Inhalt
Du behandelst selten selbst Patientinnen und Patienten, aber deine Entscheidungen betreffen jede Station. Ein Ausbruch mit multiresistenten Erregern, eine Legionellenmeldung aus dem Trinkwasser oder der Neubau eines OP-Trakts landen auf deinem Tisch.
Steckbrief
- Zugang
- Approbation als Ärztin oder Arzt oder eine Berufserlaubnis nach der Bundesärzteordnung (§ 4 Abs. 1 MWBO); klinische Vorerfahrung ist nicht vorgeschrieben
- Dauer
- Mindestens 48 Monate unter Befugnis, davon bis zu 12 Monate in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung oder in Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie anrechenbar
- Umfang
- Richtzahlen, unter anderem 25 Krankenhaus- und Praxisbegehungen, 100 Bewertungen der Surveillance nosokomialer Infektionen, 50 umwelthygienische Probenanalysen
- Rechtsgrundlage
- Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer nach der Muster-Weiterbildungsordnung 2018; für die Tätigkeit § 23 IfSG und die Hygieneverordnungen der Länder
- Abschluss
- Prüfung bei der Landesärztekammer, mindestens 30 Minuten (§ 14 MWBO); die Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Krankenhaushygiene sind eingeschlossen
- Zuständige Stelle
- Landesärztekammer
- Typische Arbeitsorte
- Krankenhaushygiene in Kliniken, Hygieneinstitute an Universitäten, Gesundheitsämter und Landesbehörden
Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer in der Fassung vom 03.07.2026, Gebiet Hygiene und Umweltmedizin; abgerufen am 27.09.2026.
Krankenhaushygiene und Ausbruchsmanagement
Die Weiterbildungsordnung beschreibt das Gebiet in diesen Feldern, die sich im Alltag mischen:
- Krankenhaushygiene: Begehungen von OP, Intensivstation, Neonatologie und Funktionsbereichen, Hygienepläne, Hygieneaudits, Schulung des Personals, Bewertung von Baumaßnahmen und raumlufttechnischen Anlagen, Überwachung der Aufbereitung von Medizinprodukten
- Surveillance und Ausbruchsmanagement: Erfassung nosokomialer Infektionen und multiresistenter Erreger, Typisierung zur Aufklärung von Infektionsketten, Leitung von Ausbruchsteams, Antibiotic Stewardship mit der Auswertung des Antiinfektivaverbrauchs
- Umwelthygiene und Umweltmedizin: Trinkwasser, Badewasser, Abwasser, Innenraum- und Außenluft, Lärm, Lebensmittel, Human-Biomonitoring, umweltmedizinische Anamnese und Gutachten
- Individualhygiene und Prävention: Impfstrategien, Reisemedizin, Beratung besonders empfänglicher Menschen, etwa Immunsupprimierter
Weiterbildung in 48 Monaten
Mit 48 Monaten ist die Weiterbildung kürzer als in den meisten klinischen Gebieten. Bis zu 12 Monate kannst du in der Patientenversorgung oder in der Mikrobiologie verbringen, der Rest findet unter Befugnis in einer Weiterbildungsstätte für Hygiene und Umweltmedizin statt, etwa in einem Hygieneinstitut oder einer großen Krankenhaushygiene. Die Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Krankenhaushygiene sind in dieser Facharztweiterbildung bereits enthalten.
| Weiterbildungsinhalt | Richtzahl |
|---|---|
| Krankenhaus- und Praxisbegehungen mit hygienischer Bewertung | 25 |
| davon Operationssaal, Intensivmedizin und Funktionsbereiche | je 5 |
| Überwachung und Risikoanalyse in Krankenhausbereichen einschließlich technischer Anlagen | 10 |
| Beurteilung von Baumaßnahmen und Betrieb medizinischer Einrichtungen | 10 |
| Hygieneaudits mit Delta-Analyse | 5 |
| Probenanalyse mit hygienischer und umweltmedizinischer Bewertung | 50 |
Quelle: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 in der Fassung vom 03.07.2026, S. 120 bis 125, abgerufen am 27.09.2026.
