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Telekonsil: Fachwissen digital einholen
Telekonsile zwischen Ärztinnen und Ärzten laufen nach der Telekonsilien-Vereinbarung gemäß § 367 SGB V über sichere Dienste wie KIM. Koordinierende Arztpraxen, meist die Hausarztpraxis, können mit Pflegekräften in der Häuslichkeit oder im Heim bis zu dreimal im Krankheitsfall eine Videofallkonferenz abrechnen. Telemonitoring bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz ist seit 2021 Kassenleistung, und Physiotherapiepraxen dürfen bei allgemeiner Krankengymnastik bis zur Hälfte der verordneten Behandlungen per Video erbringen.
Beim Telekonsil holt eine behandelnde Ärztin, ein Psychotherapeut oder eine Zahnärztin die Einschätzung einer Kollegin oder eines Kollegen digital ein, etwa zu einem Röntgenbild, einem EKG oder einer schwierigen Medikation. Die Konsiliarärztin kann in einer Praxis oder in einem Krankenhaus arbeiten, aus derselben oder einer anderen Fachrichtung. Die technischen Anforderungen haben die Kassenärztlichen Bundesvereinigungen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband in der Telekonsilien-Vereinbarung nach § 367 SGB V festgelegt.
Nach Angaben der KBV werden Anfrage und Antwort über KIM oder andere zugelassene sichere Dienste übertragen und von beiden Seiten qualifiziert elektronisch signiert. Die Anfrage enthält die Fragestellung, die Daten der Patientin oder des Patienten sowie Diagnosen und Medikation. Seit 2025 sollen Fachärztinnen und Fachärzte laut Anlage 31c zum Bundesmantelvertrag grundsätzlich für Telekonsile zur Verfügung stehen, und die einholende Praxis muss das Ergebnis in die elektronische Patientenakte übertragen, sofern kein Widerspruch vorliegt.
Videofallkonferenz zwischen Praxis und Pflege
Für chronisch pflegebedürftige Menschen sieht der Einheitliche Bewertungsmaßstab eine eigene Leistung vor: die Videofallkonferenz der koordinierenden Ärztin oder des koordinierenden Arztes mit den Pflegekräften, die den Menschen zu Hause, in einer Pflegeeinrichtung oder einer beschützenden Einrichtung versorgen (Gebührenordnungsposition 01442). Sie ist höchstens dreimal im Krankheitsfall berechnungsfähig und setzt voraus, dass die Patientin oder der Patient in den letzten drei Quartalen einschließlich des laufenden persönlich in der Praxis war. Technisch gelten die Anforderungen der Anlage 31b.
Für Pflegefachpersonen in der ambulanten Pflege oder im Heim ist das eine Chance, Veränderungen wie eine verschlechterte Wunde oder neue Unruhe strukturiert mit der Hausarztpraxis zu besprechen, ohne auf die nächste Visite zu warten. Pflegeeinrichtungen mussten zudem bis zum 1. Juli 2025 die Voraussetzungen für den Anschluss an die Telematikinfrastruktur und den Zugriff auf die elektronische Patientenakte schaffen (§ 341 Abs. 8 SGB V), über die Arztbriefe und Medikationsliste zugänglich werden. Was Pflegefachpersonen seit 2026 eigenverantwortlich übernehmen dürfen, steht im Beitrag zur Befugniserweiterung in der Pflege.
Telemonitoring bei Herzinsuffizienz
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am 17. Dezember 2020 beschlossen, das Telemonitoring bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz in die vertragsärztliche Versorgung aufzunehmen; der Beschluss trat am 31. März 2021 in Kraft. Es richtet sich an Menschen mit Herzinsuffizienz im Stadium NYHA II oder III und reduzierter Pumpfunktion, die entweder ein implantiertes kardiales Aggregat tragen oder im vergangenen Jahr wegen einer Verschlechterung im Krankenhaus waren.
Patientinnen und Patienten ohne Implantat übermitteln elektronisch Körpergewicht, Blutdruck und eine eigene Einschätzung ihres Befindens. Ein telemedizinisches Zentrum wertet die Daten aus und meldet Auffälligkeiten. Die Verantwortung für die Therapie bleibt bei der primär behandelnden Ärztin oder dem primär behandelnden Arzt, meist in der Hausarztpraxis oder bei Kardiologinnen und Kardiologen. Für MFA und Pflege entstehen dabei Aufgaben in der Einweisung der Patientinnen und Patienten und in der Kommunikation mit dem Zentrum.
