Inhalt
HNO ist ein operatives Fach mit großem ambulantem Anteil. Vormittags stehst du bei einer Nasenscheidewandkorrektur am Tisch, nachmittags misst du in der Sprechstunde ein Audiogramm und verordnest ein Hörgerät.
Steckbrief
- Zugang
- Approbation oder Erlaubnis nach § 10 BÄO (§ 4 Abs. 1 MWBO); für die geforderten Eingriffe brauchst du Weiterbildungsstätten, an denen operiert wird
- Dauer
- 60 Monate, bis zu 12 davon außerhalb der HNO, ohne Pflichtzeit in der stationären Versorgung
- Umfang
- Richtzahlen, unter anderem je 200 audiologische und neurootologische Untersuchungen, 100 Eingriffe an Nase und Nasennebenhöhlen, 100 im Pharynx
- Rechtsgrundlage
- Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer mit der MWBO 2018 als Muster; für Hörgeräteverordnungen die Hilfsmittel-Richtlinie des G-BA
- Abschluss
- Prüfung vor einem Ausschuss der Landesärztekammer, mindestens 30 Minuten (§ 14 MWBO), danach Facharztbezeichnung HNO-Heilkunde
- Zuständige Stelle
- Landesärztekammer
- Typische Arbeitsorte
- HNO-Praxen und MVZ, Kliniken mit Kopf-Hals-Chirurgie, Belegabteilungen
Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer in der Fassung vom 03.07.2026, Gebiet Hals-Nasen-Ohrenheilkunde; abgerufen am 27.09.2026.
Untersuchungen und Eingriffe im HNO-Gebiet
Das Gebiet reicht vom Ohr bis zur vorderen und seitlichen Schädelbasis, von der Lippe bis zum oberen Teil der Speiseröhre, und schließt die Sinnesorgane der Region und ihre Hirnnerven ein. Die Weiterbildungsordnung beschreibt, was dazu im Alltag gehört:
- Untersuchung mit Mikroskop und Endoskop: Ohrmikroskopie, Rhinoskopie, Laryngoskopie und Stroboskopie, Ultraschall der Halsweichteile und Nasennebenhöhlen
- Audiologie und Gleichgewicht: Ton- und Sprachaudiometrie, otoakustische Emissionen, Neugeborenenhörscreening, Schwindeldiagnostik mit Lagerungsprüfung und Video-Kopfimpulstest
- Operationen: Paukendrainagen, Nasenscheidewand- und Nasennebenhöhlenchirurgie, Tonsillektomien, Eingriffe am Kehlkopf, Tracheotomien, Lymphknotenentfernungen
- Kopf-Hals-Tumoren: Diagnostik, operative Therapie, Nachsorge und Mitwirkung an der Systemtherapie
- Allergologie, Schlafmedizin mit Polygraphien und die Schluckdiagnostik mit der fiberendoskopischen Schluckuntersuchung (FEES)
- Versorgung mit Hörgeräten, Trachealkanülen und Stimmprothesen, Rehabilitation nach Cochlea-Implantation
Weiterbildung zwischen OP und Audiologie
Die 60 Monate verbringst du an zugelassenen Weiterbildungsstätten bei einer Ärztin oder einem Arzt mit Befugnis; ein Jahr davon darfst du in anderen Gebieten sammeln. Eine Pflichtzeit in der stationären Versorgung schreibt die Muster-Weiterbildungsordnung für HNO nicht vor. Die geforderten Operationen setzen aber Weiterbildungsstätten voraus, an denen operiert wird, also Kliniken, Belegabteilungen oder operierende Praxen. Jeder Abschnitt zählt ab drei Monaten, eine Teilzeitstelle ab der halben Wochenarbeitszeit; die Gesamtdauer wächst dann entsprechend (§ 4 MWBO).
