Inhalt
Bis Ende 2021 wurde der Beruf nach einer Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft ausgebildet, seit dem 1. Januar 2022 gilt Bundesrecht mit Ausbildungsvergütung, ohne Schulgeld (§ 36 ATA-OTA-G) und mit staatlicher Prüfung. Die Ausbildung läuft zur Hälfte gemeinsam mit der Anästhesietechnischen Assistenz, der Schwerpunkt liegt aber ganz im operativen Bereich.
Steckbrief
- Zugang
- Mittlerer Schulabschluss oder Hauptschulabschluss mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung oder mit mindestens einjähriger Pflegehelfer- oder Pflegeassistenzausbildung nach den bundesweiten Eckpunkten (§ 11 ATA-OTA-G)
- Dauer
- 3 Jahre in Vollzeit, höchstens 5 Jahre in Teilzeit (§ 12 ATA-OTA-G), Probezeit sechs Monate (§ 32)
- Umfang
- 2.100 Unterrichtsstunden und 2.500 Stunden Praxis, davon allein 480 in der Viszeralchirurgie (§ 13 ATA-OTA-G, Anlage 4 ATA-OTA-APrV)
- Rechtsgrundlage
- ATA-OTA-G mit der ATA-OTA-APrV, deren Anlage 4 die Einsätze für OTA festlegt
- Abschluss
- Staatliche Prüfung mit drei Klausuren, mündlicher Fallprüfung und praktischer Prüfung in einer realen Operation
- Zuständige Stelle
- Landesbehörde, sie erteilt die Erlaubnis nach § 2 ATA-OTA-G
- Typische Arbeitsorte
- Zentral-OP im Krankenhaus, ambulante OP-Zentren und Praxen, Endoskopie, Notaufnahme, Aufbereitung von Medizinprodukten
Quelle: §§ 2, 11 bis 13 und 32 ATA-OTA-G sowie Anlage 4 ATA-OTA-APrV (gesetze-im-internet.de), Stand 27.09.2026.
Instrumentieren und Springen im OP
Vor dem ersten Schnitt richtest du den Saal: Geräte prüfen, Siebe und Sterilgut nach dem OP-Plan bereitstellen, den Instrumententisch steril decken. Beim Eingriff stehst du entweder steril am Tisch und reichst Instrumente, zählst Tupfer und Nadeln und denkst den nächsten Schritt der Operateurin oder des Operateurs mit, oder du arbeitest als Springerin oder Springer unsteril im Saal, holst Material, bedienst Geräte und dokumentierst.
Das Gesetz beschreibt die eigenverantwortlichen Aufgaben so (§ 10 ATA-OTA-G):
- die Funktions- und Betriebsfähigkeit des OP-Bereichs herstellen
- die Arbeitsabläufe für Eingriffe vorbereiten, koordinieren und nachbereiten
- die Springertätigkeit geplant und strukturiert ausführen
- Patientinnen und Patienten im OP-Bereich betreuen, etwa bei der Lagerung, und ihren Zustand außerhalb von Aufwachraum und Intensivstation überwachen
Im Rahmen der Mitwirkung assistierst du bei Eingriffen und führst ärztlich veranlasste Maßnahmen eigenständig durch. Dazu kommen die gemeinsamen Aufgaben mit der Anästhesietechnischen Assistenz, unter anderem der Umgang mit Medizinprodukten, die Hygiene, die Aufbereitung von Instrumenten und lebenserhaltende Sofortmaßnahmen bis zum Eintreffen der Ärztin oder des Arztes (§ 8).
