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Orthoptistin hält einem Jungen auf dem Schoß seiner Mutter eine Abdeckscheibe vor das Auge und prüft die Augenstellung.
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Orthoptik in der Augenheilkunde

Die Ausbildung zur Orthoptistin oder zum Orthoptisten, die Arbeit in der Sehschule und die Rolle im Team der Augenheilkunde.

Orthoptistinnen und Orthoptisten wirken an der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Sehstörungen mit, die ein Auge oder das Zusammenspiel beider Augen betreffen, vor allem Schielen, Sehschwäche und Augenzittern. Die Ausbildung dauert nach dem Orthoptistengesetz drei Jahre an staatlich anerkannten Schulen an Krankenhäusern und endet mit einer staatlichen Prüfung. Wer sich Orthoptistin oder Orthoptist nennen will, braucht dafür eine staatliche Erlaubnis (§ 1 OrthoptG).

Inhalt

Ein großer Teil der Arbeit findet in der Sehschule statt, oft mit Kindern, bei denen eine Sehschwäche früh erkannt und behandelt werden muss. Dazu kommen Erwachsene mit Doppelbildern nach einem Schlaganfall oder einer Augenmuskellähmung und Untersuchungen des Gesichtsfelds in der Neuroophthalmologie.

Steckbrief

Zugang
Mittlerer Schulabschluss, erweiterter Hauptschulabschluss nach zehn Schuljahren oder Hauptschulabschluss mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung, dazu gesundheitliche Eignung (§ 5 OrthoptG)
Dauer
3 Jahre (§ 4 OrthoptG)
Umfang
mindestens 1.700 Stunden Unterricht und 2.800 Stunden praktische Ausbildung (Anlagen 1 und 2 OrthoptAPrV)
Rechtsgrundlage
Orthoptistengesetz und OrthoptAPrV mit den Anlagen 1 und 2
Abschluss
Staatliche Prüfung mit zwei Klausuren, mündlicher Prüfung in acht Fächern und praktischer Untersuchung, danach Erlaubnis nach § 1 OrthoptG
Zuständige Stelle
Die zuständige Behörde des Landes, in dem die Prüfung abgelegt wurde (§ 9 OrthoptG)
Typische Arbeitsorte
Universitätskliniken mit Abteilungen für Pleoptik und Orthoptik, Krankenhäuser mit augenärztlicher Abteilung, Augenarztpraxen

Quelle: §§ 1, 4, 5, 9 OrthoptG und Anlagen 1, 2 OrthoptAPrV (gesetze-im-internet.de), Abruf 27.09.2026.

Sehschule, Schielbehandlung und Neuroophthalmologie

Ein Vormittag in der Sehschule kann mit einem Kleinkind beginnen, das auf einem Auge schlechter sieht. Du prüfst Sehschärfe, Stellung und Beweglichkeit der Augen und das beidäugige Sehen, oft spielerisch mit Bildertafeln und Stereotests, und besprichst mit den Eltern, wie lange und wie oft das bessere Auge abgeklebt werden soll. Die ärztliche Diagnose und die Therapieentscheidung liegen bei der Augenärztin oder dem Augenarzt; du lieferst die orthoptischen Befunde und führst die Behandlung durch.

Die Entgeltordnung der kommunalen Arbeitgeber nennt typische anspruchsvolle Aufgaben des Berufs, die zeigen, wie breit er ist:

  • orthoptische Untersuchungen bei Säuglingen, Kleinkindern und Menschen mit geistiger Behinderung, die schielen oder ein Augenzittern haben
  • Untersuchungen zur Vorbereitung von Schieloperationen und Mitwirkung bei der Dosierung der Operationsstrecken
  • Messungen bei Doppelbildern und Anpassung von Prismenbrillen
  • Untersuchung komplizierter Augenbewegungsstörungen und nystagmusbedingter Kopfzwangshaltungen
  • VEP-Messungen und neuroophthalmologische Untersuchungen bei Erkrankungen der Augenhöhle
  • Kontaktlinsenanpassung bei schwierigen Hornhautsituationen und orthoptische oder pleoptische Schulungen