Wie du einen Weiterbildungsplan aufstellst und Befugnisse prüfst, erklären die Beiträge Facharztweiterbildung planen und Weiterbildungsbefugnis prüfen.
| Weiterbildungsinhalt | Richtzahl |
|---|---|
| Audiologische Untersuchungsverfahren | 200 |
| Neurootologische Untersuchungsverfahren | 200 |
| Hauttests bei Allergien | 200 |
| Doppler- und Duplexsonographie der hirnversorgenden Gefäße | 200 |
| Operationen an Nase, Nasennebenhöhlen und Gesichtsweichteilen | 100 |
| Operationen im Pharynx, etwa Adenotomien und Tonsillektomien | 100 |
| Versorgung mit Trachealkanülen und Stimmprothesen | 100 |
| Operationen an Ohr, Gehörgang und Ohrmuschel | 50 |
| Eingriffe am Kehlkopf und an der Luftröhre | 50 |
| Hörgeräteversorgung und deren Überprüfung | 20 |
Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 in der Fassung vom 03.07.2026, S. 105 bis 110, abgerufen am 27.09.2026.
Hörgeräte, Hörakustik und die Hilfsmittel-Richtlinie
Ein wichtiger Teil der Praxisarbeit ist in der Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses geregelt. Die Indikation für ein Hörgerät zu Lasten der Krankenkasse umfasst die Untersuchung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für HNO-Heilkunde oder für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen mit ton- und sprachaudiometrischer Bestätigung (§ 27). Hörgeräte für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verordnen ausschließlich diese Fachärztinnen und Fachärzte (§ 28).
Nach der Anpassung durch Hörakustikerinnen und Hörakustiker prüfst du mit einer eigenen audiometrischen Untersuchung, ob das Gerät den angestrebten Verstehensgewinn bringt und ob die Messwerte übereinstimmen (§ 30). Die Weiterbildungsordnung verlangt dafür 20 Hörgeräteversorgungen mit Überprüfung.
Praxis und Belegabteilung
Ende 2025 zählte die Bundesärztekammer 6.432 berufstätige Ärztinnen und Ärzte mit der Facharztbezeichnung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 4.537 davon arbeiteten ambulant, 3.335 in eigener Niederlassung und 1.202 angestellt, 1.547 im Krankenhaus. Niedergelassene HNO-Ärztinnen und HNO-Ärzte können als Belegärztin oder Belegarzt operieren: nicht am Krankenhaus angestellt, aber berechtigt, eigene Patientinnen und Patienten dort stationär zu behandeln (§ 121 SGB V).
Im Team arbeitest du mit mehreren Berufen zusammen:
- Medizinische Fachangestellte organisieren Sprechstunde und Abrechnung und unterstützen bei Untersuchungen.
- Operationstechnische Assistenz instrumentiert im HNO-OP.
- Medizinische Technologinnen und Technologen für Funktionsdiagnostik: Funktionsdiagnostische Untersuchungen in der HNO-Heilkunde einschließlich Vorbefundung sind ihnen vorbehalten, ausgenommen einfache Funktionsprüfungen (§ 5 Abs. 3 MTBG).
- Hörakustik passt die verordneten Hörsysteme an.
- Logopädie behandelt Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen, die Weiterbildungsordnung nennt die Indikationsstellung zu logopädischer Therapie und deren Überwachung ausdrücklich.
Vier Verantwortungsstufen im TV-Ärzte
Angestellte HNO-Ärztinnen und HNO-Ärzte in kommunalen Kliniken bezahlt der TV-Ärzte/VKA nach vier Stufen der Verantwortung: von der Assistenzzeit in Entgeltgruppe I über die fachärztliche Tätigkeit in II und die Oberarztfunktion in III bis zur ständigen Vertretung der Chefärztin oder des Chefarztes in IV (§ 16 TV-Ärzte/VKA). Wer als Belegärztin oder Belegarzt operiert, ist nicht angestellt; diese Leistungen werden aus der vertragsärztlichen Gesamtvergütung bezahlt, nicht vom Krankenhaus (§ 121 Abs. 3 SGB V). Wie lange du in welcher Stufe bleibst, steht im Beitrag TV-Ärzte/VKA; Gehaltsdaten für alle Fachärztinnen und Fachärzte zeigt die Jobseite Facharzt.
