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Medizininformatik studieren

Das Studium, die Aufgaben in Klinik und Industrie und die Rolle, die Gesundheitsdaten in der Medizinischen Informatik spielen.

Medizininformatikerinnen und Medizininformatiker entwickeln und betreiben die IT-Systeme, mit denen Kliniken, Praxen, Kassen und Forschung Gesundheitsdaten verarbeiten. In den Beruf führt in der Regel ein Bachelor- oder Masterstudium der Medizinischen Informatik, das die Hochschulen nach Landesrecht anbieten. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt; der rechtliche Rahmen ergibt sich aus Datenschutz, Gesundheitsdatennutzungsgesetz, Telematikinfrastruktur und KI-Verordnung.

Inhalt

Das Fach verbindet Informatik mit Medizin, Biologie und Management. Ob du später ein Krankenhausinformationssystem betreust, an Schnittstellen zwischen Systemen arbeitest oder Forschungsdaten aufbereitest, entscheidet sich oft schon mit den Wahlmodulen im Studium.

Steckbrief

Zugang
Studienberechtigung nach Landesrecht, für den Master ein einschlägiger Bachelor
Dauer
Bachelor 6 oder 7 Semester, Master 4 Semester, je nach Hochschule
Abschluss
Bachelor of Science, Master of Science
Rechtsgrundlage
Landeshochschulrecht und die Prüfungsordnung deiner Hochschule; für die Arbeit GDNG, SGB V und KI-Verordnung
Zuständige Stelle
Die jeweilige Hochschule
Typische Arbeitsorte
Universitätskliniken und Krankenhäuser, Softwarehersteller, Krankenkassen, Forschungseinrichtungen, Behörden

Quelle: Studiengangsangaben der OTH Regensburg, der Universität Augsburg und der Universität zu Lübeck, abgerufen am 27.09.2026.

Schnittstellen und Daten im Klinikbetrieb

Im Krankenhaus sorgst du dafür, dass Aufnahme, Labor, Radiologie, Pflege und Abrechnung auf dieselben Daten zugreifen: Du richtest das Krankenhausinformationssystem ein, baust Schnittstellen zu Geräten und Subsystemen, pflegst Kataloge und klärst mit den Fachabteilungen, was die Software können muss. Beim Hersteller entwickelst du diese Systeme; in der Forschung bereitest du Versorgungsdaten so auf, dass sie standortübergreifend ausgewertet werden können.

Typische Aufgaben sind:

  • Einführung und Betrieb von Krankenhausinformationssystemen, Praxissoftware und Subsystemen
  • Interoperabilität: Datenformate und Schnittstellen, damit Befunde, Arztbriefe und Laborwerte zwischen Systemen fließen
  • Anbindung an die Telematikinfrastruktur mit elektronischer Patientenakte, eAU und KIM
  • Forschungsdatenmanagement, Pseudonymisierung und Rechte- und Rollenkonzepte
  • Medizinische Bildverarbeitung, Datenanalyse und KI-Anwendungen, einschließlich ihrer Bewertung im Alltag

Aufbau des Studiums an drei Beispielen

Eine bundesweit einheitliche Ausbildungsordnung gibt es nicht; jede Hochschule legt Inhalte und Dauer selbst fest. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das aussieht:

Aufbau des Studiums an drei Beispielen
HochschuleAbschluss und DauerBesonderheit
OTH RegensburgBachelor of Science, 7 SemesterPraxissemester von 16 Wochen im 5. Semester, Kooperation mit der Medizinischen Fakultät der Universität Regensburg, zulassungsfrei
Universität AugsburgBachelor of Science, 6 SemesterInformatik mit Wahlbereichen etwa in biomedizinischer Datenanalyse, medizinischer Bildverarbeitung und Gesundheits-IT, zulassungsfrei
Universität zu LübeckMaster of Science, 4 Semester, 120 ECTSSchwerpunkte KI und Medical Data Science, im 3. Semester zwei Projektpraktika mit zusammen 24 ECTS

Quelle: Studiengangsseiten der Hochschulen, abgerufen am 27.09.2026.

Beim Vergleich hilft das Modulhandbuch weiter: Wie groß ist der Anteil an Informatik, Medizin und Statistik, gibt es ein Praxissemester, und mit welchen Kliniken arbeitet die Hochschule zusammen? Wer aus Pflege, MFA oder Dokumentation kommt, braucht für ein Studium die Hochschulzugangsberechtigung; die Länder eröffnen beruflich Qualifizierten dafür eigene Wege.

Gesundheitsdaten, TI und KI im Recht

Seit März 2024 regelt das Gesundheitsdatennutzungsgesetz, wie Gesundheitsdaten für Forschung genutzt werden. Gesundheitseinrichtungen dürfen danach ihre rechtmäßig gespeicherten Versorgungsdaten für Qualitätssicherung, Patientensicherheit, Forschung und Statistik weiterverarbeiten. Die Daten sind zu pseudonymisieren und, sobald möglich, zu anonymisieren; ein Rechte- und Rollenkonzept muss sicherstellen, dass nur Befugte zugreifen und Zugriffe protokolliert werden, und nach spätestens 30 Jahren wird gelöscht (§ 6 GDNG). Diese Konzepte umzusetzen ist klassische Arbeit der Medizinischen Informatik.