Stunden, Einsätze und Prüfung in der OTA-Ausbildung
Den Ausbildungsvertrag schließt du mit dem Träger der praktischen Ausbildung, einem Krankenhaus. Er zahlt eine angemessene monatliche Ausbildungsvergütung (§ 29 ATA-OTA-G). Mindestens 15 Prozent jedes Einsatzes müssen als Praxisanleitung geplant sein; bis Ende 2028 reichen 10 Prozent (§ 16). Ab dem zweiten Ausbildungsdrittel leistest du 80 bis 120 Stunden Nachtarbeit unter Aufsicht (§ 6 ATA-OTA-APrV). Wie viel das im Vergleich zu Pflege, MT-Berufen oder MFA ist, steht im Beitrag Ausbildungsvergütung im Vergleich.
| Einsatz | Stunden |
|---|---|
| Viszeralchirurgie | 480 |
| Unfallchirurgie oder Orthopädie | 480 |
| Wahlpflicht, etwa Neurochirurgie, HNO, Gefäßchirurgie oder Kinderchirurgie, mindestens 200 je Disziplin | 400 |
| Gynäkologie oder Urologie | 200 |
| Notaufnahme und Ambulanz | 200 |
| Anästhesie | 140 |
| Ambulantes Operieren | 120 |
| Pflegepraktikum | 120 |
| Endoskopie, Katheterlabor und andere interventionelle Einheiten | 120 |
| Zentrale Sterilgutversorgung | 80 |
| Orientierungseinsatz und freie Verteilung | 160 |
Quelle: ATA-OTA-APrV, Anlage 4 (OTA), Summe 2.500 Stunden.
Geprüft wirst du schriftlich in drei Klausuren von je 120 Minuten, mündlich 30 bis 45 Minuten an einer Fallsituation und praktisch in einer realen, komplexen Operation. Dort erstellst du innerhalb von 90 Minuten einen perioperativen Ablaufplan, stellst den Fall vor, führst die Maßnahmen durch und reflektierst sie im Gespräch, zusammen fünf bis sechs Stunden (§§ 28, 35 und 41 ATA-OTA-APrV).
Berufsrecht und Abgrenzung zur Pflege im OP
Geschützt ist die Berufsbezeichnung, nicht die Tätigkeit: Das ATA-OTA-Gesetz kennt keine Aufgaben, die nur OTA ausüben dürfen. Im OP arbeiten deshalb auch Pflegefachpersonen mit Fachweiterbildung für den Operationsdienst. Der Unterschied liegt im Weg: Die OTA-Ausbildung führt direkt in den OP, die Pflege über eine generalistische Ausbildung und eine anschließende Fachweiterbildung, mit dem Vorteil, auch auf Station arbeiten zu können.
Wer eine OTA-Berechtigung nach der DKG-Empfehlung oder nach den früheren Landesregelungen in Thüringen, Schleswig-Holstein oder Sachsen-Anhalt besitzt, hat die Erlaubnis kraft Gesetzes und kann eine neue Urkunde beantragen (§ 69 ATA-OTA-G).
Zentral-OP, ambulantes Operieren und Endoskopie
Nach BERUFENET arbeiten Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten in Krankenhäusern und ambulanten Operationszentren. Im Zentral-OP eines Krankenhauses wirst du je nach Haus in einem festen Fachgebiet oder rotierend eingesetzt, im ambulanten Operieren sind die Eingriffe kürzer und planbarer. Weitere Arbeitsorte sind Endoskopie, Herzkatheterlabor und die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte, deren Qualifizierungswege der Beitrag Medizinprodukteaufbereitung beschreibt. Für Schwangere gelten im OP besondere Schutzregeln, die der Beitrag Operieren in der Schwangerschaft erklärt.
Tarif und Dienste
Im TVöD der kommunalen Arbeitgeber stehen Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten mit abgeschlossener Ausbildung und entsprechender Tätigkeit in der Pflegetabelle, Entgeltgruppe P 7 (Entgeltordnung VKA, Teil B Abschnitt XI Nr. 1). Die Entgeltordnung nennt dabei noch die Ausbildung nach der DKG-Empfehlung oder nach gleichwertiger Regelung. Gearbeitet wird laut BERUFENET im Schichtdienst mit Bereitschaftsdiensten, weil auch nachts und am Wochenende operiert wird. Den Median für OTA laut Entgeltatlas, auch getrennt für mehrere Bundesländer, findest du auf der Jobseite OTA.
