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Eine Rechtsmedizinerin fotografiert im Labor ein Asservat unter der Reprokamera, ein Kollege dokumentiert am Laptop, auf dem Tisch liegen Spurenbeutel.
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Rechtsmedizin als Facharztweg

Die Facharztweiterbildung in der Rechtsmedizin, wo Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner arbeiten und wer mit ihnen im Team ist.

Die Rechtsmedizin setzt medizinische und naturwissenschaftliche Methoden für rechtliche Fragen ein, von der Obduktion über die Untersuchung verletzter Lebender bis zum Gutachten vor Gericht. Die Weiterbildung dauert mindestens 60 Monate, davon je 6 in Pathologie und in Psychiatrie und Psychotherapie. Gerichtliche Leichenöffnungen nehmen zwei Ärztinnen oder Ärzte vor, eine oder einer davon aus dem gerichtsärztlichen Dienst oder einem gerichtsmedizinischen oder pathologischen Institut (§ 87 StPO).

Inhalt

Mit 313 berufstätigen Fachärztinnen und Fachärzten Ende 2025 ist Rechtsmedizin eines der kleinsten ärztlichen Gebiete. Zum Alltag gehören Verstorbene ebenso wie Lebende: misshandelte Kinder, Menschen nach sexueller Gewalt und Fragen der Fahrtüchtigkeit nach Alkohol oder Drogen.

Steckbrief

Zugang
Approbation als Ärztin oder Arzt; eine vorherige Facharztanerkennung in der Pathologie ist nicht nötig (§ 4 Abs. 1 MWBO)
Dauer
mindestens 60 Monate unter Befugnis, davon 6 Monate Pathologie und 6 Monate Psychiatrie und Psychotherapie
Rechtsgrundlage
Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer; für gerichtliche Obduktionen § 87 StPO
Abschluss
Prüfung vor der Kammer, danach Fachärztin oder Facharzt für Rechtsmedizin
Zuständige Stelle
Landesärztekammer
Typische Arbeitsorte
rechtsmedizinische Institute an Universitäten, gerichtsärztlicher Dienst, Landes- und Bundeskriminalamt

Quelle: MWBO, Abschnitt B, Rechtsmedizin (Fassung vom 03.07.2026); § 87 StPO.

Obduktion, Untersuchung Lebender und Toxikologie

Die Muster-WBO umschreibt das Gebiet als Entwicklung und Anwendung medizinischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse und Methoden für rechtliche Fragestellungen; dazu kommt die Vermittlung rechtsmedizinischer, arztrechtlicher und ethischer Kenntnisse an die Ärzteschaft. Die Arbeit teilt sich in mehrere Felder:

  • Forensische Pathologie: Leichenschau, Befundaufnahme am Tat- oder Fundort, gerichtliche Obduktion mit Sektionsprotokoll und vorläufigem Gutachten
  • Klinische Rechtsmedizin: Untersuchung und Dokumentation von Verletzungen bei Lebenden, besonders bei Kindesmisshandlung und Sexualdelikten, mit Spurensicherung
  • Forensische Toxikologie und Verkehrsmedizin: Gutachten zu Alkohol, Drogen und Medikamenten, zur Fahrsicherheit und zur Schuldfähigkeit
  • Spurenkunde und Identifizierung: Einordnung molekulargenetischer Befunde, Identifizierung unbekannter Toter und Altersdiagnostik
  • Gutachten zu Behandlungsfehlervorwürfen, mündliche Gutachten vor Gericht und Lehre im Medizinstudium

Weiterbildung mit Pathologie und Psychiatrie

Von den 60 Monaten musst du 6 Monate in der Pathologie und 6 Monate in Psychiatrie und Psychotherapie ableisten; bis zu 6 weitere Monate dürfen zum Kompetenzerwerb in anderen Gebieten liegen. Die Richtzahlen zeigen, wo der Schwerpunkt liegt:

Weiterbildung mit Pathologie und Psychiatrie
WeiterbildungsinhaltRichtzahl
Beschreibung und Bewertung von Leichenschaubefunden400
Gerichtliche Obduktionen mit Sektionsprotokoll und vorläufigem Gutachten300
Histopathologische Befundung von Schnitten aus gerichtlichen Obduktionen2.000
Dokumentation und Bewertung von Befunden an Tat- und Fundorten25
Schriftliche Gutachten zur Fahrsicherheit oder Fahreignung20
Schriftliche Gutachten zu Behandlungsfehlervorwürfen10
Mündliche Gutachten bei Gericht50

Quelle: Richtzahlen Rechtsmedizin, MWBO in der Fassung vom 03.07.2026.