Wer KI-Systeme in einer Einrichtung einsetzt, muss nach Art. 4 der KI-Verordnung Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz des Personals zu fördern; mehr dazu im Beitrag KI-Kompetenz nach Art. 4 KI-Verordnung. Für die Arbeit an Praxis- und Kliniksystemen sind außerdem die Pflichtanwendungen der Telematikinfrastruktur maßgeblich, erklärt im Beitrag TI und KIM im Praxisalltag.

Uniklinik, Hersteller oder Krankenkasse

  • Universitätsklinikum: Betrieb der Kliniksysteme und Forschungsinfrastruktur. Über die Medizininformatik-Initiative, die das Bundesforschungsministerium mit mehr als 400 Millionen Euro in zwei Phasen von 2018 bis 2026 fördert, sind an Universitätskliniken Datenintegrationszentren entstanden, die Versorgungs- und Forschungsdaten standortübergreifend nutzbar machen.
  • Krankenhaus ohne Forschung: Schwerpunkt auf Betrieb, Einführung neuer Module und Anwenderbetreuung.
  • Softwarehersteller: Produktentwicklung, Beratung und Einführung bei Kliniken und Praxen.
  • Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen und Behörden: Datenanalyse, digitale Versorgungsangebote und Verwaltung großer Datenbestände.

Eigene IT-Merkmale in der Entgeltordnung

Im TVöD der Kommunen gelten für die Informations- und Kommunikationstechnik eigene Merkmale (Entgeltordnung VKA, Teil A Abschnitt II Ziffer 2). Beschäftigte mit einschlägiger abgeschlossener Hochschulbildung, als Beispiel nennt der Tarif die Fachrichtung Informatik, und entsprechender Tätigkeit sind in Entgeltgruppe 10 eingruppiert. Mit abgeschlossener wissenschaftlicher Hochschulbildung, in der Regel einem Master oder Universitätsdiplom, und entsprechender Tätigkeit gilt Entgeltgruppe 13. In der Industrie wird frei oder nach Branchentarif verhandelt. Die Marktwerte stehen auf der Jobseite Medizininformatik.

Zertifikat und Aufstieg

Die Gesellschaft für Informatik, der Berufsverband Medizinischer Informatiker und die GMDS vergeben gemeinsam das Zertifikat Medizinische Informatik. Es qualifiziert nach Angaben der GMDS für leitende Positionen und verbindet Kompetenzen aus Informatik, Medizin und Management. Leitungsfunktionen sind etwa die Leitung einer Klinik-IT oder eines Datenintegrationszentrums.

Ärztinnen und Ärzte können außerdem die Zusatz-Weiterbildung Medizinische Informatik erwerben. Voraussetzung sind zwei Jahre Weiterbildung in einem Gebiet, dazu kommen ein Kurs von 240 Stunden und 480 Stunden Praxis in der Medizinischen Informatik oder in einer IT-Abteilung des Gesundheitswesens ((Muster-)Weiterbildungsordnung, Fassung 03.07.2026).

Abgrenzung zu KIS-Betreuung, Dokumentation und Medizintechnik

Datenintegration und KI-Verordnung

Die Förderphase der Medizininformatik-Initiative läuft bis 2026. Die Pflicht zur Befüllung der elektronischen Patientenakte gilt für Vertragsärztinnen und Vertragsärzte seit dem 1. Oktober 2025. Und Teile der KI-Verordnung werden erst in den kommenden Jahren wirksam: So gelten die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III nach der Änderung vom Juli 2026 erst ab dem 2. Dezember 2027.

Häufige Fragen

Gibt es einen Einstieg in die Medizininformatik ohne Studium?

Einen Ausbildungsberuf Medizininformatik gibt es nicht; der Weg führt in der Regel über ein Studium. Ohne Studium sind verwandte Einstiege möglich, etwa mit einer Ausbildung als Fachinformatikerin oder Fachinformatiker in der IT eines Krankenhauses oder über die KIS-Anwendungsbetreuung.

Muss ich für das Studium Medizin können?

Nein, medizinische Grundlagen werden im Studium vermittelt. An der OTH Regensburg unterrichten dafür zum Beispiel Lehrende aus Kliniken, und es gibt ein Kurzpraktikum in der Uniklinik.

Wie unterscheidet sich die Arbeit in der Uniklinik von der beim Hersteller?

In der Uniklinik betreibst du Systeme im laufenden Klinikbetrieb und arbeitest oft auch für die Forschung; beim Hersteller entwickelst du Produkte für viele Kunden. Kommunale Kliniken wenden den TVöD mit den IT-Merkmalen der Entgeltordnung an, bei Herstellern hängt das Gehalt vom Unternehmen ab.

Was verlangt das GDNG von einer Klinik, die Daten für Forschung nutzt?

Die Daten müssen pseudonymisiert und, sobald möglich, anonymisiert werden; ein Rechte- und Rollenkonzept muss Zugriffe begrenzen und protokollieren, und nach spätestens 30 Jahren wird gelöscht (§ 6 GDNG). Die Nutzung ist auf Qualitätssicherung, Patientensicherheit, Forschung und Statistik begrenzt.

Kann ich als Ärztin oder Arzt in die Medizinische Informatik wechseln?

Ja. Neben dem Quereinstieg gibt es die Zusatz-Weiterbildung Medizinische Informatik der Ärztekammern; die 480 Praxisstunden darin lassen sich durch eine Projektarbeit bei einer weiterbildungsbefugten Person ersetzen, der Kurs mit 240 Stunden dagegen nicht.

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