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Eine Podologin erklärt einem Patienten am Tisch an einem Fußmodell die passende Einlage, daneben liegt ihr Instrumentenset.
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Podologin oder Podologe werden

Die Ausbildung, die Behandlung des diabetischen Fußes und der Weg zur Kassenzulassung.

Podologinnen und Podologen behandeln krankhafte Veränderungen an Haut und Nägeln der Füße, vor allem beim diabetischen Fußsyndrom, und beugen Folgeschäden bis zur Amputation vor. Die Ausbildung nach dem Podologengesetz dauert in Vollzeit zwei Jahre an einer staatlich anerkannten Schule und endet mit staatlicher Prüfung. Podologin, Podologe, medizinische Fußpflegerin oder medizinischer Fußpfleger darf sich nur nennen, wer die Erlaubnis dafür hat (§ 1 PodG).

Inhalt

Der Unterschied zur kosmetischen Fußpflege ist rechtlich klar: Kosmetische Fußpflege ist kein geschützter Beruf, Podologie schon. Nur Podologinnen und Podologen mit Kassenzulassung dürfen die Podologische Therapie als Heilmittel für gesetzlich Versicherte erbringen.

Steckbrief

Zugang
Mittlerer Schulabschluss; mit Hauptschulabschluss nur nach mindestens zweijähriger Berufsausbildung, außerdem gesundheitliche Eignung (§ 5 PodG)
Dauer
zwei Jahre in Vollzeit, höchstens vier Jahre in Teilzeit (§ 4 PodG)
Umfang
mindestens 2.000 Stunden Unterricht und 1.000 Stunden praktische Ausbildung, davon mindestens 280 Stunden Klinikpraktikum unter ärztlicher Anleitung (§ 1 und Anlage 1 PodAPrV)
Rechtsgrundlage
Podologengesetz und PodAPrV; für die Kassenversorgung die Heilmittel-Richtlinie des G-BA
Abschluss
Staatliche Prüfung an der Schule, schriftlich, mündlich und praktisch, danach die Erlaubnis nach § 1 PodG
Zuständige Stelle
die zuständige Behörde des Landes, in dem die Prüfung bestanden wurde (§ 8 PodG)
Typische Arbeitsorte
podologische Praxen, podologische Abteilungen von Reha-Kliniken und Krankenhäusern, diabetische Fußambulanzen, eigene Praxis

Quelle: §§ 1, 4, 5, 8 PodG und Anlage 1 PodAPrV, gesetze-im-internet.de, Stand 27.09.2026.

Medizinische Fußbehandlung auf Verordnung

Das Podologengesetz nennt als Ausbildungsziel, allgemeine und spezielle fußpflegerische Maßnahmen nach den Regeln der Hygiene selbstständig auszuführen, krankhafte Veränderungen zu erkennen und bei der Behandlung mitzuwirken (§ 3 PodG). Im Alltag kommen die meisten Patientinnen und Patienten mit einer ärztlichen Verordnung:

  • Befund des Fußes mit Haut, Nägeln, Empfindlichkeit und Druckstellen, Dokumentation und Rücksprache mit der verordnenden Praxis
  • Abtragen krankhafter Hornhaut und Schleifen oder Fräsen verdickter Zehennägel bei diabetischem Fußsyndrom
  • Behandlung eingewachsener Nägel mit Nagelkorrekturspangen
  • Schulung zur eigenen Fuß-, Haut- und Nagelpflege und zu Verhaltensregeln gegen Verletzungen
  • Anfertigung und Anpassung podologischer Materialien und Hilfsmittel, etwa zur Druckentlastung, abgestimmt mit Orthopädieschuhtechnik und Ärzteschaft

Berufsfachschule, Praxisstunden und staatliche Prüfung

Die Ausbildung verbindet Unterricht an der Berufsfachschule mit praktischer Ausbildung an Patientinnen und Patienten. Von den 1.000 Praxisstunden müssen mindestens 280 in einem ärztlich angeleiteten Praktikum in internistischen, dermatologischen und orthopädischen Kliniken oder Ambulanzen stattfinden. Die größten Unterrichtsfächer:

Berufsfachschule, Praxisstunden und staatliche Prüfung
FachStunden
Podologische Behandlungsmaßnahmen400
Spezielle Krankheitslehre250
Podologische Materialien und Hilfsmittel200
Theoretische Grundlagen der podologischen Behandlung150
Fußpflegerische Maßnahmen150
Anatomie120
Hygiene und Mikrobiologie80
Arzneimittellehre, Material- und Warenkunde120

Quelle: Anlage 1 PodAPrV, zusammen 2.000 Stunden Unterricht, abgerufen am 27.09.2026.

Die staatliche Prüfung legst du an deiner Schule ab, mit schriftlichem, mündlichem und praktischem Teil (§ 2 PodAPrV). Eine Ausbildungsvergütung sieht das Podologengesetz nicht vor, anders als neuere Berufsgesetze. Ob Schulgeld anfällt, hängt von Schule und Land ab; einige Länder fördern die Ausbildung in den Therapieberufen, wie der Beitrag Physiotherapieausbildung: Schulgeld je Land am Beispiel der Physiotherapie zeigt.

Geschützte Bezeichnung und Heilmittel Podologie

Geschützt sind die Bezeichnungen Podologin und Podologe sowie medizinische Fußpflegerin und medizinischer Fußpfleger. Wer sie ohne Erlaubnis führt, handelt ordnungswidrig; die Geldbuße kann bis zu 2.500 Euro betragen (§ 9 PodG). Kosmetische Fußpflege bleibt ohne diese Bezeichnungen erlaubt; sie darf aber nicht als Heilmittel abgerechnet werden.