Infektionsschutzgesetz, Landesverordnungen und KRINKO
Die Leitungen von Krankenhäusern, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Dialyseeinrichtungen, Arztpraxen und weiteren Einrichtungen müssen sicherstellen, dass nosokomiale Infektionen nach dem Stand der Wissenschaft verhütet werden (§ 23 Abs. 3 IfSG). Dieser Stand wird vermutet, wenn die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) und der Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie beachtet sind. Krankenhäuser müssen nosokomiale Infektionen, Erreger mit Multiresistenzen und den Antibiotikaverbrauch fortlaufend erfassen und bewerten (§ 23 Abs. 4).
Die personelle Ausstattung mit Hygienefachkräften, Krankenhaushygienikerinnen und Krankenhaushygienikern und die Bestellung hygienebeauftragter Ärztinnen und Ärzte regeln die Länder in eigenen Hygieneverordnungen (§ 23 Abs. 8 IfSG). Krankenhäuser und andere Einrichtungen nach § 23 Abs. 5 unterliegen der infektionshygienischen Überwachung durch das Gesundheitsamt (§ 23 Abs. 6).
Die KRINKO-Empfehlung von 2023 berechnet den Bedarf nach dem Infektionsrisiko der Betten: eine Krankenhaushygienikerin oder ein Krankenhaushygieniker je 1.000 Betten mit hohem, je 2.000 mit mittlerem und je 5.000 mit niedrigem Risiko. Funktionsabteilungen und die Komplexität großer Kliniken erhöhen den Bedarf. Für Kliniken der Maximalversorgung wie Universitätskliniken empfiehlt sie, die Krankenhaushygiene einschließlich Stellvertretung mit Fachärztinnen oder Fachärzten für Hygiene und Umweltmedizin oder Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zu besetzen.
Das Hygieneteam und die Arbeitsorte
Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer waren Ende 2025 bundesweit 268 Ärztinnen und Ärzte mit einer Gebietsbezeichnung in der Hygiene berufstätig: 137 im Krankenhaus, 46 bei Behörden und Körperschaften, davon 22 im Gesundheitsamt, 23 ambulant und 62 in sonstigen Bereichen. Weil es zu wenige Fachärztinnen und Fachärzte gibt, haben sich Fachgesellschaften und Bundesärztekammer laut KRINKO auf eine zusätzliche Qualifizierung verständigt, die heute als Zusatz-Weiterbildung besteht. Das Hygieneteam einer Klinik setzt sich deshalb so zusammen:
- Krankenhaushygienikerinnen und Krankenhaushygieniker: Fachärztinnen und Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin oder Mikrobiologie, oder Fachärztinnen und Fachärzte eines klinischen Gebiets mit der Zusatz-Weiterbildung Krankenhaushygiene, die 200 Kursstunden und eine Zeit unter Befugnis verlangt.
- Hygienebeauftragte Ärztinnen und Ärzte: in ihrem Gebiet Fachärztin oder Facharzt oder mindestens zwei Jahre in Weiterbildung und in ihrer Klinik weisungsbefugt. Sie sind das Bindeglied zwischen Behandlungs- und Hygieneteam.
- Hygienefachkräfte: Pflegefachpersonen mit Fachweiterbildung nach Landesrecht; die KRINKO rechnet mit einer Vollzeitkraft je 100, 200 oder 500 Betten je nach Risiko. Den Weg beschreibt der Beitrag Hygienefachkraft: Weiterbildung und KRINKO.
- Hygienebeauftragte in der Pflege: erfahrene Pflegekräfte auf der Station; für Krankenhäuser empfiehlt die KRINKO eine Fortbildung von 40 Stunden nach dem Curriculum der Fachgesellschaft.
