Inhalt
Kein anderes Gebiet ist so stark ambulant: Von den 45.915 berufstätigen Ärztinnen und Ärzten mit der Gebietsbezeichnung Allgemeinmedizin arbeiteten Ende 2025 laut Ärztestatistik 38.960 in Praxen und anderen ambulanten Einrichtungen, 26.926 davon in eigener Niederlassung. Du begleitest Familien oft über Jahre und entscheidest in der Sprechstunde, was du selbst behandelst und wann du überweist.
Steckbrief
- Zugang
- Approbation oder ärztliche Berufserlaubnis, danach kann die Weiterbildung in Klinik oder Hausarztpraxis beginnen (§ 4 Abs. 1 MWBO)
- Dauer
- mindestens 60 Monate unter Befugnis, Gliederung und Pflichtabschnitte auf der Jobseite
- Umfang
- Richtzahlen, unter anderem 50 Hausbesuche, 50 akut erkrankte Kinder und Jugendliche, 50 geriatrische Patientinnen und Patienten
- Rechtsgrundlage
- Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer nach der Muster-Weiterbildungsordnung 2018, für die Kassenpraxis §§ 73 und 95a SGB V
- Abschluss
- Prüfung bei der Landesärztekammer (§ 14 MWBO); mit der Facharztbezeichnung ist der Eintrag ins Arztregister möglich (§ 95a SGB V)
- Zuständige Stelle
- Landesärztekammer, für die Zulassung der Zulassungsausschuss bei der Kassenärztlichen Vereinigung
- Typische Arbeitsorte
- Hausarztpraxen, Gemeinschaftspraxen, MVZ, ärztlicher Bereitschaftsdienst
Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer in der Fassung vom 03.07.2026, Gebiet Allgemeinmedizin; SGB V; abgerufen am 27.09.2026.
Aufgaben im hausärztlichen Alltag
Die Gebietsdefinition beschreibt die Allgemeinmedizin als Akut-, Langzeit- und Notfallversorgung von Menschen jeden Alters mit körperlichen und seelischen Beschwerden, einschließlich Prävention, Rehabilitation und Palliativversorgung. Die Methode hat einen eigenen Namen: abwartendes Offenhalten bei gleichzeitiger Vermeidung abwendbar gefährlicher Verläufe. Du musst also erkennen, wann ein Husten ein Husten bleibt und wann er eine Lungenembolie sein kann.
Das Sozialrecht beschreibt dieselbe Rolle von der anderen Seite. Zur hausärztlichen Versorgung gehören die fortgesetzte Betreuung in Kenntnis des häuslichen und familiären Umfelds, die Koordination diagnostischer, therapeutischer und pflegerischer Maßnahmen und das Zusammenführen aller Befunde aus Klinik und Facharztpraxis (§ 73 Abs. 1 SGB V). Ein typischer Tag enthält:
- Sprechstunde mit Infekten, Rückenschmerzen, Hautbefunden, Blutdruck- und Diabeteskontrollen und psychischen Krisen
- Langzeitbetreuung chronisch Kranker, etwa mit Diabetes, koronarer Herzkrankheit, COPD, Depression oder chronischen Wunden
- Hausbesuche und Visiten im Pflegeheim, Verordnung häuslicher Krankenpflege und Absprachen mit Pflegediensten
- EKG, Langzeit-EKG, Spirometrie und Ultraschall von Abdomen und Schilddrüse in der eigenen Praxis
- Impfberatung nach STIKO, Krebsfrüherkennung und die Begleitung Sterbender zu Hause
Die Weiterbildung Allgemeinmedizin
Die Weiterbildung beginnt nach der Approbation an zugelassenen Weiterbildungsstätten unter Leitung einer befugten Ärztin oder eines befugten Arztes, auch in der Praxis einer niedergelassenen Hausärztin oder eines niedergelassenen Hausarztes (§§ 5 und 6 MWBO). Vorgesehen ist Vollzeit; wer in Teilzeit weiterbildet, braucht mindestens die halbe Wochenarbeitszeit und hängt die fehlenden Monate hinten an (§ 4 Abs. 6 MWBO). Einzelne Abschnitte müssen mindestens drei Monate dauern. Welche Zeiten in der Hausarztpraxis, in der Inneren Medizin und in anderen Gebieten Pflicht sind, steht auf der Jobseite Facharzt Allgemeinmedizin.
