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Dentalhygienikerin reinigt mit Lupenbrille die Zähne einer Patientin im Behandlungsstuhl.
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Dentalhygiene als Beruf

Die Aufgaben von Dentalhygienikerinnen und Dentalhygienikern, der Weg über Fortbildung oder Studium und was die Delegation erlaubt.

Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker übernehmen in der Zahnarztpraxis Prophylaxe, die Reinigung von Zahn- und Wurzeloberflächen und Teile der nichtchirurgischen Parodontitistherapie, jeweils als von der Zahnärztin oder dem Zahnarzt delegierte Leistung. Der Weg führt über eine Aufstiegsfortbildung der Zahnärztekammer nach der Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten oder über ein Bachelorstudium. Diagnose, Therapieplanung und die Verantwortung für die Behandlung bleiben der Zahnärztin oder dem Zahnarzt vorbehalten (§ 1 ZHG).

Inhalt

Die Dentalhygiene baut auf der Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten auf, die Fortbildung zur Prophylaxeassistentin verkürzt den Weg. Die Bundeszahnärztekammer hat die Fortbildung 2023 als Bachelor Professional in Dentalhygiene neu gefasst und den Umfang gegenüber der Musterordnung von 2014 von 800 auf mindestens 1.200 Unterrichtsstunden erhöht.

Steckbrief

Zugang
Abschlussprüfung als Zahnmedizinische Fachangestellte, je nach Kammer ein Jahr Berufstätigkeit, Notfallkurs und Kenntnisnachweis im Strahlenschutz
Umfang
mindestens 1.200 Unterrichtsstunden, kompakt oder modular, in Vollzeit oder berufsbegleitend
Rechtsgrundlage
Prüfungsregelung der zuständigen Zahnärztekammer für die Fortbildung nach § 54 BBiG, Vorbild ist die Musterordnung der Bundeszahnärztekammer vom 25.10.2023; delegierbare Tätigkeiten nach § 1 Abs. 5 und 6 Zahnheilkundegesetz
Abschluss
Fortbildungsprüfung vor der Zahnärztekammer, Bachelor Professional in Dentalhygiene; alternativ Bachelor an einer Hochschule
Zuständige Stelle
Landeszahnärztekammer
Typische Arbeitsorte
Zahnarztpraxen und zahnmedizinische Versorgungszentren, Parodontologie-Schwerpunktpraxen, Universitätszahnkliniken

Quelle: Bundeszahnärztekammer, Muster-Fortbildungsordnung Bachelor Professional in Dentalhygiene vom 25.10.2023; ZHG; abgerufen am 27.09.2026.

Prophylaxesitzung und Recall

Zum Alltag gehören feste Behandlungstermine und ein Recall, dessen Intervalle du nach Befund planst und steuerst; beides ist ausdrücklich Inhalt der Fortbildung. Eine Sitzung beginnt mit Anamnese, Befund und Indizes, dann folgen Reinigung, Politur, Fluoridierung und die Instruktion zur häuslichen Mundhygiene. Bei Patientinnen und Patienten mit Parodontitis erhebst du mitwirkend den Parodontalbefund und übernimmst die Nachsorge in festgelegten Intervallen.

Das Zahnheilkundegesetz nennt die Tätigkeiten, die an qualifiziertes Prophylaxepersonal wie Dentalhygienikerinnen delegiert werden können (§ 1 Abs. 5 ZHG), unter anderem:

  • Entfernung von weichen und harten sowie klinisch erreichbaren subgingivalen Belägen
  • Erstellen von Plaque- und Blutungsindizes und Bestimmung des Kariesrisikos
  • Erklärung der Ursachen von Karies und Parodontopathien, Motivation und Remotivation, Übungen zur Mundhygiene und Ernährungshinweise
  • lokale Fluoridierung und Versiegelung kariesfreier Fissuren
  • Herstellung von Röntgenaufnahmen, Füllungspolituren und Situationsabdrücke

In der Kieferorthopädie kommen weitere Tätigkeiten hinzu, etwa das Ein- und Ausligieren von Bögen oder die Politur nach Bracketentfernung (§ 1 Abs. 6 ZHG).

Fortbildung zum Bachelor Professional oder Studium

Die Kammerfortbildung baut auf der Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten auf. Nach der Musterordnung der Bundeszahnärztekammer vom 25. Oktober 2023 brauchst du die bestandene Abschlussprüfung, je nach Kammer ein Jahr Berufstätigkeit und eine Aufnahmeprüfung, einen Notfallkurs zur Wiederbelebung von mindestens neun Stunden, der nicht älter als zwei Jahre ist, und einen gültigen Kenntnisnachweis im Strahlenschutz. Wer schon Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin ist, kann auf Wunsch direkt in den zweiten Teil einsteigen.

Die Fortbildung umfasst mindestens 1.200 Unterrichtsstunden aus Theorie, vorklinischen Übungen und klinischer Patientenbehandlung. Die klinische Zeit findet im Fortbildungsinstitut, in der Parodontologie einer Universitätsklinik, in einer Einrichtung der Bundeswehr oder in einer autorisierten Praxis statt, die Teile der nichtchirurgischen Parodontitistherapie wie antiinfektiöse Therapie, professionelle mechanische Plaqueentfernung und unterstützende Parodontitistherapie ausreichend vermitteln kann. Die Prüfung nimmt die Kammer ab, bei modularer Fortbildung auch in Teilprüfungen.