Wie viele Monate du an einem Institut sammeln kannst, legt dessen Befugnis fest; nachprüfen lässt sich das wie im Beitrag Weiterbildungsbefugnis prüfen beschrieben. Rechtsmedizin zählt nach § 2a Abs. 7 MWBO nicht zu den Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung. Zusatz-Weiterbildungen, die eine Facharztanerkennung in einem solchen Gebiet voraussetzen, stehen dir deshalb nicht offen.

Obduktion, Leichenschau und Spurensicherung im Recht

Die gerichtliche Leichenöffnung ordnet das Gericht an, bei Gefahr im Verzug die Staatsanwaltschaft. Vorgenommen wird sie von zwei Ärztinnen oder Ärzten, von denen eine oder einer Gerichtsärztin oder Gerichtsarzt, Leitung eines öffentlichen gerichtsmedizinischen oder pathologischen Instituts oder eine beauftragte Ärztin oder ein beauftragter Arzt des Instituts mit gerichtsmedizinischen Fachkenntnissen sein muss (§ 87 Abs. 2 und 4 StPO). Wer die verstorbene Person in der Krankheit unmittelbar vor dem Tod behandelt hat, darf die Leichenöffnung nicht übernehmen.

Die ärztliche Leichenschau vor der Bestattung regeln dagegen die Bestattungsgesetze der Länder, nicht die Strafprozessordnung. Für die klinische Rechtsmedizin ist § 27 Abs. 1 SGB V wichtig: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die vertrauliche Spurensicherung am Körper bei Hinweisen auf Misshandlung, sexuellen Missbrauch, sexuelle Übergriffe oder Vergewaltigung, auch ohne Anzeige. Die Verträge dafür schließen die Krankenkassen mit dem Land und geeigneten Einrichtungen, die Abrechnung ist anonym (§ 132k SGB V). Welche Befugnisse und Pflichten beim Kinderschutz gelten, erklärt Kinderschutz: § 4 KKG in Praxis und Klinik.

Universitätsinstitute und gerichtsärztliche Dienste

Die Ärztestatistik der Bundesärztekammer zeigt ein Gebiet fast ohne Praxis:

Universitätsinstitute und gerichtsärztliche Dienste
TätigkeitsbereichAnzahl
stationär, das heißt an Kliniken und ihren Instituten185
sonstige Bereiche68
Behörden und Körperschaften, davon Gesundheitsamt 1245
ambulant15
berufstätig insgesamt313

Quelle: Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31. Dezember 2025, Tabelle 3.

In erster Linie arbeiten Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner laut BERUFENET an rechtsmedizinischen Universitätsinstituten, im gerichtsärztlichen Dienst sowie bei Landes- und Bundeskriminalamt. Universitätsinstitute sind zugleich Orte von Forschung und Lehre; was das für den Arbeitsalltag bedeutet, beschreibt der Beitrag Universitätsklinikum als Arbeitgeber.

Tarif, Befristung und Dienste

Welcher Tarif gilt, hängt vom Arbeitgeber und von der Tätigkeit ab. Der TV-Ärzte der TdL gilt an Universitätskliniken nur für Ärztinnen und Ärzte, die überwiegend Aufgaben in der Patientenversorgung wahrnehmen oder in ärztlichen Servicebereichen der Patientenversorgung eingesetzt sind (§ 1 Abs. 1 TV-Ärzte). Ist das Institut Teil der Universität und fehlt die Patientenversorgung, gilt in den Ländern der Tarifgemeinschaft der TV-L mit den Sonderregelungen für Hochschulen (§ 40 TV-L). Im Landes- oder Bundesdienst außerhalb der Hochschule kommen Beamtenstellen oder der TV-L beziehungsweise TVöD in Betracht.

