Inhalt
Anästhesiologie ist ein Klinikfach: Von 28.832 berufstätigen Anästhesistinnen und Anästhesisten arbeiteten Ende 2025 laut Ärztestatistik 21.499 im Krankenhaus. Du bist vor, während und nach einem Eingriff verantwortlich dafür, dass Atmung, Kreislauf und Schmerz unter Kontrolle bleiben, im OP, im Kreißsaal, auf der Intensivstation und im Notarztwagen.
Steckbrief
- Zugang
- Approbation, für den Einstieg in die Anästhesieabteilung reicht auch eine ärztliche Berufserlaubnis nach der Bundesärzteordnung (§ 4 Abs. 1 MWBO)
- Dauer
- mindestens 60 Monate unter Befugnis, Pflichtzeit Intensivmedizin auf der Jobseite
- Umfang
- Richtzahlen, unter anderem 1.800 Anästhesieverfahren, 50 Anästhesien bei Kindern bis fünf Jahre und 100 intensivmedizinische Behandlungen bei Versagen mehrerer Organsysteme
- Rechtsgrundlage
- Weiterbildungsordnung der jeweiligen Ärztekammer auf Basis der MWBO 2018; für die Intensivmedizin in der Krankenhausplanung Anlage 1 zu § 135e SGB V
- Abschluss
- Nicht öffentliche Prüfung bei der Ärztekammer, mindestens 30 Minuten (§ 14 MWBO), danach Anerkennung als Fachärztin oder Facharzt für Anästhesiologie
- Zuständige Stelle
- Landesärztekammer
- Typische Arbeitsorte
- OP und Aufwachraum, Intensivstation, Kreißsaal, Notarztdienst, Schmerzambulanz, ambulante Operationszentren
Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer in der Fassung vom 03.07.2026, Gebiet Anästhesiologie; abgerufen am 27.09.2026.
Von der Prämedikation bis zur Intensivstation
Der Tag beginnt oft mit der Prämedikation. Du klärst Patientinnen und Patienten über die Risiken des Verfahrens auf, holst die Einwilligung ein und schätzt ab, ob ein schwieriger Atemweg zu erwarten ist, welche Vorerkrankungen und Dauermedikamente zählen und wie lange jemand nüchtern bleiben muss. Danach wählst du Verfahren, Medikamente und Überwachung.
Die Gebietsdefinition fasst das Fach weit: Anästhesie mit Vor- und Nachbehandlung, Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen bei operativen und diagnostischen Eingriffen sowie intensiv-, notfall- und schmerzmedizinische Maßnahmen. Im Alltag heißt das:
- Narkoseeinleitung, Atemwegssicherung auch mit Videolaryngoskop oder Fiberoptik, intraoperative Beatmung und Ausleitung
- rückenmarksnahe und periphere Regionalanästhesien, ultraschallgesteuert, mit Kathetern zur Schmerztherapie nach der Operation
- Anästhesien in der Geburtshilfe, bei Kaiserschnitten und bei Säuglingen und Kleinkindern
- Sedierungen außerhalb des OP, etwa bei CT, MRT oder Endoskopie, und die Begleitung von Intensivtransporten
- Intensivmedizin bei Sepsis, Schock, Lungen-, Herz- und Mehrorganversagen, mit Beatmungsentwöhnung, ZVK, Bronchoskopie und Tracheotomie
- Reanimation und Zwischenfallmanagement im ganzen Haus
Die Weiterbildung Anästhesiologie
Die Weiterbildung findet an zugelassenen Weiterbildungsstätten unter Leitung einer von der Kammer befugten Ärztin oder eines befugten Arztes statt und läuft grundsätzlich in Vollzeit. Eine Teilzeitstelle zählt, wenn sie wenigstens die halbe Wochenarbeitszeit umfasst, und streckt die Gesamtdauer entsprechend (§§ 4 und 5 MWBO). Bis zu 12 Monate können in anderen Gebieten erfolgen, die Pflichtzeit auf der Intensivstation steht auf der Jobseite.