Deine Fortschritte hältst du im elektronischen Logbuch fest. Die oder der Weiterbildungsbefugte bestätigt sie mindestens einmal im Jahr und bespricht mit dir, wo noch Lücken sind (§§ 5 und 8 MWBO). Die Weiterbildungsordnung nennt für einige Inhalte Richtzahlen:
| Weiterbildungsinhalt | Richtzahl |
|---|---|
| Hausbesuche | 50 |
| Behandlung akut erkrankter Kinder und Jugendlicher | 50 |
| Behandlung geriatrischer Patientinnen und Patienten | 50 |
| davon chronisch Pflegebedürftige in ihrer Häuslichkeit | 25 |
| Standardisierte Testverfahren, etwa zur Depressions- und Geriatriediagnostik | 50 |
| Wundversorgung, Inzision, Exzision und Probeexzision | 50 |
| Lebensrettende Maßnahmen, auch in der Simulation | 10 |
Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 in der Fassung vom 03.07.2026, S. 25 bis 29, abgerufen am 27.09.2026.
Zur Prüfung lässt dich die Kammer zu, wenn Zeugnisse und Logbuch die Anforderungen belegen. Den Termin setzt sie spätestens ein halbes Jahr nach der Zulassung an, drei Prüferinnen und Prüfer, zwei davon selbst Allgemeinmedizinerinnen oder Allgemeinmediziner, befragen dich mindestens 30 Minuten (§§ 12 bis 14 MWBO). Eine Wiederholung ist frühestens nach drei Monaten möglich (§ 16 MWBO).
Kassenzulassung, Hausarztrolle und Förderung
Hausärztin oder Hausarzt im Sinne des Sozialrechts sind Allgemeinärztinnen und Allgemeinärzte, Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte sowie Internistinnen und Internisten ohne Schwerpunkt, die die hausärztliche Versorgung gewählt haben (§ 73 Abs. 1a SGB V). Für die Eintragung ins Arztregister verlangt § 95a SGB V neben der Approbation eine mindestens fünfjährige allgemeinmedizinische Weiterbildung mit der Facharztbezeichnung. Die Zulassung selbst erteilt der Zulassungsausschuss; wie das abläuft, steht im Beitrag Niederlassung oder Anstellung.
Die Weiterbildung wird gesetzlich gefördert. Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen müssen die allgemeinmedizinische Weiterbildung in Praxen und MVZ fördern, die Krankenkassen auch in Krankenhäusern und Rehakliniken. Die Praxis muss den Zuschuss auf die im Krankenhaus übliche Vergütung anheben und vollständig an dich auszahlen, bundesweit sollen mindestens 7.500 Stellen gefördert werden (§ 75a SGB V). Beträge und Rechenweg stehen im Beitrag Förderung der Weiterbildung Allgemeinmedizin. Wer über die Landarztquote studiert hat, ist zusätzlich an eine mehrjährige hausärztliche Tätigkeit in einem unterversorgten Gebiet des Landes gebunden.
Arbeitsorte und das Praxisteam
Der größte Teil der Allgemeinmedizin findet in der Arztpraxis statt, als Einzelpraxis, Berufsausübungsgemeinschaft oder Medizinisches Versorgungszentrum. Von den ambulant tätigen Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern waren Ende 2025 rund 12.000 angestellt, knapp 27.000 hatten eine eigene Praxis. Die Teilnahme am ärztlichen Bereitschaftsdienst gehört zu den Weiterbildungsinhalten.
Ohne Team funktioniert keine Hausarztpraxis. Mit diesen Berufen arbeitest du täglich zusammen:
- Medizinische Fachangestellte: Empfang, Blutentnahme, EKG, Impfungen nach Anordnung, Abrechnung und Terminsteuerung. Jobangebote findest du auf der Jobseite MFA.
- Nichtärztliche Praxisassistenz: MFA oder Pflegefachkräfte mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung in einer Hausarztpraxis, mindestens 20 Wochenstunden und einer Zusatzqualifikation von bis zu 200 Stunden Theorie, 50 Stunden Praxis und 20 Stunden Notfallmanagement dürfen nach Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung angeordnete Hausbesuche und Heimbesuche ohne Anwesenheit der Ärztin oder des Arztes übernehmen (§§ 4, 6 und 7 Anlage 8 BMV-Ä).
- Praxismanagement und Fachwirtinnen und Fachwirte für ambulante medizinische Versorgung: Organisation, Personal und Qualitätsmanagement größerer Praxen.
