Inhalt
Du arbeitest nicht am Patientenbett, aber ohne saubere Abrechnung wird keine Behandlung bezahlt. Der Beruf passt zu Menschen, die Zahlen und Regeln mögen und trotzdem wissen wollen, wofür sie rechnen.
Steckbrief
- Zugang
- Keine Schulbildung vorgeschrieben, Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb des Gesundheitswesens
- Dauer
- 3 Jahre (§ 2 KflDiAusbV)
- Umfang
- Je 18 Monate gemeinsame kaufmännische und berufsspezifische Inhalte (§ 3 KflDiAusbV), 880 Stunden Berufsschule nach Rahmenlehrplan
- Rechtsgrundlage
- KflDiAusbV vom 25. Juni 2001, zuletzt geändert 2016; Rahmenlehrplan der KMK vom 11. Mai 2001
- Abschluss
- Zwischenprüfung im zweiten Jahr und Abschlussprüfung mit drei schriftlichen Bereichen und fallbezogenem Fachgespräch (§§ 8 und 9 KflDiAusbV)
- Typische Arbeitsorte
- Krankenhäuser, Krankenkassen, Pflege- und Reha-Einrichtungen, MVZ und Praxisverbünde
Quelle: KflDiAusbV im Wortlaut, gesetze-im-internet.de; KMK-Rahmenlehrplan; BIBB-Berufesuche; abgerufen am 27.09.2026.
Aufgaben in Abrechnung, Verwaltung und Steuerung
Die Ausbildungsordnung nennt als berufsspezifische Inhalte Organisation und Rechtsfragen des Gesundheits- und Sozialwesens, medizinische Dokumentation und Datenschutz, Materialwirtschaft, Marketing, Finanz- und Rechnungswesen mit Leistungsabrechnung und Qualitätsmanagement (§ 4 KflDiAusbV). Im Alltag sieht das je nach Einsatz so aus:
- Patientenaufnahme und Patientenverwaltung: Aufnahme, Kostenübernahme klären, Daten für die Abrechnung vollständig erfassen
- Leistungsabrechnung: im Krankenhaus nach dem pauschalierenden Entgeltsystem des § 17b KHG, in der ambulanten Versorgung nach Bewertungsmaßstäben und Gebührenordnungen wie dem EBM für Kassenpatienten und der GOÄ für Privatversicherte
- Einkauf und Materialwirtschaft: Bestellungen, Lieferantenvergleiche, Lagerhaltung
- Controlling und Berichtswesen: Kostenstellen auswerten, Berichte für die Leitung erstellen
- Personalwirtschaft, Marketing und Qualitätsmanagement
Lernorte Betrieb und Berufsschule
Die Ausbildung ist dual: Im Betrieb lernst du nach einem Ausbildungsplan, der auf dem Ausbildungsrahmenplan beruht, in der Berufsschule nach dem Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz. Die Ausbildungsordnung wurde seit 2001 nicht neu gefasst; das BIBB führt weiterhin die Verordnung vom 25. Juni 2001. Die Hälfte der Ausbildung teilst du mit dem Ausbildungsberuf Veranstaltungskaufmann und Veranstaltungskauffrau, die andere Hälfte ist gesundheitsspezifisch.
Die gemeinsamen 18 Monate umfassen den Ausbildungsbetrieb mit Arbeits- und Sozialrecht, Arbeitsschutz und Qualitätsmanagement, Geschäfts- und Leistungsprozesse, Information und Kommunikation, Marketing und Verkauf, kaufmännische Steuerung mit Rechnungswesen, Kosten- und Leistungsrechnung, Controlling und Finanzierung sowie Personalwirtschaft (§ 4 Nr. 1 bis 6 KflDiAusbV). Im Lernfeld Dienstleistungen abrechnen vergleichst du die Abrechnungssysteme ambulanter, stationärer und teilstationärer Einrichtungen, führst Beispielabrechnungen durch, buchst sie und lernst die Finanzierungsleistungen von Kranken-, Pflege-, Renten- und Unfallversicherung kennen.
| Prüfungsbereich | Form und Zeit |
|---|---|
| Gesundheitswesen | schriftlich, höchstens 120 Minuten, doppelt gewichtet |
| Geschäfts- und Leistungsprozesse in Einrichtungen des Gesundheitswesens | schriftlich, höchstens 150 Minuten |
| Wirtschafts- und Sozialkunde | schriftlich, höchstens 90 Minuten |
| Fallbezogenes Fachgespräch | mündlich, höchstens 15 Minuten Vorbereitung und 20 Minuten Gespräch, doppelt gewichtet |
Quelle: § 9 KflDiAusbV, abgerufen am 27.09.2026.
Die Zwischenprüfung in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres dauert höchstens 180 Minuten und prüft Leistungsprozesse im Gesundheitswesen, Rechnungswesen sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (§ 8). Es handelt sich um die klassische Form mit Zwischen- und Abschlussprüfung, nicht um eine gestreckte Abschlussprüfung. In der Berufsschule stehen 880 Stunden in elf Lernfeldern an, darunter Dienstleistungen dokumentieren und Dienstleistungen abrechnen im zweiten Jahr sowie personalwirtschaftliche Aufgaben und Investitionen finanzieren im dritten.
Schweigepflicht und Datenschutz
Wer in Aufnahme oder Abrechnung arbeitet, sieht Diagnosen, Behandlungen und Versicherungsdaten. Auch als kaufmännische Kraft bist du an die Schweigepflicht gebunden: Wer ein fremdes Geheimnis unbefugt offenbart, das ihm als mitwirkende Person bei einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen Berufsgeheimnisträgerin bekannt geworden ist, macht sich strafbar (§ 203 Abs. 4 StGB). Die Ausbildungsordnung führt medizinische Dokumentation und Datenschutz deshalb als eigenen Ausbildungsinhalt. Was das im Alltag bedeutet, erklärt der Beitrag Schweigepflicht für Beschäftigte.
