Studieren im Gesundheitswesen
Ein Studium im Gesundheitswesen führt nicht automatisch in einen Heilberuf. Es kommt darauf an, ob der Studiengang zu einer staatlichen Berufszulassung führt: zur Approbation in Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Psychotherapie, zur Erlaubnis in Pflege, Hebammenwissenschaft und Therapie oder zu keinem geschützten Beruf wie in Gesundheitsmanagement und Public Health.
Inhalt
Staatsexamen, primärqualifizierender Bachelor, aufbauendes Studium
Ob ein Studium dich zur Behandlung von Patientinnen und Patienten berechtigt, entscheidet das Berufsrecht, nicht der akademische Grad: Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie enden mit staatlichen Prüfungen und der Approbation, primärqualifizierende Studiengänge in Pflege, Hebammenwissenschaft und Therapie verbinden Bachelor und Berufserlaubnis, und aufbauende Studiengänge vertiefen einen Beruf, den du schon hast.
Ein Bachelor in Gesundheitsmanagement oder Physician Assistance führt zu keiner staatlichen Berufszulassung.
Lass dir von der Hochschule schriftlich bestätigen, ob ein Studiengang zur Erlaubnis nach dem jeweiligen Berufsgesetz führt. Bezeichnungen wie „dual“, „ausbildungsintegrierend“ oder „primärqualifizierend“ klingen ähnlich, bedeuten aber Verschiedenes.
Studienwege im Vergleich
| Studium | Abschluss | Dauer | Berufszulassung | Zulassung zum Studium |
|---|---|---|---|---|
| Humanmedizin | Ärztliche Prüfung | mindestens 6 Jahre, davon 8 bis 12 Monate praktisch | Approbation nach § 3 BÄO | Zentrales Vergabeverfahren, hochschulstart |
| Zahnmedizin | Zahnärztliche Prüfung | 5 Jahre | Approbation | Zentrales Vergabeverfahren |
| Pharmazie | Pharmazeutische Prüfung in drei Abschnitten | 4 Jahre und 12 Monate praktische Ausbildung | Approbation | Zentrales Vergabeverfahren |
| Psychotherapie | Bachelor und Master, staatliche Prüfung | 5 Jahre, 300 ECTS-Punkte | Approbation nach dem Psychotherapeutengesetz | Hochschule |
| Pflege, primärqualifizierend | Bachelor und Erlaubnis | mindestens 3 Jahre | Pflegefachfrau oder Pflegefachmann mit akademischem Grad | Hochschule und Vertrag mit Praxisträger |
| Hebammenwissenschaft | Bachelor und staatliche Prüfung | 6 bis 8 Semester | Erlaubnis nach dem Hebammengesetz | Hochschule und Vertrag mit Praxiseinrichtung |
| Physiotherapie, primärqualifizierend | Bachelor und staatliche Prüfung | je nach Studiengang | Erlaubnis nach dem MPhG | Hochschule |
| Physician Assistance, Medizininformatik, Public Health | Bachelor oder Master | je nach Studiengang | keine staatliche Berufszulassung | Hochschule |
Quellen: BÄO, ZApprO, AAppO, PsychThG, PflBG, HebG, MPhG, hochschulstart; Stand 27. September 2026.
Zulassung zum Medizinstudium
Humanmedizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie vergibt die Stiftung für Hochschulzulassung im Zentralen Vergabeverfahren über hochschulstart. Nach Abzug der Vorabquoten von bis zu 20 Prozent, zu denen Härtefälle, Zweitstudium und Landarztquoten gehören, gehen 30 Prozent der Plätze nach der Abiturnote, 10 Prozent über die Zusätzliche Eignungsquote ohne Schulnoten, etwa mit Studieneignungstest oder Berufsausbildung, und 60 Prozent über das Auswahlverfahren der Hochschulen. Einzelheiten stehen im Beitrag Zulassung zum Medizinstudium.
Über eine Landarztquote bekommst du einen Studienplatz gegen die Verpflichtung, nach Studium und Weiterbildung mindestens zehn Jahre hausärztlich in einem unterversorgten Gebiet des Landes zu arbeiten; wer die Verpflichtung bricht, zahlt in Nordrhein-Westfalen und Bayern 250.000 Euro Vertragsstrafe. Den Vergleich der Länder zeigt der Beitrag Landarztquote. Das Studium selbst mit dem Praktischen Jahr beschreibt der Beitrag Praktisches Jahr.
Primärqualifizierende Studiengänge und ihr Berufsrecht
Das Pflegestudium dauert mindestens drei Jahre, ist ein duales Studium mit Praxiseinsätzen und endet mit der Erlaubnis als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann mit akademischem Grad (§§ 1 und 38 PflBG). Studierende schließen einen Ausbildungsvertrag mit dem Träger des praktischen Teils, für den die Regeln der beruflichen Pflegeausbildung entsprechend gelten, einschließlich der Vergütung (§ 38b PflBG). Das Hebammenstudium ist seit 2020 der Regelweg, dauert sechs bis acht Semester und ist ebenfalls dual; die verantwortliche Praxiseinrichtung zahlt eine angemessene monatliche Vergütung (§§ 11 und 34 HebG).
