Euro im Monat.