Vergütung in Weiterbildung und danach
Deine Klinikabschnitte bezahlt ein kommunales Haus nach dem TV-Ärzte/VKA, in der Weiterbildung nach Entgeltgruppe I, später als Fachärztin oder Facharzt mit entsprechender Tätigkeit nach II (§ 16 TV-Ärzte/VKA). Für die Praxisabschnitte gibt es keinen allgemeinverbindlichen Tarif; bei geförderten Stellen muss die Praxis aber auf die im Krankenhaus übliche Vergütung aufstocken (§ 75a SGB V). Niedergelassene rechnen nach EBM und GOÄ ab. Was angestellte Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner laut Entgeltatlas verdienen, zeigt die Jobseite.
Zusatz-Weiterbildungen für die Hausarztpraxis
Neben der eigenen Praxis und der Anstellung im MVZ stehen Zusatz-Weiterbildungen offen, die auf einer Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung aufbauen, etwa Palliativmedizin mit 160 Stunden Kurs oder Notfallmedizin für den Notarztdienst. Welche zum hausärztlichen Profil passen, beschreibt der Beitrag Zusatz-Weiterbildung wählen. Wer später selbst weiterbilden will, braucht eine Befugnis der Kammer und mehrere Jahre Tätigkeit nach der Facharztanerkennung (§ 5 Abs. 2 MWBO).
Als Vertragsärztin oder Vertragsarzt musst du alle fünf Jahre gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung nachweisen, dass du dich fortgebildet hast, sonst wird das Honorar gekürzt (§ 95d SGB V). Einzelheiten zu den Punkten stehen im Beitrag CME-Fortbildungspflicht.
Abgrenzung zu Innerer Medizin und Pädiatrie
- Innere Medizin: Internistinnen und Internisten ohne Schwerpunkt können ebenfalls hausärztlich tätig werden, ihre Weiterbildung ist aber stärker stationär ausgerichtet.
- Kinder- und Jugendmedizin: nimmt als eigene Gruppe an der hausärztlichen Versorgung teil, beschränkt auf Kinder und Jugendliche.
- Assistenzärztin und Assistenzarzt: beschreibt die Rolle in der Weiterbildung, unabhängig vom Gebiet.
Steigende Abschlusszahlen und neue Inhalte
Die Zahl der Abschlüsse steigt leicht: Die Ärztekammern erkannten 2025 bundesweit 2.147 Facharztbezeichnungen in Allgemeinmedizin an, nach 2.140 im Jahr 2024 und 2.031 im Jahr 2023. Mit 45.915 Berufstätigen ist das Gebiet nach der Inneren Medizin das zweitgrößte. Die Muster-Weiterbildungsordnung zählt außerdem klimasensible Gesundheitsberatung und den Umgang mit digitaler Medizin und Künstlicher Intelligenz zu den allgemeinen Inhalten jeder Facharztweiterbildung.
Häufige Fragen
Darf ich als Allgemeinmedizinerin auch fachärztlich abrechnen?
Grundsätzlich nimmst du an der hausärztlichen Versorgung teil. Der Zulassungsausschuss kann Allgemeinärztinnen und Allgemeinärzten, die im Wesentlichen spezielle Leistungen erbringen, auf Antrag die ausschließliche Teilnahme an der fachärztlichen Versorgung genehmigen (§ 73 Abs. 1a SGB V).
Muss die Praxis mir während der Weiterbildung das Klinikgehalt zahlen?
Ja, bei geförderten Stellen muss die Weiterbildungspraxis den Förderbetrag auf die im Krankenhaus übliche Vergütung anheben und vollständig an dich auszahlen (§ 75a Abs. 1 SGB V).
Was darf eine nichtärztliche Praxisassistentin allein beim Hausbesuch?
Sie darf ärztlich angeordnete Hilfeleistungen in der Wohnung von Patientinnen und Patienten oder im Pflegeheim erbringen, ohne dass die Ärztin oder der Arzt anwesend ist. Diagnose und Therapieentscheidung bleiben ärztlich, die Voraussetzungen regelt Anlage 8 zum Bundesmantelvertrag.
Gehört die Behandlung von Kindern zur Weiterbildung?
Ja, die Muster-Weiterbildungsordnung nennt die Behandlung akut erkrankter Kinder und Jugendlicher mit einer Richtzahl von 50 sowie das Erkennen von Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter.
Wird eine Weiterbildung im Ausland anerkannt?
Weiterbildungsnachweise aus EU-Staaten, die unter die automatische Anerkennung fallen, erkennt die Kammer auf Antrag an. Bei Nachweisen aus Drittstaaten prüft sie die Gleichwertigkeit und verlangt bei wesentlichen Unterschieden eine Prüfung (§§ 18 und 19 MWBO), mehr im Beitrag Facharztanerkennung aus einem Drittstaat.