In der Physiotherapie erlaubt § 18a MPhG den Ländern unbefristet, die Ausbildung an Hochschulen durchzuführen; ähnliche Regeln gibt es für Ergotherapie und Logopädie. Einen Überblick über die Formen gibt der Beitrag Physiotherapie studieren. Für Psychotherapie gilt seit 2020 ein eigener Weg aus Bachelor, Master und Approbation, beschrieben im Beitrag Psychotherapie studieren. Den Masterweg für die Pflege zeigt der Beitrag Advanced Practice Nurse.
Studieren ohne Abitur und mit Berufsausbildung
Seit einem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 haben Meisterinnen und Meister, Absolventinnen und Absolventen von Aufstiegsfortbildungen mit mindestens 400 Unterrichtsstunden und von vergleichbaren landesrechtlichen Fortbildungen für Berufe im Gesundheitswesen die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Wer eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und drei Jahre Berufspraxis in einem passenden Bereich hat, kann nach einer Eignungsprüfung oder einem Probestudium fachgebunden studieren. Die Länder können weitergehende Regeln treffen.
Eine Pflegefachfrau mit Fachweiterbildung kann so zum Beispiel Pflegewissenschaft oder Pflegepädagogik studieren. Welche Hochschulen welche Studiengänge anbieten, zeigt der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz.
Studium im EU-Ausland und Anerkennung
Ein ärztlicher Abschluss aus einem anderen Staat der EU oder des EWR gilt als gleichwertig, wenn er in der Anlage zur Bundesärzteordnung aufgeführt ist (§ 3 Abs. 1 BÄO). Für die Approbation brauchst du zusätzlich die für den Beruf erforderlichen Deutschkenntnisse. Was bei der Rückkehr zu beachten ist, beschreibt der Beitrag Medizinstudium im EU-Ausland.
Finanzierung
In Pflege und Hebammenwissenschaft bekommst du während des Studiums eine Vergütung vom Praxisträger. In Medizin gibt es für das Praktische Jahr keinen gesetzlichen Anspruch auf Bezahlung; die Approbationsordnung begrenzt Geld- und Sachleistungen nur nach oben auf den BAföG-Bedarf, im Wintersemester 2026/27 sind das 855 Euro im Monat. Für alle anderen Studiengänge gelten die allgemeinen Wege, vor allem BAföG und Stipendien.
Häufige Fragen
Welches Studium führt zu welcher Berufszulassung?
Humanmedizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Psychotherapie führen zur Approbation, das primärqualifizierende Pflegestudium zur Erlaubnis als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, die Hebammenwissenschaft zur Erlaubnis nach dem Hebammengesetz. Physician Assistance, Medizininformatik und Public Health führen zu keiner staatlichen Berufszulassung.
Wie funktioniert die Zulassung zum Medizinstudium?
Über das Zentrale Vergabeverfahren von hochschulstart: Nach Abzug der Vorabquoten von bis zu 20 Prozent gehen 30 Prozent der Plätze nach der Abiturnote, 10 Prozent über die Zusätzliche Eignungsquote ohne Schulnoten und 60 Prozent über das Auswahlverfahren der Hochschulen.
Welche Gesundheitsstudiengänge sind vergütet?
Das primärqualifizierende Pflegestudium nach § 38b PflBG und das Hebammenstudium nach § 34 HebG. Im Praktischen Jahr der Medizin gibt es keinen gesetzlichen Anspruch, nur eine Obergrenze, im Wintersemester 2026/27 sind das 855 Euro im Monat.
Kann ich ohne Abitur studieren?
Ja. Nach dem KMK-Beschluss von 2009 öffnen Aufstiegsfortbildungen mit mindestens 400 Stunden und landesrechtliche Fortbildungen für Gesundheitsberufe den allgemeinen Hochschulzugang, eine zweijährige Ausbildung mit drei Jahren Berufspraxis und Eignungsprüfung den fachgebundenen Zugang.
Wird ein Studium im EU-Ausland anerkannt?
Ein ärztlicher Abschluss aus der EU oder dem EWR gilt als gleichwertig, wenn er in der Anlage zur Bundesärzteordnung steht. Für die Approbation brauchst du zusätzlich ausreichende Deutschkenntnisse.
Deine Fragen
für deine Entscheidung
- Welche Tätigkeit möchtest du fünf Jahre nach dem Abschluss ausüben?
- Führt der Studiengang zu einer staatlichen Berufszulassung oder nur zu einem akademischen Grad?
- Läuft die Bewerbung über hochschulstart oder direkt bei der Hochschule, und welche Fristen gelten?
- Wie hoch sind Praxisanteil und Vergütung, und wer ist der Praxisträger?
- Welche Gesamtkosten entstehen einschließlich Wohnen, Materialien und möglicher Studiengebühren?
- Hast du den Berufsalltag durch Praktikum, Hospitation oder Gespräche geprüft?
Ausbildung im Gesundheitswesen
Pflegepraktikum, Famulatur und Praxisphasen