Plastische Operationen und weitere Zusatzbezeichnungen
Vier Zusatz-Weiterbildungen nennen die HNO-Facharztanerkennung ausdrücklich als Zugang: Plastische und Ästhetische Operationen mit 24 Monaten unter Befugnis (offen nur für HNO sowie Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie), Medikamentöse Tumortherapie mit 12 Monaten, dazu Schlafmedizin und Allergologie. Welche zu deinem Profil passt, ordnet der Beitrag Zusatzweiterbildung wählen ein.
Danach stehen Oberarztlaufbahn, Anstellung im MVZ und Niederlassung offen; Vor- und Nachteile vergleicht der Beitrag Niederlassung oder Anstellung. Wer einen Abschluss aus dem Ausland mitbringt, findet den Weg im Beitrag Facharztanerkennung aus einem Drittstaat.
Abgrenzung zu Phoniatrie, MKG und Neurochirurgie
- Phoniatrie und Pädaudiologie: eigenes Gebiet mit ebenfalls 60 Monaten für Störungen von Hören, Stimme, Sprechen, Sprache, Kauen und Schlucken, die Pädaudiologie mit dem kindlichen Hören gehört fest dazu.
- Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie: setzt Approbation als Ärztin oder Arzt und zahnärztliches Staatsexamen voraus, Schwerpunkt Kiefer, Zähne und Gesichtsschädel.
- Neurochirurgie: Operationen an Gehirn, Rückenmark und Nerven. An der Schädelbasis berühren sich beide Gebiete, die HNO-Weiterbildung nennt Eingriffe an der frontalen Schädelbasis.
Häufige Fragen
Wie operativ ist die HNO-Heilkunde?
Sehr operativ: Die Weiterbildungsordnung verlangt eigene Eingriffe an Ohr, Nase, Nasennebenhöhlen, Rachen, Kehlkopf, Hals und Speicheldrüsen, dazu erste Assistenzen bei großen Tumoroperationen. Nach dem Facharzt kannst du dich aber auch auf eine konservative Praxis ohne Operationen konzentrieren.
Muss ich in der HNO-Weiterbildung stationär arbeiten?
Die Muster-Weiterbildungsordnung schreibt für HNO keine Pflichtzeit in der stationären Versorgung vor. Die geforderten Operationen kannst du aber nur an Weiterbildungsstätten sammeln, an denen operiert wird.
Wie arbeiten HNO-Praxen mit Hörakustikerinnen und Hörakustikern zusammen?
Die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt stellt die Indikation und verordnet, die Hörakustik passt an, und danach überprüft die Praxis das Ergebnis mit einer eigenen Messung (§§ 27 und 30 Hilfsmittel-Richtlinie). Eine Verordnung ist bei der Erstversorgung immer nötig, bei Folgeversorgungen in bestimmten Fällen, etwa bei Kindern, neuem Tinnitus oder an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit (§ 27 Abs. 1).
Was ist ein Belegarzt in der HNO?
Eine Belegärztin oder ein Belegarzt ist eine niedergelassene Vertragsärztin oder ein niedergelassener Vertragsarzt, die oder der eigene Patientinnen und Patienten im Krankenhaus operiert und stationär behandelt, ohne dort angestellt zu sein (§ 121 SGB V). Die Vergütung kommt nicht vom Krankenhaus.
Gehören ästhetische Eingriffe an der Nase zur HNO?
Ja, das Gebiet umfasst ausdrücklich die Behandlung von Formveränderungen der Nase; Nasenseptumkorrekturen und Eingriffe an der äußeren Nase gehören zur Weiterbildung. Für die Vertiefung gibt es die Zusatz-Weiterbildung Plastische und Ästhetische Operationen mit 24 Monaten unter Befugnis.