Im Gesundheitsamt arbeitest du mit Hygienekontrolleurinnen und Hygienekontrolleuren zusammen, die Einrichtungen begehen und Wasserproben nehmen. Wege in den öffentlichen Dienst beschreibt der Beitrag Berufe im Gesundheitsamt.
Tarif hängt vom Arbeitsort ab
Welcher Tarif gilt, hängt vom Arbeitsort ab. Kommunale Kliniken zahlen nach dem TV-Ärzte/VKA mit vier funktionsbezogenen Entgeltgruppen (§ 16 TV-Ärzte/VKA), Universitätskliniken mit ihren Hygieneinstituten meist nach dem TV-Ärzte der Länder, und im Gesundheitsamt arbeitest du nach TVöD oder als Beamtin oder Beamter des Landes. Wie viel Fachärztinnen und Fachärzte verdienen, zeigt die Jobseite Facharzt, die Werte für die Pflege im Hygieneteam die Jobseite Hygienefachkraft.
Abgrenzung zu Mikrobiologie, ÖGD und Hygienefachberufen
- Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie: 60 Monate, Schwerpunkt Erregerdiagnostik im Labor. Auch sie qualifiziert nach KRINKO voll für die Krankenhaushygiene.
- Öffentliches Gesundheitswesen: 54 Monate, davon 18 im Gesundheitsamt, mit Leitung, Gesundheitsschutz und Sozialmedizin statt Laborarbeit.
- Hygienekontrolleurin und Hygienekontrolleur: nichtärztlicher Beruf nach Landesrecht, überwacht im Auftrag des Gesundheitsamts.
- Hygienefachkraft: pflegerische Fachweiterbildung, arbeitet in der Klinik im Team der Krankenhaushygiene und setzt Maßnahmen auf den Stationen um.
Häufige Fragen
Wer darf als Krankenhaushygienikerin oder Krankenhaushygieniker arbeiten?
Voll qualifiziert sind nach der KRINKO Fachärztinnen und Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin oder für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Daneben arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte klinischer Gebiete mit der Zusatz-Weiterbildung Krankenhaushygiene in der Funktion; welche Qualifikation Pflicht ist, regelt die Hygieneverordnung deines Landes.
Welches Hygienepersonal muss ein Krankenhaus vorhalten?
Welches genau, legen die Hygieneverordnungen der Länder nach § 23 Abs. 8 IfSG fest. Die KRINKO empfiehlt Krankenhaushygienikerinnen und -hygieniker, Hygienefachkräfte, hygienebeauftragte Ärztinnen und Ärzte und Hygienebeauftragte in der Pflege und berechnet den Bedarf nach Risiko und Bettenzahl.
Wie unterscheiden sich Hygienefachkraft, Hygienekontrolleur und Krankenhaushygieniker?
Krankenhaushygienikerinnen und Krankenhaushygieniker sind Ärztinnen und Ärzte und leiten fachlich die Krankenhaushygiene, Hygienefachkräfte sind Pflegefachpersonen mit Fachweiterbildung und arbeiten ebenfalls in der Klinik. Hygienekontrolleurinnen und Hygienekontrolleure arbeiten im Gesundheitsamt und überwachen Einrichtungen von außen.
Wo arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin außer in Kliniken?
In Gesundheitsämtern und Landesbehörden, in Hygieneinstituten an Universitäten und in Laboren für Wasser- und Umwelthygiene. Die Ärztestatistik zählt knapp die Hälfte der berufstätigen Hygienikerinnen und Hygieniker außerhalb des Krankenhauses.
Muss ich vorher klinisch gearbeitet haben?
Nein, die Muster-Weiterbildungsordnung schreibt keine klinische Pflichtzeit vor, erlaubt aber die Anrechnung von bis zu 12 Monaten aus der Patientenversorgung oder der Mikrobiologie. Zur Weiterbildung gehört trotzdem die Beratung zu hygienischen Aspekten bei medizinischen und pflegerischen Maßnahmen.