Daneben bieten Hochschulen Bachelorstudiengänge in Dentalhygiene an. Welcher Weg zu dir passt und was die Stufen ZMP, ZMF und DH unterscheidet, erklärt der Beitrag Aufstiegsfortbildung ZMP, ZMF und DH.

Grenzen der Delegation in der Zahnarztpraxis

Auf Dauer Zahnheilkunde ausüben darf nur, wer die zahnärztliche Approbation besitzt (§ 1 Abs. 1 ZHG). Nach dem Delegationsrahmen der Bundeszahnärztekammer bleiben ihnen persönlich vorbehalten: Untersuchung, Diagnose und Aufklärung, Therapieplanung, die Entscheidung über alle Behandlungsmaßnahmen, invasive diagnostische und therapeutische Eingriffe, Injektionen und sämtliche operativen Eingriffe. Delegiert werden dürfen nur Leistungen aus dem Katalog des § 1 Abs. 5 und 6 ZHG und nur an dafür qualifiziertes Personal.

Für die antiinfektiöse Therapie im Rahmen der systematischen Parodontitisbehandlung haben Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Bundeszahnärztekammer und die Fachgesellschaften DGZMK und DG PARO 2021 gemeinsam festgehalten, unter welchen Voraussetzungen eine Delegation möglich ist. Ob sie im Einzelfall delegiert wird, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt für jede Patientin und jeden Patienten neu.

Prophylaxe in Praxis und Zahnklinik

  • Allgemeine Zahnarztpraxis: Prophylaxesprechstunde, Recall-System und Aufklärung für Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen.
  • Parodontologische Schwerpunktpraxis: hoher Anteil an Parodontitistherapie und unterstützender Nachsorge.
  • Universitätszahnklinik und Fortbildungsinstitut: Behandlung, Lehre in der Fortbildung und klinische Studien.

Worauf Praxen bei der Bewerbung achten, zeigt der Beitrag Bewerbung in der Zahnarztpraxis.

Zuschlag nach dem ZFA-Vergütungstarif

Ein Beispiel für die tarifliche Bewertung: Im Vergütungstarifvertrag für Zahnmedizinische Fachangestellte in Hamburg, Niedersachsen, im Saarland und in Westfalen-Lippe, gültig vom 1. Juli 2025 bis Ende 2026 mit einer zweiten Erhöhung zum 1. Januar 2026, erhalten Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker bei entsprechender Tätigkeit einen Zuschlag von 30 Prozent auf die Grundvergütung (Tätigkeitsgruppe V), ZMP und ZMF 25 Prozent. Verbindlich ist der Tarif nur bei Tarifbindung oder vertraglichem Verweis, außerhalb dieser Regionen gelten eigene Regeln. Einzelheiten stehen im Beitrag ZFA-Gehalt, Tarif und Zulagen, Werte aus dem Entgeltatlas auf der Jobseite.

Förderung der Fortbildung

Die Fortbildung zum Bachelor Professional in Dentalhygiene endet mit einer öffentlich-rechtlich geregelten Prüfung nach § 54 BBiG und kann deshalb über Aufstiegs-BAföG gefördert werden; Maßnahmen in Vollzeit müssen dafür mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen, was die Fortbildung mit 1.200 Stunden deutlich übertrifft (§ 2 AFBG). Wie Zuschuss und Darlehen funktionieren, erklärt der Beitrag Aufstiegs-BAföG.

Abgrenzung zu ZMP, ZMF und Zahnmedizin

Häufige Fragen

Darf ich als Dentalhygienikerin Betäubungsspritzen setzen?

Nein, Injektionen gehören nach dem Delegationsrahmen der Bundeszahnärztekammer zu den persönlichen Leistungen der Zahnärztin oder des Zahnarztes. Sie sind auch nicht im Katalog der delegierbaren Tätigkeiten nach § 1 Abs. 5 ZHG enthalten.

Was hat sich mit dem Bachelor Professional geändert?

Der Umfang ist gestiegen: Die Musterordnung von 2014 sah mindestens 800 Unterrichtsstunden vor, die von 2023 mindestens 1.200. Zudem bezeichnet die neue Ordnung den Abschluss als Bachelor Professional in Dentalhygiene.

Wird die DH-Fortbildung mit Aufstiegs-BAföG gefördert?

Ja, sie bereitet auf eine öffentlich-rechtliche Fortbildungsprüfung nach § 54 BBiG vor und erfüllt die Mindestdauer nach § 2 AFBG, dem Gesetz zum Aufstiegs-BAföG. Den Antrag stellst du bei der zuständigen Förderbehörde deines Landes.

Kann ich direkt nach der ZFA-Ausbildung anfangen?

Das hängt von der Kammer ab: Die Musterordnung erlaubt ihr, ein Jahr Berufstätigkeit nach der Ausbildung und eine Aufnahmeprüfung zu verlangen. In modularer Form entfällt die Pflicht zur Berufstätigkeit vor Beginn.

Welche Inhalte hat die Fortbildung?

Die Musterordnung gliedert sie unter anderem in Prophylaxe oraler Erkrankungen, Patienteninformation und klinische Dokumentation, Psychologie und Kommunikation sowie Patientenbehandlung. Dazu gehören etwa die mitwirkende Erhebung des Parodontalbefunds mit Staging und Grading, die Planung von Recall-Intervallen und Prophylaxe für Ältere und Menschen mit Behinderung.

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