Ausbildung an Schulen der Universitätsaugenkliniken

Die Ausbildung findet an staatlich anerkannten Schulen für Orthoptik statt, die an Krankenhäuser angegliedert sind (§ 4 OrthoptG). Nach Angaben des Berufsverbands Orthoptik Deutschland gehören alle Schulen zu Universitätsaugenkliniken; jede hat einen eigenen Bewerbungszeitraum und ein eigenes Aufnahmeverfahren. Du bewirbst dich also direkt bei den einzelnen Schulen.

Der Unterricht umfasst mindestens 1.700 Stunden, von allgemeiner Anatomie über Augenheilkunde, Optik und Brillenlehre bis zu Orthoptik, Pleoptik und Neuroophthalmologie. Die praktische Ausbildung von mindestens 2.800 Stunden reicht von Anamnese und Befunderhebung über Therapieplanung, Perimetrie, Gesprächsführung und Fotografie bis zur Betreuung von Menschen mit Sehbehinderung und von Kontaktlinsenträgerinnen und -trägern (Anlagen 1 und 2 OrthoptAPrV).

Ausbildung an Schulen der Universitätsaugenkliniken
TeilInhaltDauer
Schriftlichzwei Aufsichtsarbeiten: Anatomie und Physiologie der Augen sowie Augenbewegungsstörungen, Orthoptik, Pleoptik und Neuroophthalmologieje 180 Minuten
Mündlichacht Fächer, von Augenheilkunde einschließlich Arzneimitteln bis Optik und Brillenlehrebis zu 10 Minuten je Fach
PraktischUntersuchung von zwei unbekannten Patientinnen oder Patienten, für eine Person schriftlicher Befund und Behandlungsvorschlaghöchstens 3 Stunden

Quelle: OrthoptAPrV §§ 5 bis 7, abgerufen am 27.09.2026.

Anders als neuere Berufsgesetze regelt das Orthoptistengesetz von 1989 weder Ausbildungsvertrag noch Ausbildungsvergütung. Nach Angaben des Berufsverbands zahlen die meisten Schulen inzwischen eine Ausbildungsvergütung; Kosten für Fachliteratur und Arbeitsmaterial können trotzdem anfallen.

Berufsrecht

Geschützt ist die Berufsbezeichnung: Wer sich ohne Erlaubnis Orthoptistin oder Orthoptist nennt, handelt ordnungswidrig und riskiert eine Geldbuße bis 2.500 Euro (§ 10 OrthoptG). Vorbehaltene Tätigkeiten kennt das Gesetz nicht; es beschreibt aber das Ausbildungsziel als Mitwirkung bei Prävention, Diagnose und Therapie (§ 3). Du arbeitest also im ärztlichen Auftrag, in der Regel einer Augenärztin oder eines Augenarztes.

Auf die Ausbildungsdauer kann die Behörde eine andere abgeschlossene Ausbildung anrechnen, soweit sie gleichwertig ist (§ 7 OrthoptG). Abschlüsse aus dem Ausland werden auf Gleichwertigkeit geprüft; bei wesentlichen Unterschieden folgen Anpassungslehrgang oder Prüfung.

Universitätsklinik, Krankenhaus oder Augenarztpraxis

BERUFENET nennt drei Arten von Arbeitgebern:

  • Universitätsklinik mit Abteilung für Pleoptik und Orthoptik: Sehschule, Vorbereitung von Schieloperationen, Neuroophthalmologie und Forschung, im Team mit Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung.
  • Krankenhaus mit augenärztlicher Abteilung: orthoptische Untersuchungen für stationäre und ambulante Patientinnen und Patienten der Augenabteilung, auch vor Operationen.
  • Augenärztliche Praxis: Schwerpunkt auf Kindern und Vorsorge sowie Funktionsuntersuchungen, enge Zusammenarbeit mit Medizinischen Fachangestellten.