Die Inhalte hältst du im elektronischen Logbuch fest, das die oder der Befugte mindestens einmal im Jahr bestätigt (§ 8 MWBO). Die Richtzahlen zeigen, wie breit die Weiterbildung angelegt ist:
| Weiterbildungsinhalt | Richtzahl |
|---|---|
| Anästhesieverfahren insgesamt | 1.800 |
| davon bei abdominellen Eingriffen | 300 |
| davon bei Patientinnen und Patienten ab ASA 3 | 100 |
| Anästhesien bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum vollendeten 5. Lebensjahr | 50 |
| Anästhesieverfahren in der Geburtshilfe, davon bei Kaiserschnitten | 50 und 25 |
| Rückenmarksnahe und periphere Regionalanästhesien | je 50 |
| Anästhesien im Kopf-Hals-Bereich | 100 |
| Intensivmedizinische Behandlung bei Funktionsstörung von mindestens zwei Organsystemen | 100 |
| Zentralvenöse und arterielle Zugänge | je 30 |
Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 in der Fassung vom 03.07.2026, S. 30 bis 33, abgerufen am 27.09.2026.
Fiberoptische Intubationen dürfen zur Hälfte in der Simulation erfolgen. Zur Prüfung lässt dich die Kammer zu, wenn Zeugnisse und Logbuch vollständig sind. Sie dauert mindestens 30 Minuten, drei Ärztinnen und Ärzte prüfen, zwei davon mit der Facharztbezeichnung (§§ 12 bis 14 MWBO).
Anästhesieteam und Verantwortung
Die ärztliche Verantwortung für das Anästhesieverfahren, die Aufklärung und die Therapieentscheidung liegt bei dir. Die Durchführung ist Teamarbeit. Im OP und auf der Intensivstation arbeitest du mit diesen Berufen:
- Anästhesietechnische Assistenz: eigener Beruf mit dreijähriger Ausbildung nach dem ATA-OTA-Gesetz (§ 12 ATA-OTA-G), bereitet Arbeitsplatz und Geräte vor und assistiert bei Einleitung, Überwachung und Ausleitung. Stellen stehen auf der Jobseite ATA.
- Fachpflege Intensiv und Anästhesie: Pflegefachpersonen mit Fachweiterbildung, die die Intensivpflege und die Anästhesiepflege tragen.
- Operationstechnische Assistenz: Instrumentieren und Springertätigkeit im OP-Saal.
- Physician Assistant: übernimmt ärztlich delegierte Aufgaben im Stationsalltag und in Funktionsbereichen.
- Fachkraft für Medizinprodukteaufbereitung: bereitet Laryngoskope, Bronchoskope und Instrumente wieder auf.
Für die Krankenhausplanung ist die Anästhesiologie ausdrücklich genannt: In der Leistungsgruppe Intensivmedizin müssen jederzeit drei intensivmedizinisch erfahrene Fachärztinnen oder Fachärzte zumindest in Rufbereitschaft verfügbar sein, davon mindestens eine oder einer mit Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin oder mit der Facharztbezeichnung Anästhesiologie (Anlage 1 zu § 135e SGB V).
Krankenhaus als Hauptarbeitsort
Die meisten Stellen liegen im Krankenhaus, von der Grundversorgung bis zur Universitätsklinik. Ambulant arbeiteten Ende 2025 bundesweit 4.651 Anästhesistinnen und Anästhesisten, etwa in Praxen, die Narkosen für ambulante Operationen übernehmen, oder in Schmerzpraxen. Die Weiterbildung verlangt ausdrücklich 50 Anästhesien bei ambulanten Eingriffen.
Zum Klinikalltag gehören Nacht- und Wochenenddienste. Der TV-Ärzte/VKA begrenzt Bereitschaftsdienste grundsätzlich auf vier im Kalendermonat und Rufbereitschaften auf 13, darüber hinaus nur bei Gefährdung der Patientensicherheit (§ 10 Abs. 8 und 10 TV-Ärzte/VKA). Wie Dienste bezahlt und ausgeglichen werden, steht im Beitrag Bereitschaftsdienst für Ärzte.
Eingruppierung bis zur Oberarztstelle
Kommunale Kliniken zahlen nach dem TV-Ärzte/VKA. Die Assistenzjahre laufen dort in Entgeltgruppe I, die Facharztjahre bei fachärztlichem Einsatz in II. In III kommst du als Oberärztin oder Oberarzt, wenn dir die medizinische Verantwortung für einen Teil- oder Funktionsbereich ausdrücklich übertragen wird, in der Anästhesie etwa für die Intensivstation (§ 16 TV-Ärzte/VKA). Universitätskliniken zahlen nach dem TV-Ärzte der Länder. Den Aufbau der Tabelle beschreibt der Beitrag TV-Ärzte/VKA, was Anästhesistinnen und Anästhesisten laut Entgeltatlas verdienen, die Jobseite Facharzt Anästhesiologie.