Verordnungsfähig ist die Podologische Therapie nach der Heilmittel-Richtlinie des G-BA in zwei Fällen: bei diabetischem Fußsyndrom und vergleichbaren Schädigungen, etwa bei Neuropathie infolge eines Querschnittsyndroms, sowie als Nagelspangenbehandlung bei eingewachsenen Zehennägeln (§§ 27 und 28 HeilM-RL). Voraussetzung beim diabetischen Fuß ist, dass ohne Behandlung unumkehrbare Folgeschäden drohen. Als Risikofaktoren nennt die Richtlinie etwa tiefe Hornhautverdickungen mit Einblutungen oder Rissen, ein früheres Geschwür am Fuß sowie Fußdeformitäten oder Lähmungen. Wunden und Entzündungen ab Wagner-Stadium 1 bleiben ärztliche Leistung. Wie Verordnungen aufgebaut sind, erklärt Heilmittelverordnung richtig lesen.

Praxis, Klinik und Selbstständigkeit

Die Bundesagentur für Arbeit nennt als Arbeitgeber podologische Praxen, podologische Abteilungen von Reha-Kliniken und Krankenhäusern sowie Einrichtungen mit angeschlossenem podologischem Angebot, etwa Physiotherapiepraxen oder diabetische Fußambulanzen. Hausbesuche gehören dazu, wenn die Verordnung sie vorsieht.

Die Kassenzulassung nach § 124 SGB V verlangt die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung, geeignete Räume und Ausstattung und dass du die Verträge nach § 125 SGB V anerkennst; erteilt wird sie von der Arbeitsgemeinschaft der Kassenverbände im Land. Eine Blankoverordnung gibt es für die Podologie bisher nicht.

Tarif und Bezahlung

Einen eigenen Tarifvertrag für Podologinnen und Podologen gibt es nicht. Die meisten arbeiten in Praxen, in denen das Gehalt frei vereinbart wird; wie du dabei vorgehst, beschreibt Gehalt verhandeln ohne Tarifbindung. In der Entgeltordnung zum TVöD der kommunalen Arbeitgeber ist kein eigenes Tätigkeitsmerkmal für die Podologie aufgeführt; in Kliniken richtet sich die Eingruppierung dann nach der Einordnung durch den Arbeitgeber. Welchen Wert der Entgeltatlas für die Podologie ausweist, steht auf der Jobseite Podologie.

Weiterbildung und Anerkennung

Nach der Ausbildung führen Wege in die fachliche Leitung einer Praxis oder in die eigene Praxis. Die Anforderungen an Praxis, Ausstattung und Fortbildung in der Kassenversorgung legt der Vertrag nach § 125 SGB V fest, für die Nagelspangenbehandlung regelt die Heilmittel-Richtlinie zusätzlich Zusammenarbeit und Qualitätssicherung (§ 28a HeilM-RL).

Einen Abschluss aus dem Ausland prüft die Landesbehörde auf Gleichwertigkeit. Bei wesentlichen Unterschieden gleichst du sie durch Anpassungslehrgang, Eignungs- oder Kenntnisprüfung aus (§ 2 PodG).

Abgrenzung zu Fußpflege, Schuhtechnik und Wundmanagement

  • Kosmetische Fußpflege: nicht geregelt, keine Heilmittelabrechnung, keine Behandlung von diabetischem Fußsyndrom auf Verordnung.
  • Orthopädieschuhmacherin und Orthopädieschuhmacher: Handwerksberuf für Einlagen und Schuhe, Partner bei der Druckentlastung.
  • Wundmanagement: Weiterbildung zur Versorgung chronischer Wunden, die in der Podologie ärztliche Leistung bleiben.
  • Physiotherapie: anderer Heilmittelberuf mit dreijähriger Ausbildung nach dem MPhG.

Häufige Fragen

Wie werde ich als Fußpflegerin Podologin?

Über die zweijährige Ausbildung mit staatlicher Prüfung, denn die Übergangsregeln für erfahrene Fußpflegerinnen und Fußpfleger sind längst ausgelaufen. Eine andere abgeschlossene Ausbildung kann die Behörde auf Antrag anrechnen, soweit sie gleichwertig ist (§ 6 Abs. 2 PodG).

Welche Leistungen sind verordnungsfähig?

Die Podologische Therapie bei diabetischem Fußsyndrom und vergleichbaren Schädigungen sowie die Nagelspangenbehandlung bei eingewachsenen Zehennägeln (§§ 27 und 28 HeilM-RL). Andere Fußprobleme sind keine Kassenleistung.

Wann muss die Behandlung nach der Verordnung beginnen?

Innerhalb von 28 Kalendertagen, bei dringlichem Bedarf innerhalb von 14 Kalendertagen (§ 15 HeilM-RL). Anders als in anderen Heilmittelbereichen macht eine Unterbrechung die podologische Verordnung nicht ungültig (§ 16 Abs. 4 HeilM-RL).

Darf ich offene Wunden am diabetischen Fuß behandeln?

Nein, Hautdefekte und Entzündungen ab Wagner-Stadium 1 sind ärztliche Leistung (§ 27 Abs. 3 HeilM-RL). Podologische Therapie ist nur ohne Hautulkus zulässig.

Gibt es die Podologie-Ausbildung auch in Teilzeit?

Ja, in Teilzeit dauert sie höchstens vier Jahre (§ 4 PodG). Welche Schulen Teilzeit anbieten, ist je nach Land verschieden.

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