Eigene Tätigkeitsmerkmale im TVöD

Im TVöD der kommunalen Arbeitgeber haben Orthoptistinnen und Orthoptisten eigene Tätigkeitsmerkmale (Entgeltordnung VKA, Teil B Abschnitt XI Nr. 13). Mit abgeschlossener Ausbildung und entsprechender Tätigkeit beginnen sie in Entgeltgruppe 7. Wer zu einem Viertel schwierige Aufgaben erfüllt, etwa Messungen bei Doppelbildern oder die Anpassung von Prismenbrillen, steigt in 8 auf, bei schwierigen Aufgaben im Umfang von mindestens der Hälfte in 9a. Entgeltgruppe 9b erreicht, wer mindestens zur Hälfte besonders anspruchsvolle Aufgaben wie Untersuchungen bei Säuglingen oder die Vorbereitung von Schieloperationen übernimmt. Welches Gehalt der Entgeltatlas für den Beruf ausweist, steht auf der Jobseite Orthoptik.

Studium und Lehre an Orthoptikschulen

Der Berufsverband nennt als Studienwege vor allem Medizinpädagogik, in Teilzeit oder berufsbegleitend, sowie gesundheitswissenschaftliche Studiengänge. Mit einem pädagogischen Studium kannst du an einer Orthoptikschule unterrichten. Wie ein solches Studium in einem Gesundheitsberuf aufgebaut ist, zeigt am Beispiel der Pflege das Berufsbild Pflegepädagogik. Innerhalb des Berufs führt der Weg über Erfahrung in Spezialgebieten wie Neuroophthalmologie, Kinderophthalmologie oder Kontaktlinsenanpassung, die die Entgeltordnung als schwierige Aufgaben höher bewertet.

Abgrenzung zu Augenoptik, MFA und Augenheilkunde

  • Augenoptikerin und Augenoptiker: Gesundheitshandwerk nach der Handwerksordnung, fertigt und passt Brillen und Kontaktlinsen an, arbeitet im Geschäft statt im ärztlichen Auftrag.
  • Medizinische Fachangestellte in der Augenpraxis: dreijährige duale Ausbildung, organisiert die Praxis und führt delegierte Untersuchungen durch, ohne orthoptische Spezialausbildung.
  • Fachärztin und Facharzt für Augenheilkunde: stellt die Diagnose, entscheidet über die Therapie, operiert und verordnet; Orthoptistinnen und Orthoptisten arbeiten ihnen zu.

Häufige Fragen

Bekomme ich in der Ausbildung eine Vergütung?

In den meisten Fällen ja, gesetzlich vorgeschrieben ist sie aber nicht. Nach Angaben des Berufsverbands Orthoptik Deutschland zahlen die meisten Schulen eine Vergütung, Kosten für Lernmittel können dazukommen.

Arbeite ich überwiegend mit Kindern?

Kinder sind eine große Gruppe, weil Sehschwäche und Schielen früh behandelt werden. Zum Beruf gehören aber genauso Erwachsene mit Doppelbildern, Augenmuskellähmungen oder neurologischen Erkrankungen.

Brauche ich für die Prüfung einen Erste-Hilfe-Kurs?

Ja, für die Zulassung zur staatlichen Prüfung ist ein Nachweis über eine Ausbildung in Erster Hilfe vorzulegen (§ 4 Abs. 2 OrthoptAPrV).

Kann ich mit einer Ausbildung als Augenoptikerin oder MFA verkürzen?

Nur auf Antrag und nur, soweit die Inhalte gleichwertig sind (§ 7 OrthoptG). Einen festen Anspruch auf eine bestimmte Verkürzung gibt es nicht.

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