Zusatz-Weiterbildungen nach dem Facharzt
Vier Zusatz-Weiterbildungen liegen in der Anästhesie besonders nahe. Welche zu dir passt, vergleicht der Beitrag Zusatz-Weiterbildung wählen.
- Intensivmedizin: 18 Monate unter Befugnis nach der Facharztanerkennung, 6 Monate aus der Facharztweiterbildung sind anrechenbar, wenn dort bereits 12 Monate Intensivmedizin abgeleistet wurden.
- Notfallmedizin: 24 Monate stationäre Weiterbildung, davon 6 Monate unter anderem in der Anästhesiologie, 80 Stunden Kurs und 50 begleitete Notarzteinsätze, von denen bis zu 25 in einem Simulationskurs erfolgen können. Einen neuen Arbeitsplatz beschreibt der Beitrag Telenotarzt.
- Spezielle Schmerztherapie: 12 Monate unter Befugnis und 80 Stunden Kurs.
- Palliativmedizin: 160 Stunden Kurs-Weiterbildung, alternativ die Klinische Palliativmedizin mit 12 Monaten.
Danach führen die Wege zur Oberärztin oder zum Oberarzt, in eine Anästhesiepraxis oder in die Leitung einer Intensivstation. Aus dem Ausland erworbene Facharztbezeichnungen erkennt die Kammer nach §§ 18 und 19 MWBO an.
Abgrenzung zu ATA, Fachpflege und Rettungsdienst
- Anästhesietechnische Assistenz: Ausbildungsberuf ohne Approbation. Aufklärung, Indikation und Therapieentscheidung bleiben ärztlich.
- Fachpflege Intensiv und Anästhesie: pflegerische Spezialisierung mit Verantwortung für den Pflegeprozess, keine ärztliche Weiterbildung.
- Notfallsanitäterin und Notfallsanitäter: arbeiten im Rettungsdienst mit Notärztinnen und Notärzten zusammen, mit eigenen, begrenzten heilkundlichen Befugnissen.
Intensivkapazitäten und Leistungsgruppen
Die Zahl der neuen Fachärztinnen und Fachärzte wächst: 2025 erkannten die Kammern 1.524 Facharztbezeichnungen in Anästhesiologie an, nach 1.458 im Jahr 2024 und 1.375 im Jahr 2023. Mit der Krankenhausreform weisen die Länder den Standorten Leistungsgruppen zu, und die Intensivmedizin ist für viele davon Mindestvoraussetzung. Wo Intensivkapazitäten gebündelt werden, verschieben sich auch die Arbeitsplätze, mehr dazu im Beitrag Krankenhausreform und Beschäftigte.
Häufige Fragen
Wie viele Narkosen muss ich bis zum Facharzt selbst durchführen?
Die Muster-Weiterbildungsordnung nennt eine Richtzahl von 1.800 Anästhesieverfahren, davon 300 bei Eingriffen im Bauchraum und 100 bei Patientinnen und Patienten ab ASA 3. Deine Landesärztekammer kann abweichen.
Welche Aufgaben übernimmt die ATA und welche bleiben bei mir?
Die Anästhesietechnische Assistenz bereitet Arbeitsplatz, Geräte und Medikamente vor und assistiert bei Einleitung, Überwachung und Ausleitung. Aufklärung, Wahl des Verfahrens und Therapieentscheidungen bleiben ärztliche Aufgabe.
Kann ich als Anästhesistin ambulant arbeiten?
Ja, Ende 2025 arbeiteten 4.651 Anästhesistinnen und Anästhesisten ambulant, etwa bei ambulanten Operationen oder in der Schmerztherapie. Die Weiterbildung verlangt 50 Anästhesien bei ambulanten Eingriffen.
Brauche ich für den Notarztdienst eine Zusatz-Weiterbildung?
Ja, dafür gibt es die Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin mit 24 Monaten stationärer Tätigkeit, 80 Stunden Kurs und 50 begleiteten Notarzteinsätzen. Die Landesrettungsdienstgesetze regeln, wer als Notärztin oder Notarzt eingesetzt wird.
Gehört Schmerztherapie zum Facharzt?
Ja, perioperative Schmerztherapie, Nervenblockaden und die Grundlagen chronischer Schmerzen gehören zur Facharztweiterbildung. Wer chronisch Schmerzkranke spezialisiert behandeln will, erwirbt die Zusatz-Weiterbildung Spezielle Schmerztherapie.