An Universitäten regelt die Befristung zur Qualifizierung das Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Es erlaubt Befristungen zur Qualifizierung bis zu sechs Jahre vor und nach der Promotion, in der Medizin nach der Promotion bis zu neun Jahre (§ 2 Abs. 1 WissZeitVG). Obduktionen und Tatortbesuche fallen nicht planbar an; wie Rufbereitschaft geregelt ist, legt das Institut fest. Die tariflichen Grenzen erklärt Bereitschaftsdienst für Ärztinnen und Ärzte.

Das Team im Institut

Zur Arbeit gehören Laboruntersuchungen in Histologie, Toxikologie und Spurenkunde. Dafür arbeiten im Institut Laborfachkräfte wie Medizinische Technologinnen und Technologen für Laboratoriumsanalytik und naturwissenschaftliches Personal, einen Überblick über die Laborberufe gibt Diagnostik und Labor. Die Gutachten entstehen in enger Abstimmung mit Staatsanwaltschaft, Polizei und Gerichten.

Wer ohne Patientenversorgung arbeiten möchte, findet weitere Wege im Beitrag Ärztin oder Arzt ohne Patientenversorgung.

Abgrenzung zu Pathologie und forensischer Psychiatrie

  • Pathologie: klinische Obduktionen und die Untersuchung von Gewebe Lebender für die Diagnose, nicht die Bearbeitung rechtlicher Fragen. 6 Monate Pathologie sind Pflicht in der rechtsmedizinischen Weiterbildung.
  • Psychiatrie und Psychotherapie: Der Schwerpunkt Forensische Psychiatrie begutachtet Schuldfähigkeit und Prognose aus psychiatrischer Sicht; die Rechtsmedizin vor allem aus körperlicher und toxikologischer Sicht.
  • Öffentliches Gesundheitswesen: amtsärztliche Aufgaben im Gesundheitsamt mit eigener Facharztweiterbildung.

Häufige Fragen

Muss ich vor der Rechtsmedizin Pathologie machen?

Nein, eine vorherige Facharztanerkennung ist nicht nötig. Die Muster-WBO verlangt aber 6 Monate in der Pathologie innerhalb der 60 Monate, dazu 6 Monate in Psychiatrie und Psychotherapie.

Wie viele gerichtliche Obduktionen sieht die Weiterbildung vor?

Die Muster-WBO nennt als Richtzahl 300 gerichtliche Obduktionen mit rechtsmedizinischer Sektionstechnik, Sektionsprotokoll und vorläufigem Gutachten. Dazu kommen 400 bewertete Leichenschaubefunde.

Untersuchen Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner auch Lebende?

Ja, die klinische Rechtsmedizin ist fester Teil der Weiterbildung, mit Untersuchung und Dokumentation von Verletzungen, besonders bei Kindesmisshandlung und Sexualdelikten. Die vertrauliche Spurensicherung zahlen die Krankenkassen nach § 27 Abs. 1 SGB V.

Wer darf eine gerichtliche Obduktion vornehmen?

Zwei Ärztinnen oder Ärzte, von denen eine oder einer Gerichtsärztin oder Gerichtsarzt, Institutsleitung oder eine beauftragte Ärztin oder ein beauftragter Arzt des Instituts mit gerichtsmedizinischen Fachkenntnissen sein muss (§ 87 Abs. 2 StPO). Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt ist ausgeschlossen.

Wo arbeiten Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner außerhalb der Universität?

Im gerichtsärztlichen Dienst und bei den Kriminalämtern von Land und Bund, nennt die Bundesagentur für Arbeit. Ende 2025 waren 45 der 313 berufstätigen Fachärztinnen und Fachärzte bei Behörden und Körperschaften beschäftigt, 12 davon im Gesundheitsamt, und nur 15 arbeiteten ambulant.

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