Klinikverwaltung oder Krankenkasse
Im Krankenhaus arbeitest du in Patientenaufnahme, Abrechnung, Einkauf, Controlling oder Personalabteilung. Bei einer Krankenkasse wechselst du die Seite und prüfst oder bezahlst Leistungen; das Bundesamt für Soziale Sicherung stellt für Auszubildende bei Krankenkassen in seinem Bereich eigene Prüfungshinweise bereit. Welche Stellen es bei Kassen und beim Medizinischen Dienst gibt, beschreibt der Beitrag Jobs bei Krankenkasse und Medizinischem Dienst.
In Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen, MVZ und Praxisverbünden ist die Verwaltung kleiner, und du übernimmst oft mehrere Bereiche zugleich. Wie breit du die Ausbildung erlebst, hängt deshalb stark vom Betrieb und seinem Ausbildungsplan ab.
Allgemeine Merkmale im TVöD, eigene Kassentarife
In kommunalen Kliniken gilt der TVöD, in dem kaufmännische Beschäftigte nach den allgemeinen Tätigkeitsmerkmalen der Entgeltordnung eingruppiert werden, bei Krankenkassen eigene Tarifverträge der Kassenarten, bei kirchlichen Trägern die Arbeitsvertragsrichtlinien. Gehaltsdaten nach Ländern stehen auf der Jobseite, die Ausbildungsvergütung vergleicht der Beitrag Ausbildungsvergütung in Gesundheitsberufen.
Fachwirt, Kodierung, Medizincontrolling oder Studium
Der klassische Aufstieg ist die Fortbildung zur Fachwirtin oder zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen, eine IHK-Prüfung, für die das Aufstiegs-BAföG gezahlt werden kann. Wer in der Abrechnung tiefer einsteigen will, bildet sich zur Klinischen Kodierfachkraft weiter oder wechselt ins Medizincontrolling.
Mit Hochschulzugangsberechtigung führen Studiengänge im Gesundheitsmanagement oder in der Gesundheitsökonomie weiter, dazu das Berufsbild Gesundheitsökonomie. Leitungsfunktionen in der Klinikverwaltung beschreibt das Berufsbild Verwaltung und Management.
Abgrenzung zu MFA und Fachangestellten der Sozialversicherung
- Medizinische Fachangestellte: arbeiten in der Arztpraxis auch medizinisch, etwa bei Untersuchungen, Blutentnahmen und Assistenz, mit kaufmännischen Anteilen in Praxisorganisation und Abrechnung. Zuständig ist die Ärztekammer.
- Sozialversicherungsfachangestellte: eigene Ausbildung in der Sozialversicherung mit Schwerpunkt Versicherungs- und Leistungsrecht einer Kasse, weniger Betriebswirtschaft eines Leistungserbringers.
- Medizinische Dokumentation: Schwerpunkt Datenqualität, Klassifikationen und Register statt kaufmännischer Steuerung.
Rahmenlehrplan von 2001 ohne Neuordnung
Der Rahmenlehrplan stammt aus dem Jahr 2001 und nennt bei den Abrechnungsinhalten noch Pflegestufen, die in der Pflegeversicherung längst durch fünf Pflegegrade ersetzt sind (§ 15 SGB XI). Eine Neuordnung der Ausbildungsordnung hat das BIBB bislang nicht veröffentlicht; die Berufesuche führt weiter die Verordnung von 2001.
Häufige Fragen
Was machen Kaufleute im Gesundheitswesen im Krankenhaus?
Sie arbeiten in Patientenaufnahme, Leistungsabrechnung, Einkauf, Controlling, Personalabteilung oder Qualitätsmanagement. In der Abrechnung übertragen sie die dokumentierten Leistungen in Rechnungen an Krankenkassen und Privatversicherte.
Welche Abrechnungssysteme muss ich kennen?
Im Krankenhaus das pauschalierende Entgeltsystem nach § 17b KHG, in der ambulanten Versorgung den Einheitlichen Bewertungsmaßstab für gesetzlich Versicherte und die Gebührenordnung für Ärzte für Privatpatienten. Dazu kommen Abrechnungsregeln in Reha und Pflege, die im Rahmenlehrplan im Lernfeld Dienstleistungen abrechnen stehen.
Kann ich mich zur Kodierfachkraft weiterbilden?
Ja, die Klinische Kodierfachkraft ist eine Weiterbildung ohne staatliche Regelung, die auch Kaufleuten im Gesundheitswesen offensteht. Die Abrechnungsinhalte der Ausbildung sind dafür eine gute Grundlage, medizinische Terminologie kommt dazu.
Was unterscheidet die Ausbildung von der MFA-Ausbildung?
Die Ausbildung zur MFA findet in der Arztpraxis statt und enthält medizinische Assistenz, zuständig ist die Ärztekammer. Kaufleute im Gesundheitswesen lernen kaufmännische und verwaltende Inhalte ohne medizinische Assistenz und arbeiten in Einrichtungen aller Art und bei Kostenträgern.
Gibt es eine gestreckte Abschlussprüfung?
Nein, die Ausbildungsordnung sieht eine Zwischenprüfung in der Mitte des zweiten Jahres und eine Abschlussprüfung am Ende vor (§§ 8 und 9 KflDiAusbV). Die Zwischenprüfung zählt nicht zum Endergebnis.