Physiotherapie per Video
In der Heilmittelversorgung ist die Videobehandlung vertraglich geregelt. Der Vertrag nach § 125 SGB V für Physiotherapie in der Lesefassung vom April 2022, den der GKV-Spitzenverband weiterhin als geltende Fassung führt, erlaubt in § 7a telemedizinische Leistungen neben der Behandlung in Präsenz. Der Umfang ist je Maßnahme begrenzt:
| Maßnahme | per Video möglich |
|---|---|
| Allgemeine Krankengymnastik, einzeln und in der Gruppe | bis zur Hälfte der verordneten Behandlungen |
| Krankengymnastik bei schweren Erkrankungen der Atmungsorgane | bis zur Hälfte der verordneten Behandlungen |
| Krankengymnastik ZNS nach Bobath, Kinder und Erwachsene | bis zu drei Behandlungen, vor allem zur Anleitung von Bezugspersonen |
| Manuelle Therapie | bis zu einer Behandlung |
Quelle: § 7a Abs. 5 Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V für Physiotherapie, Lesefassung Stand 04.04.2022.
Die Therapeutin oder der Therapeut behandelt dabei aus den zugelassenen Praxisräumen. Die Videobehandlung wird nach Aufklärung schriftlich vereinbart, beide Seiten können sie jederzeit ablehnen, und die Praxis darf die Annahme einer Verordnung nicht davon abhängig machen. Die Patientin oder der Patient braucht eine störungsfreie Umgebung, eine stabile Internetverbindung und genug Medienkompetenz; bei pflegebedürftigen Menschen kann eine Betreuungsperson unterstützen. Für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten bedeutet das: Übungsanleitung und Verlaufskontrolle lassen sich teilweise digital erledigen, die Behandlung mit den Händen nicht.
Telepflege: noch in der Erprobung
Für die Langzeitpflege hat der Gesetzgeber einen Zwischenschritt gewählt. Nach § 125a SGB XI standen für 2022 bis 2025 aus dem Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung 5 Millionen Euro für wissenschaftlich begleitete Modellvorhaben zur Telepflege bereit. Bis zum 31. Dezember 2027 soll der Spitzenverband der Pflegekassen Empfehlungen erarbeiten, wie die Ergebnisse in der ambulanten und stationären Langzeitpflege umgesetzt werden. Eine allgemeine Leistung der Telepflege gibt es damit noch nicht.
Schon heute möglich ist die Pflegeberatung per Video: Nach § 7a SGB XI kann sie auf Wunsch der versicherten Person digital geführt werden, wie der Beitrag zur Pflegeberatung beschreibt. Im Rettungsdienst verbindet der Telenotarzt Einsatzteams mit ärztlicher Expertise.
Was das für deine Stellensuche heißt
Telemedizin verändert Stellenprofile, ohne ganze Berufe zu ersetzen. In Bewerbungsgesprächen lohnt sich die Frage, welche telemedizinischen Wege die Einrichtung schon nutzt, wer die Technik betreut und ob Videotermine im Dienstplan eigene Zeitfenster bekommen. Wer sich für die ärztliche Seite interessiert, findet die Regeln der Videosprechstunde im Beitrag Videosprechstunde im Praxisalltag.
Häufige Fragen
Was ist ein Telekonsil?
Ein Telekonsil ist die digitale Einschätzung einer Ärztin oder eines Arztes zu einer Fragestellung, die eine behandelnde Kollegin oder ein behandelnder Kollege einholt. Anfrage und Antwort laufen über sichere Dienste wie KIM und werden qualifiziert elektronisch signiert.
Kann meine Pflegeeinrichtung per Video mit der Hausarztpraxis sprechen?
Ja, für chronisch pflegebedürftige Menschen gibt es die Videofallkonferenz zwischen koordinierender Praxis und Pflegekräften. Die Praxis kann sie bis zu dreimal im Krankheitsfall abrechnen, wenn die Person in den letzten drei Quartalen persönlich dort war.
Wer bekommt Telemonitoring bei Herzinsuffizienz?
Menschen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz im Stadium NYHA II oder III und reduzierter Pumpfunktion, die ein implantiertes Aggregat tragen oder im letzten Jahr deswegen im Krankenhaus waren. Die Therapieentscheidung bleibt bei der primär behandelnden Ärztin oder dem primär behandelnden Arzt.
Wie viel Physiotherapie darf per Video stattfinden?
Bei allgemeiner Krankengymnastik bis zur Hälfte der verordneten Behandlungen, bei manueller Therapie eine Behandlung. Die Videobehandlung wird schriftlich vereinbart und kann von beiden Seiten jederzeit abgelehnt werden.
Gibt es Telepflege als Kassenleistung?
Nein, noch nicht als allgemeine Leistung. Nach § 125a SGB XI wurde sie in Modellvorhaben erprobt; Empfehlungen zur Umsetzung sollen bis Ende 2027 vorliegen.