Praxisanleitung, OP-Leitung und Wechsel in die Anästhesie
Nach einem Jahr Berufserfahrung und einer berufspädagogischen Zusatzqualifikation von mindestens 300 Stunden kannst du Auszubildende als Praxisanleiterin oder Praxisanleiter begleiten, danach sind jährlich 24 Stunden Fortbildung Pflicht (§ 9 ATA-OTA-APrV). Mit Erfahrung kann die Leitung einer OP-Einheit oder eines Funktionsbereichs folgen. Die Weiterbildungen dafür beschreibt der Beitrag Stationsleitung: Weiterbildung nach DKG.
Wer auch in die Anästhesie wechseln will, profitiert von einer Sonderregel: Mit abgeschlossener OTA-Ausbildung verkürzt sich die Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistenz in jedem Fall um die Hälfte (§ 23 Abs. 4 ATA-OTA-G). Akademisch führen Studiengänge in Medizinpädagogik, Gesundheitsmanagement oder Physician Assistance weiter.
Abgrenzung zu ATA, OP-Fachpflege und Sterilgutversorgung
- Anästhesietechnische Assistenz: gleiche Rechtsgrundlage, Schwerpunkt Narkose, Überwachung und Aufwachraum.
- Pflegefachfrau und Pflegefachmann mit Fachweiterbildung Operationsdienst: generalistische Pflegeausbildung plus Fachweiterbildung, breiter einsetzbar.
- Fachkraft für Medizinprodukteaufbereitung: Aufbereitung und Sterilisation in der ZSVA, ohne Tätigkeit an Patientinnen und Patienten.
- Physician Assistant: Studium, übernimmt an Ärztinnen und Ärzte gebundene, delegierte Aufgaben in Klinik und Praxis.
Ausblick
Das Anerkennungsbeschleunigungsgesetz vom 22. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 225) hat auch das ATA-OTA-Gesetz geändert. Was sich für OTA mit Abschluss aus dem Ausland ändert, beschreibt der Beitrag Anerkennung in Heilberufen wird beschleunigt. Die Übergangsregel zur Praxisanleitung läuft Ende 2028 aus, danach gelten verbindlich 15 Prozent jedes Einsatzes.
Häufige Fragen
Muss ich in der OTA-Ausbildung Nachtdienste machen?
Ja, ab dem zweiten Ausbildungsdrittel sind 80 bis 120 Stunden Nachtarbeit unter unmittelbarer Aufsicht vorgeschrieben (§ 6 ATA-OTA-APrV). Für jugendliche Auszubildende gilt das nicht.
Kann ich nach der OTA-Ausbildung auch ATA werden?
Ja, und zwar verkürzt: Die Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistenz verkürzt sich für ausgebildete OTA in jedem Fall um die Hälfte (§ 23 Abs. 4 ATA-OTA-G).
Wo findet die praktische Prüfung statt?
In einer realen und komplexen operativen Situation im OP. Sie dauert insgesamt fünf bis sechs Stunden und wird von zwei Fachprüferinnen oder Fachprüfern abgenommen, von denen eine Person als Praxisanleitung tätig ist (§§ 40 und 41 ATA-OTA-APrV).
Kann ich mit einer Pflegehelferausbildung starten?
Ja, wenn du einen Hauptschulabschluss und eine mindestens einjährige Pflegehelfer- oder Pflegeassistenzausbildung hast, die die bundesweiten Eckpunkte erfüllt (§ 11 ATA-OTA-G).
Gehört die Aufbereitung von Instrumenten zur Ausbildung?
Ja, das Aufbereiten von Medizinprodukten ist gemeinsames Ausbildungsziel (§ 8 ATA-OTA-G), und 80 Stunden der praktischen Ausbildung finden in der zentralen Sterilgutversorgung statt.
